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Landesweite Kontrollen des Reiseverkehrs in Nordrhein-Westfalen

Region/Düsseldorf – NRW Innenminister Reul: Sicherheit beginnt beim Packen. Das Ministerium des Innern NRW teilt mit – Zur Mitte der Sommerferien kontrolliert die nordrhein-westfälische Polizei landesweit den Reiseverkehr und gibt Sicherheits-Tipps für die Fahrt in den Urlaub. Innenminister Herbert Reul besuchte aus diesem Anlass eine Kontrollstelle des Polizeipräsidiums Düsseldorf an der Raststätte Hösel auf der Bundesautobahn 3. Vor Ort festgestellte Verstöße ahndete die Polizei sofort. Reisende konnten sich an Informationsständen beraten lassen, die Polizei hat für die Gefahren des Straßenverkehrs-sensibilisiert. Auch die Feuerwehr war vertreten und klärte unter anderem in Sachen Brandschutz im Straßenverkehr auf.

„Nehmen Sie Rücksicht, halten Sie sich an die Regeln und richten Sie Ihren Fokus während der Fahrt auf den Verkehr und nicht aufs Handy. Denken Sie da vor allem auch an Ihre Familie, die mit im Auto sitzt und für die sie die Verantwortung haben“, mahnte Innenminister Herbert Reul.

Überhöhte Geschwindigkeit, zu wenig Abstand und Ablenkung gehören auch im Reiseverkehr zu den Hauptunfallursachen. So kam es 2021 auf den Autobahnen in Nordrhein-Westfalen zu 1.202 Unfällen wegen zu geringem Abstand. Überhöhte Geschwindigkeit war in 1.916 Fällen der Grund für einen Unfall. Auf diese und andere Gefahren im Straßenverkehr wies die Polizei an ihren Informationsständen hin. Reisende konnten durch VR-Brillen und einen Ablenkungssimulator etwa die Tücken des toten Winkels oder den Straßenverkehrsraum aus Kindersicht selbst erleben.

„Damit alle sicher ans Ziel kommen, sollte man bereits vor der Abfahrt in den Urlaub ein paar Dinge beachten. Dazu gehört die Kontrolle von Reifendruck, Ölstand und Wasser genauso wie ausreichend Schlaf für den Fahrer und die korrekte Beladung. Umherfliegende Gegenstände können zu schweren Verletzungen führen. Sicherheit beginnt beim Packen“, sagte Innenminister Reul am Samstagmorgen auf dem Rastplatz an der A3. Die Polizei zeigte den Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmern unter anderem, wie sie Ladung im Kofferraum sicher verstauen, ab wann ihr Wohnmobil überladen ist und wie Fahrrad- und Gepäckträger ordnungsgemäß angebracht werden. Ein besonderes Augenmerk lag bei der Aktion auf der Sicherung von Kindern. Statistiken zufolge wird nur ein Drittel von ihnen bei der Fahrt im Auto ordnungsgemäß gesichert.

Der landesweite Einsatz, bei dem alle 47 Kreispolizeibehörden beteiligt waren, ist bereits der zweite in den Sommerferien 2022. Zum Ferienstart gab es ebenfalls einen Kontrolltag, an dem die Polizei entlang der Hauptreiserouten präsent war. Pünktlich zur zweiten Reisewelle fand nun der zweite Aktionstag statt. Viele Menschen brechen an diesem Wochenende in den Urlaub auf, während andere bereits zurückfahren. Außerdem belastet der Ferienstart in den Niederlanden und anderen Bundesländern die Straßen in Nordrhein-Westfalen zusätzlich.

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Trauer, Zweifel, Dankbarkeit und Hoffnung – Ökumenische Gottesdienste zum Flutgedenken in Ahrbrück und Ehrang

Ahrbrück/Ehrang – Der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann, Dr. Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland und Pfarrerin Claudia Rößling-Marenbach (evangelische Kirchengemeinde Adenau) sowie Gemeindereferentin Manuela Kremer-Breuer (katholische Pfarreiengemeinschaft Altenahr) gaben rund 250 Frauen, Männern und Kindern bei einem ökumenischen Gedenkgottesdienst am 15. Juli in Ahrbrück Raum für Trauer, Zweifel, Dankbarkeit sowie Impulse für hoffnungsvolle Perspektiven. „Wir wollen noch einmal an das Geschehene denken, ins Jetzt blicken, aber eben auch einen Ausblick voller Hoffnung wagen“, sagte Pfarrerin Claudia Rößling-Marenbach zu Beginn des Gottesdienstes vor der evangelischen Auferstehungskapelle in Ahrbrück.

In der Predigt gingen Bischof und Präses auf den Trostbrief des Propheten Jeremia ein, den er einst an die im Exil lebenden Israeliten schrieb. Sie formulierten daraus Ansätze der Hoffnung: „Als die Vertriebenen wieder in ihre Heimat zurück durften, war der Ort nicht mehr derselbe, aber er wurde ihnen neu zur Heimat“, zog Ackermann einen Vergleich zwischen dem Text aus dem Alten Testament und der Situation im Ahrtal. Die Flut habe tiefe Spuren hinterlassen, so Latzel. „Sie hat Menschen getötet, Häuser weggerissen und Lebenspläne zerstört.“ Die Flut sei eine sinnlose Zerstörung, „weder pädagogisch belehrend noch im Sinne eines Gerichts“ zu verstehen. Der Präses versicherte: „Gott denkt an uns, gerade in Zeiten der Not und wird dem Leiden nicht das letzte Wort lassen.“ Dies zeige sich etwa in der großen Solidarität, die die Menschen in den Hochwassergebieten erleben durften.

Ahrtal – Trotz allem „Heimat“

„Menschen haben das Tal traumatisiert, resigniert, unter Abschiedsschmerz verlassen“, so der Trierer Bischof, der selbst sieben Jahre in unmittelbarer Nähe zum Ahrtal, in Lantershofen lebte. Er kenne die Dankbarkeit und den Stolz der Menschen, die diese Region als ihre Heimat bezeichnen. „Für diejenigen, die hiergeblieben sind, die zurückkehren konnten, und die, die sich nach der Rückkehr sehnen, ist klar: Das ist meine Heimat, begnadet, gesegnet – trotz allem.“ Als greifbares Zeichen der Hoffnung wurden innerhalb des Gottesdienstes Sonnenblumen verteilt. „Überall an der Ahr wuchsen nach der Flut, wie durch Zauberhand, diese Blumen aus den Trümmern. Sie sind Symbol der Hoffnung und der Gewissheit, dass sich das Leben wieder eine neue Bahn sucht“, erklärte Elly Schmidt, eine junge Betroffene aus Insul. Im Anschluss an den Gottesdienst zog die Gemeinde an die Ahr, um Teil der Menschenkette zu werden, die das gesamte Tal durchzog. Vor dem Gottesdienst besuchten Präses und Bischof den gesamten Tag Projekte und Orte entlang der Ahr, um sich mit Betroffenen sowie Helferinnen und Helfern auszutauschen.

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Am Jahrestag der Flut – Feierstunden unter starker Mechernicher Beteiligung

Euskirchen/Mechernich – Auch in der am 14. Juli 2021 schwer vom Hochwasser verwüsteten Kreisstadt Euskirchen wurde am Jahrestag der 26 Todesopfer im Kreis Euskirchen gedacht. In einem vor dem Kreishaus enthüllten Stahlrelief aus der Hosteler Metallbau-Spezialwerkstatt von Willi und Dirk Müller werden sie durch Lücken symbolisiert.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (v.r.), die Entwerferin Anna von Laufenberg, NRW-Innenminister Herbert Reul und der hier fast verdeckte Landrat Markus Ramers enthüllten vor dem Kreishaus eine Gedenkstele an die Flut vor einem Jahr, die im Kreisgebiet 26 Menschenleben forderte, die durch ebenso viele Lücken symbolisiert werden. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Die entwerfende Künstlerin Anna von Laufenberg sagte: „Es sind genau 26 Lücken. 26 Menschen verloren im Kreis Euskirchen durch die Flut ihr Leben. Sie hinterlassen Lücken dort, wo sie heute besonders vermisst werden: in ihren Familien, in ihren Freundeskreisen, an ihren Arbeits- und Ausbildungsorten.“

Rotkreuz-Kreisgeschäftsführer Rolf Klöcker (r.) und DRK-Funktionär Thomas Heinen mit Landrat Markus Ramers bei der Ankunft von NRW-Innenminister Herbert Reul in Euskirchen. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Mitgefühl und Solidarität galten bei Feiern mit staatlichen Repräsentanten wie Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier, Ministerpräsident Hendrick Wüst und den Innenministern Nancy Faeser (Bund) und Herbert Reul (Land) in der Herz-Jesu-Kirche und vor dem Kreishaus auch den Hinterbliebenen der Toten und Tausenden schwergetroffenen und traumatisierten Menschen im Kreis, die die Jahrhundertflut im Kreisgebiet hinterlassen hat.

Zahlreiche Vertreter von Rotem Kreuz, Feuerwehr, THW und den Hilfsorganisationen waren auf Einladung von Landrat Markus Ramers zur Gedenkstunde vor das Kreishaus gekommen. Es waren Vertreter derer, die in der schrecklichen Nacht auf den 15. Juli 2021 und in den Tagen und Wochen danach alles getan hatten, um den Menschen in den Tälern und entlang der Flussläufe bis in die Börde hinein zu helfen. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Kann sich wiederholen, was das Leben vieler Anrainer der Bach- und Flussläufe, aber auch Tausender privater freiwilliger Helfer und Angehörigen der Rettungsorganisationen für immer verändert hat? „Ja“ lautete die schnörkellose Antwort der Bundesinnenministerin bei der Feierstunde vor dem Kreishaus.

Bevölkerungsschutz wiederbeleben

Jederzeit – und zwar aufgrund der weltweiten, offenbar von Menschen verursachten klimatischen Umwälzungen. Deshalb müssten Frühwarn- und Alarmierungssysteme modernisiert und der im Dornröschenschlaf versunkene Bevölkerungsschutz aus der Zeit des Kalten Krieges wiederbelebt und reaktiviert werden, so NRW-Innenminister Reul, Nancy Faeser und der Euskirchener Landrat Markus Ramers.

Die drei enthüllten zusammen mit der aus Mechernich-Lückerath stammenden Grafikerin Anna von Laufenberg vor dem Kreishaus eine Gedenkstele, die fortan an die 26 Todesopfer erinnert, die die Flutkatastrophe allein im Kreis Euskirchen forderte.

„Hier am Kreishaus, wo Tausende Notrufe eingegangen sind und von wo aus die Rettungseinsätze koordiniert wurden“, sei der richtige Ort, in einem würdevollen Rahmen der Opfer zu gedenken, betonte Landrat Markus Ramers.

Scharfkantige Gebilde im oberen Bereich des Kunstwerks symbolisieren die Trümmer, die die Flut in den Orten hinterlassen habe – organische Formen im unteren Teil visualisierten das Wasser, „das sich mit erschreckender Kraft seinen Weg gebahnt hat und dessen Spuren auch heute noch vielerorts zu sehen sind“, erläuterte die Künstlerin, was sie in ihrem Entwurf darstellen will.

Gefertigt wurde die Stele aus rostendem Stahl von dem Hosteler Metallbauspezialbetrieb der Meister Willi und Dirk Müller. Sie hatten mit ihrem Team bereits 2021 zwei Reliefentwürfe der früheren Lückeratherin Anna Lang (37) umgesetzt, die vor der Wallfahrtskirche St. Georg in Kallmuth und vor dem Mechernicher Rathaus stehen. Das eine zeigt in einer Stilisierung der in Kallmuth verehrten Pieta „Maria, die geerdete »Schmerzhafte Mutter« als Trösterin der Entrechteten und der Geknechteten dieser Welt“.

Die abstrakte Stele in Mechernich gemahnt an alle Opfer von Krieg, Terror und Gewalt und gilt als erstes Denkmal im weiten Umland, das sich auf Anregung des Buchautors und Journalisten Franz-Albert Heinen speziell auch der fast vergessenen russischen und polnischen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen annimmt, die im linksrheinischen Teil von Nazideutschland umgebracht wurden.

Anna Lang lernte nach dem Abitur am Turmhof-Gymnasium Mechernich an der Glasfachschule Rheinbach Grafik und Design, ehe sie an der Bergischen Universität Wuppertal Gestaltungstechnik, Anglistik und Kunst studierte. Die heute in Nörvenich Lebende unterrichtet am Nelly-Pütz-Berufskolleg Düren.

Zahlreiche Vertreter von Rotem Kreuz, Feuerwehr, THW und den Hilfsorganisationen waren auf Einladung von Landrat Markus Ramers zur Gedenkstunde vor das Kreishaus gekommen. Es waren Vertreter derer, die in der schrecklichen Nacht auf den 15. Juli 2021 und in den Tagen und Wochen danach alles getan hatten, um den Menschen in den Tälern und entlang der Flussläufe bis in die Börde hinein zu helfen.

Held vom Steinbachdamm

Viele riskierten dabei ihr eigenes Leben, wie der Baggerführer, Landwirt und Unternehmer Hubert Schilles, der mit seinem Zwillingsbruder Peter Schilles zur Gedenkfeier gekommen war. Seit er den verstopften Grundablass der überlaufenden Steinbachtalsperre bei Euskirchen-Kirchheim mit seiner Baggerschaufel wieder freilegte und Tausende entlang von Steinbach und Erft vor Schlimmerem bewahrte, verbindet NRW-Innenminister Herbert Reul und den Floisdorfer eine herzliche Verbindung.

Das wurde auch bei der Feierstunde am Donnerstag von Reul zur Sprache gebracht. 26 Menschen hätten im Kreis Euskirchen in der Flutnacht ihr Leben verloren, so der Minister: „Dass es nicht mehr geworden sind, ist das Verdienst der Helfer. Die Not war groß, aber die Hilfsbereitschaft noch größer…“

Den Dank der Bundesregierung richtete Nancy Faeser aus – und erklärte vor den vollbesetzten Reihen der uniformierten Vertreter der Hilfs- und Rettungsorganisationen: „Sie alle sind Helden.“

„Wir sollten uns viel mehr auf die konzentrieren, die etwas tun“, betonte Herbert Reul: „Sie sind mehr wert als die, die nachher alles besser wissen und genau sagen können, wer was schuld ist.“ Der Journalist Thorsten Wirtz (Rheinische Redaktionsgemeinschaft) schreibt: „Bei allen Bemühungen um Wiederaufbau und mehr und besseren Katastrophenschutz warnte Reul, der die Realität im Katastrophengebiet und in seiner ebenfalls vom Hochwasser getroffenen Heimatstadt Leichlingen vor Augen hat, vor übereilten »schnellen Antworten«“. Rufen nach mehr Zentralisierung erteilte er eine Absage.

Nancy Faeser befand hingegen, das gemeinsame Kompetenzzentrum beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sei ein erster Schritt: „Schnell reagieren, schnell warnen, schnell helfen“ seien die Ziele. Und: „Der effiziente Schutz der Menschen muss im Vordergrund stehen – und nicht Zuständigkeits- oder Verwaltungsfragen.“

Schreiber: 45 Neuanmeldungen

Die Katastrophe und die ihr folgende Welle der Hilfsbereitschaft hat auch bei den Rettungsorganisationen deutliche Spuren hinterlassen. Allein in Mechernich haben sich seither 45 neue Interessenten für den Beitritt in die Freiwillige Feuerwehr gemeldet, sagte Stadtwehrführer Jens Schreiber am Jahrestag in einem Fernsehbeitrag. Nie war der Zuspruch aus der Bevölkerung für Feuerwehr, Rotes Kreuz & Co größer als nach dem 21. Juli

„Was wir vor Ort leisten können, tun wir gerne“, erklärte Markus Ramers. 95 Prozent der nicht-polizeilichen Gefahrenabwehr zwischen Ville und Venn würden ehrenamtlich geleistet: „Von Menschen mit Herz und Verstand. Sie sind das Herz unseres Bevölkerungsschutzes!“

Nach der Gedenkstunde vor dem Kreishaus haben unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst in der örtlichen Herz-Jesu-Kirche der mehr als 180 Opfer der Flut in NRW und Rheinland-Pfalz gedacht. Es sei ein Tag „des Innehaltens und der Trauer“, sagte der Bundespräsident im Anschluss an einen Ökumenischen Gottesdienst zum ersten Jahrestag der Katastrophe.

An der Gedenkfeier nahmen auch zahlreiche Angehörige der Opfer teil. „Wir trauern gemeinsam und vereint. Mir war es wichtig, heute hier bei Ihnen zu sein. Als Bundespräsident möchte ich Ihnen sagen: Sie sind nicht allein“, so Steinmeier. Die furchtbare Zerstörung, die das Wasser zurückließ, sei bis heute sichtbar, er habe vor der Leistung des Wiederaufbaus enormen Respekt. Er könne sich aber auch vorstellen, dass manche das Gefühl hätten, dass vieles zu langsam vorangeht. „Einiges ist nicht gut gelaufen“, räumte Steinmeier ein.

„Wir müssen jede, aber auch wirklich jede Anstrengung unternehmen, um die Folgen des Klimawandels zu bekämpfen, und wir müssen viel umfassender Vorsorge treffen, um unseren Kindern und Enkeln einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen“, sagte der Bundespräsident in Euskirchen.

Der Toten in NRW wurde mit 49 Glockenschlägen gedacht. Die Bilder von den unbändigen Kräften der Natur hätten sich „für immer in das kollektive Gedächtnis eingebrannt“, sagte Ministerpräsident Hendrik Wüst und erwähnte die „Flutprotokolle“ von „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Kölnischer Rundschau“, die aufgezeigt hätten, was das Hochwasser mit den Menschen gemacht habe. Der Ministerpräsident kündigte an, dass NRW einen Gedenkwald mit 49 Bäumen pflanzen will.

Lücken zwischen Wasser und Trümmern

Gerhard Voogt schreibt auf der Titelseite des „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Das Hochwasser am 14. und 15. Juli 2021 richtete in NRW in mehr als 180 Städten und Gemeinden große Schäden an. Besonders schwer wurden der Kreis Euskirchen, die Städteregion Aachen, der Rhein-Erft-Kreis, Leichlingen, der Märkische Kreis sowie die Stadt Hagen getroffen.“

„In NRW starben 24 Menschen in den Fluten, 25 Menschen in Gebäuden, so Voogt weiter: Viele hatten ihre Habseligkeiten retten oder nachsehen wollen, welche Schäden die Flut angerichtet hatte. Auch vier Feuerwehrmänner starben.“ Im Kreis Euskirchen wurden 26 Frauen, Männer und Greise getötet, das jüngste Opfer war 18. Der Sachschaden im Kreisgebiet wird auf eine Milliarde Euro geschätzt.

In Anna von Laufenbergs Gedenkstehle finden sich organische und mineralische Formen, „scharfkantige Gebilde im oberen Bereich stellen Trümmer dar – unterspülte Gebäude, zerstörte Autos, aufgerissene Straßen, entwurzelte Bäume, eingestürzte Brücken“, erklärte die Grafikerin zu ihren gestalterischen Überlegungen für die Gedenkstele.

Die organischen Formen im unteren Bereich visualisierten das Wasser, das sich mit erschreckender Kraft seinen Weg gebahnt habe und dessen Spuren auch heute noch zu sehen sind: „Schaut man nicht auf die Form selbst, sondern auf die Leerstellen, die sich zwischen den Formen bilden, kann man die Lücken ausmachen…“

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Gedenk-Veranstaltung am Jahrestag der Flutkatastrophe in Euskirchen

Euskirchen – Anlässlich des Jahrestages der Flutkatastrophe, die für viele Euskirchenerinnen und Euskirchen bis heute noch gravierende Nachwirkungen hat, hat die Stadt Euskirchen gemeinsam mit der katholischen und der evangelischen Kirche am 14. Juli 2022 einer Gedenkfeier im Klostergarten durchgeführt. Viele Bürgerinnen und Bürger waren dem Aufruf zur Teilnahme gefolgt und auch zahlreiche Delegationen der Hilfsorganisationen, die in den Tagen der Flut und danach unermüdlich im Einsatz waren, säumten das Atrium des City-Forums.

Das geistliche Programm wurde durch Diakon Werner Jacobs, Annette Kleinertz, Diakon Jens Schramm und Vikarin Dorothee Lindenbaum gestaltet. Für die passende musikalische Begleitung sorgte der Musikverein Kreuzweingarten-Rheder. Im Rahmen der Veranstaltung wurde der drei Todesopfer aus dem Stadtgebiet Euskirchen gedacht, für die symbolisch drei Kerzen entzündet und unter einem von den Jugendlichen der Jugendvilla gestalteten Regenbogen aufgestellt wurden.

Bürgermeister Sacha Reichelt blickte in seiner Rede nochmals auf das für so viele Menschen traumatische Ereignis der Flutkatastrophe zurück. In den Vordergrund stellte er aber den Dank an alle, die in den Tagen der Flut auf so vielfältige Weise in Euskirchen geholfen haben, die Situation zu bewältigen. Neben den vielen Privatleuten waren dies insbesondere die Mitglieder der Feuerwehr, des THW, des DRK, des MHD, der DLRG, der Polizei und anderer Organisationen. Der langanhaltende Applaus der Anwesenden signalisierte an dieser Stelle uneingeschränkte Zustimmung. Er betonte aber auch: „Es ist wichtig, dass wir den Mut nicht verlieren. Denn es bewahrheitet sich leider das, was wir von Beginn an befürchtet haben: Die Rückkehr zur Normalität ist kein Sprint – es ist ein Marathon.“ Dieser habe zwar gerade erst begonnen, aber ein gutes Stück des Weges sei schon geschafft und der Rest werde mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung auch gelingen. An manchen Stellen bedeute der Wiederaufbau sogar eine Chance für eine Verbesserung.

Zum Abschluss legten viele der Anwesenden Blumen als Zeichen des Gedenkens oder auch des Dankes für die erfahrene Hilfe unter dem Regenbogen nieder und schrieben ihre Gedanken in einem ausgelegten Buch nieder. Wer seine Gedanken ebenfalls noch in dieses Buch eintragen möchte, hat hierzu im Foyer des Rathauses, Kölner Straße 75, bis zum 22.07.2022 zu den Öffnungszeiten Gelegenheit.

Die Rede des Bürgermeisters ist nachlesbar unter https://www.euskirchen.de/rathaus/buergermeister/reden-des-buergermeisters

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Hand in Hand für die Flut-Betroffenen in Kordel

Kordel – Abgeschnitten von der Außenwelt, die Dorfstraßen voller Schutt und Schlammmassen, Häuser durch die Flut zerstört, Trinkwasser- und Stromversorgung ausgefallen: So sah es vor einem Jahr in Kordel aus. Bei der Hochwasserkatastrophe vom 14. und 15. Juli 2021 war der Eifelfluss Kyll wie auch die Ahr oder die Sauer nach starken Regenfällen rapide angestiegen, von 70 Zentimetern auf fast acht Meter, und hatte den eigentlich idyllisch in einem engen Tal gelegenen Ort geflutet. 225 Häuser wurden beschädigt, 600 der rund 2.300 Bewohner Kordels waren betroffen, viele von ihnen hatten keine Hochwasserversicherung. Die Zerstörungsgewalt des Wassers ließ viele Menschen in Kordel fassungslos zurück.

Gemeindereferentin Dagmar Meyer, 46, erinnert sich ein Jahr nach der Flutkatastrophe noch sehr genau an die ersten Tage zurück: „Es gab sofort eine unglaubliche Solidarität der Menschen untereinander, jeder packte mit an, half betroffenen Nachbarn oder auch Fremden. Von außerhalb reisten viele Helfer an, aus den umliegenden Dörfern kamen ganze Gruppen zu Fuß durch den Wald, weil die Straßen ja abgeschnitten waren.“ Mit Pfarrer Mario Kaufmann und einer kleinen Gruppe von Ehrenamtlichen machte auch Meyer sich auf den Weg durch die Straßen Kordels; Haus für Haus klapperten sie mit Papier und Stift ab, um aufzuschreiben, was die Leute am dringendsten benötigten. „Wir besorgten Kabeltrommeln, Kühlschränke, Gaskocher oder Lampen, aber vor allem waren wir da, um den Leuten beizustehen, ihnen zuzuhören“, sagt Meyer. Von Anfang an waren auch Wohlfahrtsverbände wie die Caritas, das Deutsche Rote Kreuz, die Malteser, der Arbeiter-Samariter-Bund oder die Diakonie an Ort und Stelle, um den Menschen in unterschiedlicher Weise zu helfen. Welche Hilfsangebote in den folgenden Monaten geschaffen wurden und welch enges Netzwerk aus Haupt- und Ehrenamtlichen entstanden ist – das mag einer der wenigen positiven Aspekte bei all den schrecklichen Folgen der Flut sein, sind sich Meyer und ihre beiden Kolleginnen von der Caritas-Fluthilfe, Katharina Schettle und Rachel Thull, einig.

„Zuhören, Da-Sein, Miteinander-Aushalten“

Die 27-jährige Rachel Thull arbeitet seit September 2021 als eine von zwei Fluthilfekoordinatorinnen im Fluthilfeteam des Caritasverbands Trier. Besonders wichtig sei in den ersten Wochen die „aufsuchende Hilfe“ gewesen: „Wir haben Flyer und Plakate verteilt, die Betroffenen einzeln besucht und in diesem Rahmen Haushaltsbeihilfen und Härtefallhilfen geleistet. Das tun wir bis heute. Inzwischen kommt auch die Wiederaufbauhilfe hinzu.“ Die Bedürfnisse der Leute hätten sich mit den Wochen ausgeweitet; so seien etwa viele überfordert mit den komplizierten Antragsverfahren auf finanzielle Hilfen gewesen. Bis heute steht in solchen Fällen das Fluthilfeteam der Caritas beratend zur Seite oder vermittelt Kontakte zu Anlaufstellen für Hilfen des Bundes und der Verbandsgemeinde oder anderen sozialen Organisationen. Besonders wichtig seien die persönlichen Gespräche, das „Zuhören, Da-Sein, Miteinander-Aushalten.“ Herbst und Winter seien für viele eine harte Zeit gewesen – es fehlten mancherorts Heizungen, und psychisch riss die Weihnachtszeit viele Wunden auf. Nach einigen Monaten habe man den Leuten deutlich angemerkt, dass sie sich eine Art von Normalität und Möglichkeiten zur Begegnung wünschten. „Wir haben dann geschaut, wer ist wo schon unterwegs, und wie können wir uns bestmöglich vernetzen“, sagt Thull.

Enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Organisationen sehr wertvoll

Das bestätigt auch Meyer: „Am Anfang funktionierten die Leute einfach, es dominierte die reine Aufräumarbeit, das Organisieren. Doch dann hat sich die gute Zusammenarbeit der Wohlfahrtsverbände, des Vereins „Zukunft für Kordel“ und der Ehrenamtlichen als unglaublich wertvoll erwiesen. Wir konnten durch den Einsatz unserer Ehrenamtlichen wie Inge Hostert oder Maria Birkel-Jacob Leute erreichen, die wir sonst als kirchliche Mitarbeitende nicht kennen, und sie auf Hilfsangebote wie den DRK-Bus auf dem Netto-Parkplatz oder Veranstaltungen aufmerksam machen“, erzählt Meyer. Alle hätten an einem Strang gezogen, ob Ortsbürgermeister Medard Roth oder der Direktor der Grundschule Marco Bamberg, der seine Räume für Treffen zur Verfügung stellte. Zusammen organisierten die in der Fluthilfe Beteiligten im April eine Veranstaltungsreihe im Bürgerhaus mit mehreren Bastel- und Spielenachmittagen für Kinder und Jugendliche und Café-Treffs für Erwachsene, die sehr gut angenommen wurden und den Menschen wieder geselligen Austausch ermöglichten. Gerade solche Begegnungsräume seien enorm wichtig, weiß die 30-jährige Sozialarbeiterin Katharina Schettle. Der langwierige Wideraufbau und das Warten auf Beihilfen zehre an den Nerven, hinzu kämen die Verluste persönlicher Besitztümer oder der sozialen Infrastruktur im Dorf. Deshalb verstärke seit dem Frühjahr auch eine Psychologin das Fluthilfeteam der Caritas. Ob bei Hausbesuchen oder gemeinsamen Spaziergängen können sie und ihre Kollegin am meisten erspüren, was die Menschen benötigen, berichtet sie.

Und wie ist die Stimmung heute? „Wir merken, dass die Menschen in Kordel den Willen haben, wieder Leben in ihren Ort zu bringen; sie gehen sehr stark mit der Katastrophe um“, ist Thulls Eindruck. „Die Leute brauchen viel Durchhaltekraft. Dabei versuchen wir, so gut wie möglich zu unterstützen und auch noch langfristig Hilfen anzubieten“, ergänzt Meyer. Die enge Zusammenarbeit wollen sie auf jeden Fall in Zukunft beibehalten und auch in Zukunft Projekte in den von der Flut betroffenen Gebieten anstoßen, ob in Kordel, Ehrang oder an der Sauer. (sb)

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„Miteinander sind wir stark!“ – Kommerner Flut-Gottesdienst zum Jahrestag – Flutlied von Stephan Brings

Mechernich-Kommern – In Kommern wurde der Flutkatastrophe am ersten Jahrestag mit einem „Flutgottesdienst“ gedacht. Die Veranstalter hatten für ein volles Rahmenprogramm gesorgt, so kamen unter anderem Helfer und Opfer zu Wort, die ergreifende Geschichten mit den Anwesenden teilten, Stephan Brings spielte sein Flutlied „1407“ und zusammen konnte man einen Abend der Solidarität, Gemeinschaft und Erinnerung erleben. Anschließend wurde zu einem Stehempfang im Pfarrheim geladen.

Genau ein Jahr nach der Flut hat Kommern in der „St.-Severinus“ Kirche einen großen „Flutgottesdienst“ mit vielen (Promi-)Gästen und randvollem Rahmenprogramm gefeiert. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur Profipress

„Viele noch auf Hilfe angewiesen“

Der Gottesdienst begann mit einem Orgellied, gespielt vom Organisten Jörg Schreiner. In seiner anschließenden Eröffnungsansprache betonte der katholische Pfarrer Dr. Hans Fuhs: „Das Leben hat sich in nur einer Nacht für uns alle jäh geändert. Uns wurde die Sicherheit und vielen noch mehr genommen.“ Er verglich sie mit der biblischen Flut von Babylon, die Tod und Zerstörung brachte. „Dann kam die nächste Flut, aber diesmal eine der Hilfsbereitschaft, von überall aus der Region, ganz NRW und dem Bundesgebiet. So zeigte sich auf einmal eine unglaubliche Solidarität“, bemerkte Fuhs.

Der Dietrich-Bonhoeffer-Chor unter Leitung von Pascal Lucke hüllte die Kirche in melancholisch-schöne Klänge. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur Profipress

Weiter ging es mit der „Kyrie“. „Siehe, ein Mensch, im Elend, in Not, im Strudel! Ich helfe, so gut ich kann! Tue ich genug, tue ich das Richtige? Zur rechten Zeit, am rechten Ort?“, lautete dazu ein Textauszug. Der evangelische Pfarrer Dr. Michael Stöhr und Feuerwehrfrau Luka Lenz trugen vor, die Gottesdienstgemeinde sang.

Im Anschluss grüßte der Kommerner Ortsbürgermeister Rolf Jaeck die Zuhörerschaft, grüßte den Ersten Beigeordneten Thomas Hambach und den Stadtkämmerer und Dezernenten sowie Mechernich-Stiftungsvorsitzenden Ralf Claßen und den stellvertretenden Bürgermeister Günther Kornell sowie Achim Blindert, der stellvertretend für Landrat Markus Ramers vor Ort war. Jaeck: „Mein besonderer Dank geht an die Stadtverwaltung und die Mechernich-Stiftung, für ihre wertvolle Arbeit und Unterstützung!“

Er fuhr fort: „Es war ein Jahr voller Sorge, Trauer, Arbeit und Gedanken. Die Flut hat unser Leben verändert, viele sind finanziell oder mental noch auf Hilfe angewiesen.“ Er erinnerte an die unglaublichen, gemeinschaftlichen Leistungen und an die Flut von 2016, dankte er den vielen Hilfsorganisationen, die angepackt oder die Hilfskräfte mit Brötchen, Kaffee und mehr versorgt haben und wünschte ein herzliches „Glück Auf!“ zum Abschluss.

Dann folgte das „Nachtlied“ von Edward Elger, gespielt von Dr. Nicole Besse an der Geige und Jörg Schreiner an der Orgel.

„Seid euch selbst gegenüber barmherzig“

Der stellvertretende Bürgermeister Günther Kornell übernahm das Wort für den krankheitsbedingt ausgefallenen Mechernicher Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick. Nach der Begrüßung beschrieb er, wie das doch so heilbringe Wasser im „schlimmsten Hochwasser an Eifel und Ahr seit Menschengedenken“ plötzlich zum Unheil wurde. Er betonte, wie beeindruckt er von der Solidarität, Hilfsbereitschaft und dem Zusammenhalt aller Helfer war und dankte auch allen Spendern, die die Mechernich-Stiftung oder andere Institutionen unterstützt haben. Außerdem hoffe er, dass sich nun mehr Menschen Gedanken über Katastrophenvorsorge machten. Man dürfe die zerstörten Häuser, Erinnerungen und Lebensträume vieler Menschen nicht vergessen.

Dann sang der Dietrich-Bonhoeffer-Chor unter Leitung von Pascal Lucke das Lied „Leite uns Herr“ von Thomas Eger und hüllte die Kirche in andächtige Chorklänge, bevor Pfarrer Dr. Stöhr das Evangelium des Gottesdienstes, „Der barmherzige Samariter“ (Bibelwort Lukas 10, 25-37) vortrug und erklärte, dass jeder auf eine andere, persönliche Weise helfen kann und man auch seine persönlichen Grenzen akzeptieren muss: „Seid euch selbst gegenüber barmherzig, lasst nicht nach zu helfen und behaltet euren Elan!“

Bevor dann Retter und Opfer der Katastrophe zu Wort kamen, Luka Lenz, Ralf Claßen und Maria Jentgen, sang die Kirchengemeinde das Lied „Bewahre uns Gott.“

Ralf Claßen, der Vorsitzender der Mechernich-Stiftung ist, war als erster dran, dankte für die überwältigende Spendenbereitschaft nach der Katastrophe, dem restlichen Vorstand (Maria Jentgen, Volker Zart, Rita Gerdemann, Inge Eich, Dr. Michael Stöhr) für die vielen Orga-Sitzungen und Ortstermine, den Ortsbürgermeistern für ihren Einsatz, aber betonte auch, dass Hilfe auch weiterhin benötigt würde. Insgesamt konnte die Stiftung im Vorfeld über eine Million Euro an Betroffene im Stadtgebiet verteilen.

Er war auch selbst stark von der Flut betroffen: „Es ist lange her, doch die Angst bleibt.“ Auch er habe ganz neue Solidarität und das „Wir-Gefühl“ in seiner Nachbarschaft in Gemünd erlebt. Er dankte allen Hilfsorganisationen, Helfern und den Planern des Gottesdienstes, und wünschte ein ebenso herzliches „Glück Auf!“

Eine junge Heldin erzählte

Einer der ergreifendsten Momente des Abends: Die freiwillige Feuerwehrfrau Luka Lenz (19), seit kurzem erst aus der Jugendfeuerwehr Kommern in die aktive Feuerwehr gewechselt, war in der Flutnacht im Dauereinsatz und sprach stellvertretend für alle Kommerner Helfer: „Wir waren zwar vorgewarnt, doch dieses Ausmaß konnte sich niemand vorstellen.“ Sie beschrieb, wie die Feuerwehr vorsorglich den Mühlensee abpumpte und sie schon im Laufe des Tages immer mehr Notrufe ereilten. „In den Augen vieler meiner Kollegen konnte ich schnell die Hoffnungslosigkeit erkennen, als das Wasser in unserem Gerätehaus schon bis zur Hüfte hoch stand. Ihnen lag noch die Flut von 2016 in den Knochen und sie wussten schon, dass es keine wirkliche Hoffnung mehr gab, irgendwas zu retten.“

Dann beschrieb sie, wie alles plötzlich einem Katastrophengebiet glich und sie in all dem Wirrwarr von vermissten Kameraden und Kindern erfuhren, die zum Glück wieder auftauchten. Sie beschrieb, wie ihr Feuerwehrauto in den Fluten nichtmehr voran kam, ihre unbeschreibliche Angst, als das Leben ihrer Kameraden in ihren Händen lag, obwohl die Truppe den Grundlehrgang nicht einmal komplett abgeschlossen hatte und den Schmerz dabei, Erinnerungen und Existenzen, wie kaputte und verschlammte Fotos, in den Müll zu werfen.

Sie zitierte ihren Kollegen: „Man funktionierte“, erzählte von dem Gefühl, nicht genug helfen zu können und auch im Nachhinein keine wirkliche Ruhe zu finden. Doch schlussendlich betonte sie, dass diese Nacht ihr gezeigt habe, was der Sinn dahinter ist, Feuerwehrfrau zu sein und wie stolz sie sei, ein Teil dieses Teams zu sein. Augenblicklich brach die gesamte Kirche in tosenden Applaus aus und man spürte, dass sie die Menschen wirklich erreicht und bewegt hatte.

Die dritte Rednerin im Bunde, Maria Jentgen, leitet das „Kriseninterventionsteam“ des Rotkreuz-Kreisverbandes Euskirchen und war als Helferin zu Wort gekommen: „Wir sind zu den Leuten hingefahren, haben geholfen, wo es ging und waren einfach da, wo Worte fehlten.“

Mer verjesse nie d´r veezehnte Juli

Anschließend trat Promigast Stephan Brings, von der gleichnamigen Kölschrock-Band „Brings“, mit seinem Flutsong „1407“ und Gitarre, gemeinsam mit dem Mechernicher Kirchenmusiker Erik Arndt am Klavier, auf und berührte die Menschen spürbar. „Ich schwör Dir, mer verjesse nie d´r veezehnte Juli“ war das Motto und auch er sang „wenn et rähnt, bliev ich wach“ – wie so viele nach der Katastrophe. Brings betonte im Anschluss, dass die emotionale Ansprache von Luka Lenz auch ihn tief ergriffen hätte und dankte, wie Lenz, zum Abschluss allen Helfern und Spendern während und nach der Katastrophe.

Maria Jentgen und Rita Gerdemann hatten im Anschluss Fürbitten vorbereitet, in denen sie die Ereignisse der Flutnacht, ihre Gefühle und Dankbarkeit zum Ausdruck brachten, bevor das Vaterunser gebetet, der Segen durch die Pfarrer gegeben und der Gottesdienst mit dem „Abendlied“ von Joseph Rheinberger, gespielt von Dr. Besse und Schreiner, (fast) ein Ende fand. Ortsbürgermeister Rolf Jaeck betonte zum Abschluss: „Herzlichen Dank an euch alle und denkt daran: Miteinander sind wir stark, alleine nicht!“

Als Ausklang des Abends wurde zum Stehempfang im benachbarten Pfarrheim eingeladen, wo bereits kleine Leckereien und Getränke zum gemeinsamen Austausch und Zeitverbringen einluden. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur Profipress

Nach dem Gottesdienst wurde noch zum Stehempfang im Kommerner Pfarrrheim, wo es frische Brötchen und Getränke gab und die Gäste und Veranstalter den Abend in Ruhe und Andacht ausklingen lassen konnten.

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Nordrhein-Westfalen gedenkt am ersten Jahrestag der Hochwasser-Katastrophe der Opfer

Euskirchen/Düsseldorf – Am 14. und 15. Juli 2022 jährt sich die Hochwasserkatastrophe von 2021 zum ersten Mal. Mehr als 180 Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen waren vom Hochwasser betroffen. Besonders schwer wurden der Kreis Euskirchen, die Städteregion Aachen, der Rhein-Erft-Kreis, der Märkische Kreis sowie die Stadt Hagen getroffen. 49 Menschen verloren in Nordrhein-Westfalen ihr Leben.

Am 14. Juli 2022 luden die Katholische und die Evangelische Kirche in Zusammenarbeit mit der Landesregierung zu einem Ökumenischen Gottesdienst in der Kirche Herz Jesu in Euskirchen ein. Daran nahm im Beisein von Hinterbliebenen der Opfer auf Einladung von Ministerpräsident Hendrik Wüst Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier teil.

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besucht zum Jahrestag Altenahr und Dernau

Altenahr/Dernau/Ahrtal – Wir vergessen die Menschen im Ahrtal nicht – Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist zum Jahrestag der Flutkatastrophe ins Ahrtal gekommen und hat sich mit Betroffenen, Helferinnen und Helfern und Kommunalpolitikern getroffen. Der Bundespräsident sagte: „Ich habe bei meinem letzten Besuch im Ahrtal versprochen: ‚Wir werden Euch nicht vergessen‘. Auch deshalb bin ich heute hier, dieses Versprechen einzuhalten, zu sehen, was ist vorangekommen, wo fehlt es noch und Danke zu sagen, Danke all denjenigen, die sich eingesetzt haben, damit aufgeräumt wird, damit Häuser wiederaufgebaut werden, damit Menschen ihre Existenz wiederfinden.“

Gemeinsam mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer besuchte er in Altenahr das wiederaufgebaute Weinlokal „WEiNECK und in Dernau die Schreinerei Rönnefahrt sowie das Weingut Meyer-Näkel. Im Gespräch mit Betroffenen brachte der Bundespräsident sein Mitgefühl für die Opfer der Katastrophe zum Ausdruck und zeigte seine Solidarität beim Wiederaufbau.

„Ich bin dem Bundespräsidenten für seinen erneuten Besuch im Ahrtal sehr dankbar. Gerade zum Jahrestag müssen die Menschen vor Ort wissen, dass sie nicht alleine sind und die Verantwortlichen in Bund und Land beim Wiederaufbau auch weiterhin an ihrer Seite stehen. Wir trauern mit den Angehörigen um die Opfer und denken an alle Betroffenen, deren Lebenswerke von den Wassermassen weggerissen wurden und die jeden Tag dafür arbeiten, dass das Ahrtal wiederaufgebaut wird. Wir haben ein gemeinsames Ziel. Wir wollen gemeinsam die Riesenaufgabe Wiederaufbau schaffen“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

In Altenahr traf der Bundespräsident zunächst Wilfried Laufer, der beim Staatsakt zum Gedenken auf dem Nürburgring am 2. September vergangenen Jahres als trauernder Angehöriger gesprochen hatte. Gemeinsam mit seinem Vater betrieb er das Weinlokal WEiNECKDer Vater starb in der Flutnacht, das Weinlokal wurde komplett zerstört. Ein Jahr nach der Flutkatastrophe eröffnet er nun mit seiner Frau die neue Weinlounge und Pension „WEiNECK“. Nach einer kurzen Besichtigung des neuen Schankraumes sprachen der Bundespräsident und die Ministerpräsidentin auf der Terrasse mit Mitgliedern des Helferstabes, Vertretern der Kirche und der Ärzteschaft sowie den Bürgermeistern und Landrätin Cornelia Weigand.

In Dernau verlor die Schreinerei Rönnefarth bei der Flutkatastrophe nahezu ihr komplettes Inventar. Schon bei seinem letzten Besuch im Oktober traf Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Geschäftsführer der Schreinerei vor Ort. Seitdem ist hier von der Flut kaum noch etwas zu sehen: Mit seinem motivierten Team konnte Maik Rönnefahrt den Betrieb in beeindruckender Geschwindigkeit bereits im November 2021 wiederaufnehmen. Die hochmoderne Schreinerei kann sich seitdem energetisch nahezu autark versorgen und spielt bei den Wiederaufbauarbeiten im Ahrtal, insbesondere für Privathaushalte, eine wichtige Rolle. Bei einem Betriebsrundgang konnten sich der Bundespräsident und Ministerpräsidentin Malu Dreyer einen Eindruck von der aktuellen Situation der Schreinerei machen.

Ebenfalls in Dernau stand anschließend ein Besuch in der Weinkellerei des renommierten Weingutes Meyer-Näkel auf dem Programm. Abgesehen von einigen Weinlagen im Tal wurde auch hier durch die Flut nahezu der gesamte Betrieb zerstört. Die Produktion, das Barrique- und Tanklager, die Maschinenhalle mit Traktoren und Weinbaumaschinen und das Flaschenlager wurden von einer sechs Meter hohen Flutwelle erfasst und weggespült. Trotzdem konnte dank der großen Hilfsbereitschaft und zahlreicher Sachspenden aus dem In- und Ausland die Ernte im letzten Herbst eingefahren und der Betrieb wiederaufgenommen werden. Die beiden Winzerinnen Dörte und Meike Näkel stehen aktuell vor der Entscheidung, ob sie den Betrieb am ursprünglichen oder an einem neuen Standort weiterführen.

„Gemeinsam bauen wir das Ahrtal wieder auf. Dazu braucht es die gemeinsame Kraftanstrengung von Bund, Land, den betroffenen Kommunen und natürlich auch den Menschen vor Ort. Wir brauchen einander“, betonte Ministerpräsidentin Malu Dreyer. „Auch, wenn es angesichts der großen Zerstörungen noch ungemein viel zu tun gibt, sind die Fortschritte beachtlich. Es beeindruckt mich zutiefst, was die Menschen hier leisten und wie sie Zusammenhalt leben.“

Im Anschluss an seinen Besuch im Ahrtal reiste der Bundespräsident weiter nach Euskirchen.

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Stadt Meckenheim warnt vor Betrugsmasche

Meckenheim – Ukrainische Vertriebene als Opfer gefälschter E-Mails. Die Stadt Meckenheim warnt aus aktuellem Anlass vor Betrügern, die auf ukrainische Vertriebene zugehen und ihnen die deutsche Staatsbürgerschaft anbieten. Dabei geben sie sich in der E-Mail als Mitarbeitende des Ausländeramtes Meckenheim aus und fordern ihre Opfer auf, eine „Sicherheitshinterlegung“ direkt an die Ausländerbehörde Berlin zu überweisen. In dem aktuellen Fall beträgt die Summe 1.500 Euro. Überdies werde in einer weiteren E-Mail „wegen der Kriegssituation in Russland eine Sonderversicherung“ in gleicher Höhe verlangt. Nach Eingang des Betrages lägen die entsprechenden Ausweisdokumente im Ausländeramt Meckenheim zur Abholung bereit.

Ausdrücklich weist die Stadt Meckenheim darauf hin, dass es sich hierbei um ein betrügerisches Vorgehen handelt. Auch gibt es bei der Stadt Meckenheim kein Ausländeramt. Vielmehr ist die Ausländerbehörde beim Rhein-Sieg-Kreis angesiedelt. Es ist größte Vorsicht geboten, denn die E-Mails sind mit einer Signatur versehen, die Adresse und Telefonnummer der Stadtverwaltung aufweisen. Lediglich die Bezeichnung „Ausländeramt Meckenheim“, die als Kontakt angegebene E-Mail-Adresse und die Öffnungszeiten sind nicht korrekt. Die Stadt Meckenheim bittet die Bürgerinnen und Bürger um Aufmerksamkeit und behält sich vor, rechtliche Schritte gegen diesen Betrug einzuleiten.

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Ein Jahr Flutkatastrophe an der Ahr und in der Eifel

Region/Koblenz – Landwirte und Winzer halfen solidarisch und uneigennützig. Die Flutkatastrophe an der Ahr und in der Eifel hat viele landwirtschaftliche und Weinbaubetriebe schwer getroffen. Die Bereitschaft, den Menschen bei der Bewältigung der extremen Krisensituation zu helfen, war sehr groß. Schon am Tag nach der Katastrophe hat der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau (BWV) eine Hilfsplattform erstellt.

Über 100 hilfswillige Berufskolleginnen und Kollegen haben alleine hierüber ihre Hilfe angeboten. BWV-Präsident Michael Horper äußerte sich anlässlich des Jahrestages der Flutkatastrophe: „Die Hilfe und Solidarität des Berufsstandes war überwältigend. Ich möchte nochmals all den Helfern, die ab dem ersten Tag uneigennützig tätig waren und nicht nach Entschädigungen fragten, sondern die Ärmel hochkrempelten und mit ihrem schweren Gerät in die Flutgebiete fuhren und geholfen haben, meinen aufrichtigen Dank aussprechen. Es war einfach nur bewegend, wie viele Bauern und Winzer – ohne Rücksicht auf ihre eigene jeweilige Situation – in der Eifel und an der Ahr unbürokratisch geholfen haben. Dabei wurde Enormes geleistet. Der landwirtschaftliche Berufsstand hat über seine Hilfsorganisationen bisher einige Millionen Euro an rund 130 betroffene Bauern- und Winzerfamilien ausbezahlt. Auch dafür spreche ich meinen tief empfundenen Dank an alle Spenderinnen und Spender aus.“

Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau fordert die Landesregierung auf, den Aufbau im landwirtschaftlichen und weinbaulichen Sektor, beispielsweise über schnell umzusetzende Flurbereinigungsverfahren, zu unterstützen und den schwerstbetroffenen Winzern die Bewirtschaftung ihrer Betriebe so schnell es geht wieder zu ermöglichen.