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Der CHIO Aachen Scientist Circle – CHIO Aachen könnte Vorbildfunktion für andere Turniere haben

Aachen – Wissenschaftliches Monitoring zum Wohlergehen der Pferde wird ausgeweitet – Ein zufälliges Treffen bei einer Veranstaltung brachte den Stein ins Rollen: Birgit Rosenberg, Vorstandsmitglied des Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV), und Prof. Dr. Dirk Winter kamen ins Gespräch zum Thema wissenschaftliche Beleuchtung des Tierwohls. Einige Telefonate und wenige Monate später war ein bedeutendes Projekt geboren: der CHIO Aachen Scientist Circle.

Dieser Zusammenschluss besteht aus acht Wissenschaftlern und Pferdefachleuten aus Deutschland, Belgien und der Schweiz und beschäftigt sich unentgeltlich mit dem Wohlergehen von Sportpferden. Die Frage, die bereits im Rahmen des CHIO Aachen 2023 thematisiert worden ist, lautet: Wie geht es den Turnierpferden in ihrer Haltung beim CHIO Aachen im Vergleich zu ihrem Heimatstall? Ziel der Untersuchung ist es, fundierte Daten zum Status Quo zu sammeln und Möglichkeiten zu finden, den Aufenthalt für die Pferde in Zukunft noch angenehmer zu gestalten, um ihnen bestmögliche Bedingungen zu bieten. Mit dabei waren im ersten Jahr vier internationale Turnierpferde, die per KI-gestützter Kameratechnik rund um die Uhr beobachtet wurden und deren Stresslevel unter anderem anhand des Cortisol-Levels im Kot bestimmt wurde.

Die ersten Auswertungen stimmen die Wissenschaftler optimistisch. „Positiv ist uns bei der Beobachtung aufgefallen, dass die Pferde beim Turnier in Aachen zwar längere Verweilzeiten in der Box hatten als im Heimatstall, aber sie wurden viel beschäftigt und bewegt“, erläutert Prof. Winter, Studiendekan Pferdewirtschaft der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. Weil den Wissenschaftlern des CHIO Aachen Scientist Circles das Thema sehr wichtig ist und die Untersuchungen bei den kommenden Turnieren noch ausgeweitet werden sollen, erhalten sie inzwischen Hilfe von Doktorandin Leonie Krüger. Sie kümmert sich in ihrer Promotion unter anderem um die Auswertung der bisher gesammelten Daten. Die Cortisol-Proben beim Turnier 2023 umfassen vier Tage im Heimatstall, den Transport nach Aachen, das Training und den Wettkampf vor Ort, den Transport zurück und die anschließenden drei Tage zu Hause.

Leonie Krüger berichtet von der Auswertung der Proben aus der Pilotstudie: „Cortisol wird ausgeschüttet bei physischem und psychischem Stress, deshalb gab es einen Anstieg am Wettkampftag. Der ist völlig logisch. Die Kurve würde beim Reiter wahrscheinlich ähnlich aussehen. Die weiteren Cortisol-Werte, die während des Aufenthalts der Pferde in Aachen erhoben wurden, lagen auf einem ziemlich niedrigen Niveau.“ Die Wissenschaftlerin ordnet diese ersten Ergebnisse wie folgt ein: „Der Transport und das Training in Aachen hatten in Bezug auf das Stresslevel offenbar keine großen Auswirkungen. Und wir konnten feststellen, dass die Pferde nach dem Wettbewerb zu Hause auch schnell wieder auf dem Level von vor dem Turnier sind.“

Aus Pilotstudie wird Versuchsplan für die kommenden Jahre

Krüger und Winter warnen davor, die ersten Erkenntnisse überzubewerten oder falsch zu interpretieren. „Wissenschaft braucht Zeit. Wir können noch keine fundierten, endgültigen Aussagen treffen“, betont die Doktorandin. Winter ergänzt: „Wir haben jetzt eine erste Auswertung, aber mit vier Pferden können wir noch keine Ableitungen oder allgemeingültige Aussagen treffen.“ Um das zu ändern, sollen schon beim CHIO Aachen 2024 deutlich mehr Pferde – mindestens zwölf – an der Studie teilnehmen.

„Unser Blick geht in die Zukunft. Wir werden aus der Pilotstudie den Versuchsplan für die nächsten Jahre erarbeiten. Der muss sinnvoll sein und die richtigen Parameter abdecken, damit wir dann auch wirklich wissenschaftlich fundierte Aussagen über das Wohlergehen der Pferde in ihrer Haltung auf dem Turnier treffen können“, erläutert Leonie Krüger. Unter anderem soll das Monitoring per Kamera mit direkter Tierbeobachtung ergänzt werden. Darüber hinaus sollen künftig auch die wesentlichen Stallluftfaktoren sensorisch ermittelt werden. Mit etwa 30 bis 40 Pferden in einem Gesamtzeitraum von drei Jahren werde es dann auch möglich sein, eine fundierte Aussage treffen zu können. Ein Endergebnis im klassischen Sinne erwarten die Wissenschaftler aber nicht. „Es wird immer neue Faktoren geben, die das Tierwohl beeinflussen und die wir untersuchen müssen“, sind sie sich einig. Daher wird sich der CHIO Aachen Scientist Circle auch langfristig dem Themenkomplex Tierwohl widmen.

Um in Zukunft sicherzustellen, dass die Pferde bestmöglich beobachtet werden, könnte sich Prof. Dr. Winter vorstellen, die Boxen in Aachen grundsätzlich mit Kameras auszustatten. „So könnten Veranstalter und Reiter zeigen, dass zum Beispiel die Haltungsparameter engmaschig kontrolliert werden.“ Zudem werden weitere Möglichkeiten geprüft, wie zusätzliche Aspekte rund um das Thema Tierwohl untersucht werden können. „Wir beschäftigten uns aktuell mit der Anwendbarkeit von weiteren innovativen technischen Verfahren“, verrät Winter.

Möglicherweise könnte der CHIO Aachen so auch eine Vorbildfunktion für andere Turniere haben, wenn auch die Bedingungen für die Pferde überall unterschiedlich sind. Prof. Dr. Dirk Winter ist überzeugt: „Aachen ist das wichtigste Turnier weltweit. An den Standards, die wir hier bestmöglich erarbeiten, könnten andere Veranstalter sich künftig orientieren.“

Alle Infos zum Scientist Circle finden Sie hier.

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Hydrogen Hub Aachen drängt auf gesicherten Zugang zu Wasserstoff

Aachen – Der Hydrogen Hub Aachen fordert geeignete Rahmenbedingungen für den Aufbau der Wasserstoffinfrastruktur in der Region Aachen. Das regionale Netzwerk aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung setzt sich für die Transformation von Verteilnetzen ein. „Ohne Zugang zu sicherer und bezahlbarer grüner Energie ist die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen gefährdet. Es besteht die Gefahr, dass die Industrie buchstäblich den Anschluss verliert“, betont Michael F. Bayer, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen.

Ab 2028 könne die Region Aachen laut belgischen Netzbetreibern über das Fernleitungsnetz mit Wasserstoff versorgt werden. Da jedoch kaum ein Unternehmen direkt an das Kernnetz angeschlossen sei, sei es notwendig, schnellstmöglich die Infrastrukturen für die Versorgung in der Fläche zu planen und zu bauen. Gerade energieintensive Unternehmen, die ihre Prozesse nicht einfach elektrifizieren können, seien auf eine Versorgung über die Verteilnetze angewiesen, macht Bayer deutlich.

Vor diesem Hintergrund kritisiert der IHK-Hauptgeschäftsführer die Planungen des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWK) im „Green Paper“, das einen Rückbau und die Stilllegung der vorhandenen Gasverteilnetze vorsieht. „Das ist für mich nicht nachvollziehbar, denn es werden keine Ansätze zur Transformation der Netze geliefert. Dabei verfügt die Region Aachen durch die strategisch günstige Grenzlage über eine hervorragende Ausgangssituation. Ohne Verteilnetze können wir diese Chance jedoch nicht nutzen.“

Er fordert: „Wir benötigen Rahmenbedingungen für den Weiterbetrieb der Netze mit grünem Wasserstoff. Bei der Netzplanung sind die Bedarfe der Industriebetriebe zu berücksichtigen. Gleichzeitig könnten Unternehmen über dezentrale Elektrolyseprojekte ihre eigene Wasserstoffversorgung aufbauen. Auch hierfür muss die Politik die Voraussetzungen schaffen.“

Warum die Bedarfe der Industrie in der Region in der Netzplanung berücksichtigt werden müssen, macht der Unternehmer Peter Greven aus Euskirchen deutlich: „Es ist wichtig, dass sich der Mittelstand aktiv in die Wasserstoff-Diskussion einbringt, da sonst die Gefahr besteht, dass der Anschluss mittelständischer Betriebe unberücksichtigt bleibt und die Option Wasserstoff damit wegfällt.“

Auch die übrigen Partner des Hydrogen Hubs setzen sich aktiv dafür ein, die Transformation der Verteilnetze voranzutreiben. „Um die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit des Kreises zu sichern, ist die Entwicklung der Wasserstoff-Infrastruktur ein wichtiger Bestandteil. Wir wollen unsere Betriebe bei der Transformation der Energieversorgung unterstützen. Gemeinsam mit unseren Partnern im Kreis sowie im Hydrogen Hub Aachen schauen wir kritisch auf die Diskussionen um das zukünftige Wasserstoff-Kernnetz. Es braucht dringend einen Ausspeisepunkt, der dann die Verteilnetze in den Kreis Euskirchen versorgen kann. Dafür setzen wir uns mit aller Kraft ein“, betont Markus Ramers, Landrat des Kreises Euskirchen.

Über den Hydrogen Hub Aachen: 

Im Hydrogen Hub Aachen arbeiten Stadt und Städteregion Aachen, die Kreise Düren, Euskirchen und Heinsberg sowie die IHK Aachen gemeinsam daran, die Region zu einem Hotspot der Wasserstoff-Wirtschaft in Deutschland zu machen. Unterstützt werden sie dabei von der AGIT mbH.

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Das Wunder von Leverkusen – Ungeschlagen Deutscher Fußball Meister 2024

Region/Leverkusen – Ein unbeschreiblicher Tag – In der Partie in der ausverkauften BayArena besiegte die Werkself am Samstag Augsburg mit 2:1. Was danach folgte, bleibt für immer: Nach Abpfiff bekam die Mannschaft die Meisterschale übergeben – 120 Jahre nach der Vereinsgründung, 45 Jahre nach dem Bundesliga-Aufstieg war es endlich soweit. Kapitän Lukas Hradecky streckte in einem hochemotionalen Moment die Schale in die Luft. Im Anschluss drehte das Team eine einzigartige Ehrenrunde durch das Stadion, zudem flog ein Flugzeug mit einem „Deutscher Meister“-Banner über die BayArena. Besonders schön: Das Gemeinschaftsgefühl zwischen Mannschaft und Fans. Hradecky kletterte zum Abschluss aufs Vorsänger-Podest der Nordkurve und überreichte den Fans die Meisterschale. Wenig später kam auch noch Xabi Alonso dazu. Zusammen stemmten Cheftrainer und Kapitän noch einmal die Schale in die Höhe. Gemeinsam feierten sie mit den Fans diesen bedeutsamen Moment. Unglaubliche Bilder! Das perfekte Ende einer atemberaubenden Bundesligasaison. Stimmen: „Werden diesen Tag niemals vergessen“

Fernando Carro, Vorsitzender der Bayer 04-Geschäftsführung, sagte nach Abpfiff: „Auf dieses Erlebnis haben viele Fans sehr, sehr lange gewartet. Ich war gestern noch bei einem Fanclub, da fahren seit 40 Jahren die Leute überall mit hin. Es ist schon etwas ganz besonderes. Die Fans haben uns auch in schwierigen Zeiten unterstützt – nicht nur jetzt, wo wir erfolgreich sind. Das ist ein ganz wichtiger Faktor für den gemeinsamen erfolgreichen Weg.“

Geschäftsführer Sport Simon Rolfes betonte: „Wir geben dem Anlass heute Abend noch einen würdigen Rahmen, das wird schön für alle Mitarbeiter. Aber für die Mannschaft wird der Abend etwas kürzer. Wir haben in der kommenden Woche noch so einiges vor.“ Die gesamte Mannschaft sowie alle Mitarbeiter von Bayer 04 ließen den unbeschreiblichen Tag gemeinsam mit einer internen Feier ausklingen. Über Florian Wirtz sagte Rolfes zudem folgendes: „Flo ist ein Geschenk für unseren Verein. Nicht nur seine Straßenfußballer-Fähigkeiten, sondern auch seine Sieger-Mentalität und sein hoher Einsatz, den er für das Team einbringt, sind großartige Gabe. Deshalb lieben ihn die Leute hier auch so sehr.“

Coach Alonso sagte nach der Partie: „Einer der vielen Schlüssel für den Erfolg ist die enge Verbindung, die wir zu den Fans aufgebaut haben. Sie haben uns immer unterstützt und wir sind sehr dankbar, dass sie immer für uns da sind. Wir werden diesen Tag niemals vergessen, an dem wir die Schale hochgehalten haben.“

Jonathan Tah, seit 2015 bei Bayer 04, erklärte im Nachgang: „Nach so vielen Jahren und so vielen Spielen unterm Kreuz fühlt es sich unfassbar an, diese Meisterschale hochheben zu dürfen. Xabi hat die ganze Mannschaft besser gemacht, er ist ein überragender Trainer und Mensch.“ Jonas Hofmann betonte: „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, die Meisterschale in die Höhe zu strecken. Da will man immer mehr. Ich bin schon nach Leverkusen gekommen, um einen Titel zu gewinnen. Und mit den Neuzugängen, mit Xabi – das hat alles super gepasst. Wir sind sehr froh.“

Statistik: Geschichte geschrieben

In 61 Bundesliga-Jahren gab es 1.096 Mannschaften und nur eine davon beendete eine Saison ohne Niederlage: Bayer 04. Für die Leverkusener stehen am Ende 28 Siege und sechs Remis. Hradecky und Xhaka sind im Übrigen die einzigen beiden Werkself-Profis, die bei allen 28 Siegen auf dem Platz standen. Das Duo stellt damit den Rekord von Manuel Neuer (FC Bayern, 2015/16) ein, der zuvor der einzige Spieler mit 28 Siegen innerhalb einer Bundesligasaison war.

Darüber hinaus ist die Werkself erst das zweite Team der Bundesliga-Historie, das in einer kompletten Saison keinen Punkt nach einer Führung verspielte, zuvor gelang das nur dem FC Bayern München 2011/12. Zudem ist Bayer 04 auch der zweite Klub, der die 90-Punkte-Marke in einer Bundesligasaison erreicht hat.

Und das sind die Zahlen zum Spiel gegen Augsburg: Es fielen 30 Torschüsse, 20 davon gab die Werkself ab, die zusätzlich 65,1 Prozent Ballbesitz verbuchte. Schwarz-Rot spielte darüber hinaus 735 Pässe (Passquote: 92 Prozent), Augsburg derweil 389 (Passquote: 82 Prozent).

Ausblick: Final-Woche in Dublin und Berlin

Weiter geht es für die Werkself mit zwei Endspielen. Zunächst trifft Bayer 04 im Finale der UEFA Europa League am Mittwoch, 22. Mai (Anstoß: 21 Uhr), in der Dublin Arena auf Atalanta Bergamo. Drei Tage später, am Samstag, 25. Mai (Anstoß: 20 Uhr), folgt das DFB-Pokalfinale gegen den 1. FC Kaiserslautern im Berliner Olympiastadion.

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Pastoraler Raum Daun stellt Schutzkonzept zur Prävention sexualisierter Gewalt vor

Daun – Hinsehen statt wegschauen: So könnte das Motto des  Schutzkonzepts des Pastoralen Raums Dauns zur Prävention sexualisierter Gewalt vereinfacht lauten. Das Ziel: die zugehörigen Pfarreien, Institutionen und Orte zu einem sicheren Raum für alle werden lassen, insbesondere für Kinder, Jugendliche und schutzbefohlene Erwachsene. Vorgestellt wurde das institutionelle Schutzkonzept am 15. Mai in Nerdlen vor rund 40 interessierten Haupt- und Ehrenamtlichen. Dazu eingeladen hatten Stefan Becker und Dekan Jonas Weller vom Leitungsteam des Pastoralen Raums.

Stefan Becker, als Gemeindereferent selbst 17 Jahre in der Jugendarbeit engagiert, stellte gleich zu Beginn klar, dass das nun geltende Schutzkonzept nicht in Stein gemeißelt sei, sondern stetig evaluiert und weiterentwickelt werde. Das 27 Seiten starke Heft im DinA5 Format, das bald auch online auf den Seiten des Pastoralen Raums und der Pfarreien abrufbar sein wird, umfasst Eckpunkte zu Beschwerde- und Beratungswegen, zur Personalauswahl und -fortbildung,  zum Qualitätsmanagement oder zu Dienstanweisungen und hausinternen Regelungen. Hinzu kommen ein Verhaltenskodex, ein  anschaulich aufbereiteter Interventionsplan und eine Selbstverpflichtungserklärung.

Achtsamer und wertschätzender Umgang

Becker griff einige Punkte des Verhaltenskodex heraus, der unter anderem Themen wie Nähe und Distanz, Beachtung der Intimsphäre, Sprache und Wortwahl, die Nutzung von Medien und sozialen Netzwerken oder auch angemessener Körperkontakt im Umgang mit Kindern und Jugendlichen benennt. Diese verknüpfte er mit konkreten Beispielen, denn das Konzept solle „praxisnah sein und nicht in einer Schublade verstauben“, wie er betonte. Dabei gelte es nicht, in kirchlichen Bereichen Mitarbeitende unter Generalverdacht zu stellen, sondern eine „Kultur der Achtsamkeit“ zu fördern, die auch den Hauptamtlichen mehr Sicherheit und Orientierung für ein korrektes Verhalten biete.

Ob Toben oder Fangenspielen im Zeltlager, ob Einzelgespräch mit einem Seelsorger beim Firmunterricht, ob Hilfestellung beim Ankleiden eines Messdieners oder das Fotografieren von Kindern bei einer Ferienfreizeit: All diese Situationen forderten einen achtsamen, wertschätzenden Umgang und das Bewusstsein, dass mit der Macht als Betreuungsperson oder Seelsorgende eine große Verantwortung einhergehe. Grundsätzlich gelte für alle in der Jugendarbeit Tätigen, dass sie alle fünf Jahre ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen und eine Präventionsschulung absolvieren müssen.

Mit Transparenz Vertrauen zurückgewinnen

Pamela Diederichs von der Fachstelle Jugend Wittlich, die bei der Erstellung des Konzepts als pädagogische Fachreferentin mit Rat zur Seite gestanden hatte, skizzierte die Ausgangslage für das Konzept: Die Kirche befinde sich im Umbruch, neben gesellschaftlichen Veränderungen hätte vor allem die Aufdeckung sexueller Missbrauchstaten einen massiven Vertrauensverlust für die Kirche bedeutet. „Wenn wir eine diakonische, also nah bei den Menschen agierende Kirche sein wollen, erreichen wir das nur durch Transparenz und indem wir für die Leute ein sicheres Umfeld schaffen, in dem sie sich geborgen fühlen.“ Dieser Auftrag könne nur gelingen, wenn sich möglichst viele Menschen in den Gemeinden davon ansprechen lassen und Zivilcourage zeigten, um alte Machtstrukturen aufzubrechen.

Seinen besonders großen Dank richtete Dekan Jonas Weller an das „Präventionsteam“ von Ansprechpersonen aus allen Pfarreien, das sich ebenfalls vorstellte. Sechs Ehrenamtliche und die beiden Hauptamtlichen Stefan Becker vom Leitungsteam und Gemeindereferentin Martina Phlepsen  werden künftig erreichbar sein, wenn es um das Thema sexualisierte Gewalt geht. „Mein großes Anliegen ist, an einem anderen Bild von Kirche mitzuwirken“, betonte Hannah Wirtz aus der Pfarrei Daun. Dazu treffe sich das Team regelmäßig, nehme an Fachtagungen und Schulungen zum Thema teil. Dekan Weller lobte die Bereitschaft, das Thema wachzuhalten und sich zu engagieren: Wir möchten zeigen, dass wir trotz aller Negativschlagzeilen intensiv daran am Arbeiten und auf einem guten Weg sind.“ Von den jüngeren Leuten im Publikum kam dann auch der Vorschlag, das Schutzkonzept nicht nur an die Mitarbeitenden zu verteilen, sondern auch an die Eltern und Großeltern derer, um die es gehe: „Ich finde, dass es professionell wirkt und Sicherheit gibt, wenn die Familie weiß, wo sie ihr Kind hingibt. Dass die Leute dort geschult sind und es einen Verhaltenskodex gibt. Damit darf man doch durchaus werben“, fand die 19-jährige Johanna Otten.

Das Schutzkonzept gibt es in den nächsten Tagen unter: www.pr-daun.de.

  

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„SolAixQ – Solar lernen im Aachener Quartier“

Aachen – Qualifizierungsangebot zur Installation von Photovoltaik-Anlagen erfolgreich gestartet – Um als Stadt nachhaltig klimaneutral zu werden, ist ein Ausbau der Photovoltaik-Anlagen auf den Aachener Dächern notwendig. Dies führt selbstverständlich auch zu einem höheren Bedarf an Monteur*innen in diesem Bereich. Diesen beiden Herausforderungen begegnet das Projekt „SolAixQ“ mit der Qualifizierung zum/r „Solarhelfer*in“.

Gemeinsam mit den Projektpartner*innen vom Sozialwerk Aachener Christen e.V. und der low-tec gemeinnützigen Arbeitsmarktförderungsgesellschaft Düren mbH sowie in enger Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer Aachen, dem Jobcenter und der Fachinnung für Elektrotechnik der Kreishandwerkerschaft ist es der Stadt Aachen gelungen, ein wegweisendes und einmaliges Qualifizierungsangebot im Handwerk zu entwickeln. Insgesamt sollen innerhalb des Projektes bis Juni 2026 300 Menschen qualifiziert werden und im Handwerk eine nachhaltige Perspektive finden. „Wir bieten den Teilnehmenden mit dieser Qualifizierung eine Plattform für die Zukunft“, sagt Frank Denker, Projektleiter bei der low-tec gemeinnützigen Arbeitsmarktförderungsgesellschaft Düren mbH.

Das Qualifizierungsangebot richtet sich speziell an Langzeitarbeitslose und Geflüchtete. Durch eine sechsmonatige Schulung werden die Teilnehmenden fachtheoretisch und -praktisch, aber auch persönlich auf ihre zukünftige Tätigkeit vorbereitet. Praktika ermöglichen Einblicke in das Berufsfeld und die Möglichkeit, sich mit potenziellen Arbeitgeber*innen in der Region zu vernetzen. Damit ergibt sich die besondere Chance, unmittelbar eine Beschäftigung im Wachstumsmarkt der Photovoltaik-Anlagen-Installation zu finden. Die ersten Teilnehmenden sind begeistert: „Eine Qualifizierung, die mir die Möglichkeit gibt, ein einem zukunftsorientierten Job eine Anstellung zu finden“, so Tornike Zirkadze, einer Teilnehmenden.

Ein weiterer elementarer Baustein des Projekts ist die Förderung der Unternehmen vor Ort. Primäres Ziel ist es, die Unternehmen, darunter kleine und mittelständische Unternehmen, Startups und das Handwerk, in den Fördergebieten Aachen-Nord und Aachen-Ost mit Blick auf die zentralen Herausforderungen wie den Fachkräftemangel, den Klimawandel und die Digitalisierung zu fördern, zu beraten und zu vernetzen.

Das Projekt wurde der Politik in verschiedenen städtischen Ausschüssen vorgestellt und wegen seines lösungsorientierten und praktikablen Ansatzes begrüßt. Auch auf der offiziellen Auftaktveranstaltung des Fördermittelgebers in Berlin am vergangenen Freitag (10. Mai) wurde das Projekt als innovativ gelobt. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen sowie über den Europäischen Sozialfonds.

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„Es wird nie mehr so wie früher, sondern es wird anders“

Ahrweiler – Seit über 50 Jahren ist die Beratungsstelle Ahrweiler für Menschen da und versteht sich als wichtigen Grundpfeiler in der psycho-sozialen Versorgung im Ahrtal. Die allgemeine Nachfrage nach psycho-sozialer Unterstützung war auch im Jahr 2023 sehr hoch und mit langen Warte- und Leidenszeiten verbunden. Obwohl auch in der Lebensberatungsstelle Ahrweiler die Nachfrage von Ratsuchenden sehr stark war, versuchte man, so schnell, gut und kompetent wie möglich Hilfen anzubieten. Das schreibt die Lebensberatungsstelle im Vorwort ihres kürzlich veröffentlichten Jahresberichts 2023. Zwar ließen die Auswirkungen von Corona im vergangenen Jahr spürbar nach, aber Kriege und Krisen in der Welt wirken sich auch hier aus. Und auch die Flut mit allen Folgen gehört zur Biografie der von ihr betroffenen Menschen. Immer noch gehe es darum, Erlebtes gemeinsam auszuhalten und mit der Zeit besser verarbeiten zu können. „Es wird nie mehr so wie früher, sondern es wird anders“, heißt es im Jahresbericht.

Seit nun über 50 Jahren bringt sich die Lebensberatung ein, ist für Menschen da und versteht sich als wichtigen Grundpfeiler in der psycho-sozialen Versorgung im Ahrtal. Oft sind die Beraterinnen und Berater erste Anlaufstellen für Ratsuchende und Institutionen, die Beratung und Begleitung und manchmal auch einen Wegweiser zur richtigen Anlaufstelle benötigen. Vernetzt in die psychosoziale Infrastruktur stimmt sich das Team mit den jeweils zuständigen Kooperationspartnern im Kreis ab, um für die Menschen das beste Angebot bereit zu halten.

830 Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben im vergangenen Jahr Hilfe bei der Lebensberatungsstelle des Bistums Trier in Ahrweiler gesucht; zusätzlich nahmen 1.035 Menschen an offenen Sprechstunden, Elternabenden und Weiterbildungen teil. 

Die Gründe für die Kontaktaufnahme waren im vergangenen Jahr auch wieder vielfältig: Bei Kindern und Jugendlichen überwiegen laut Jahresstatistik Trennung und Umgangs- oder Sorgerechtsstreitigkeiten der Eltern, Erschöpfung und Ängste der jungen Hilfesuchenden sowie Mobbing und schulische oder berufliche Probleme. Erwachsene litten vor allem unter Kommunikationsproblemen, Erschöpfung und Überbelastung – auch durch kritische Lebensereignisse – sowie unter depressiven Verstimmungen und Depressionen.

Regelmäßige Angebote

Das Beraterteam um Leiter Christof Ewertz bietet regelmäßige Sprechstunden für Schülerinnen und Schüler und Eltern in verschiedenen Schulen im Ahrtal an. 

Das Fluthilfeprojekt „Weiter geht‘s” richtet sich an Kinder und Jugendliche, die im Rahmen der Flutkatastrophe traumatische Erfahrungen gemacht haben, unterstützt sie, ihre Familien und soziale Systeme bei der Verarbeitung des Erlebten und hilft dabei, die Entstehung chronifizierter psychischer Erkrankungen zu vermeiden.

„Ich kann auch anders” heißt ein Selbstbehauptungs- und Selbstsicherheits-Training das seit 2017 zweimal jährlich für Kinder und Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren angeboten wird.

Auf www.ahrweiler.lebensberatung.info können Betroffene zeit- und ortsungebunden das gesamtes Beratungsangebot über eine geschützte Mailverbindung erhalten. Auch Anmeldungen sind online möglich.

Die Lebensberatung hat ihren Sitz in der Altenbaustraße 2 in Bad Neuenahr-Ahrweiler und ist erreichbar unter Tel.: 02641-3222 oder per E-Mail an sekretariat.lb.ahrweiler@bistum-trier.de

Lebensberatung im Bistum Trier

Im Jahr 2023 hat das Bistum Trier 3,24 Mio. Euro für seine 20 Beratungsstellen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland aufgewendet. Hinzu kommen die Landes- und Kommunalzuschüsse von insgesamt rund 4,12 Mio. Euro. Die 20 Beratungsstellen erbrachten 10.094 Beratungsleistungen mit denen 21.514 Personen erreicht wurden. Damit werden für jede Person ca. 342 Euro Steuer- und Kirchensteuergelder eingesetzt.

Für die Ratsuchenden ist die Beratung kostenfrei.  

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Pinchas Goldschmidt und die jüdischen Gemeinschaften in Europa werden mit dem Karlspreis 2024 ausgezeichnet

Aachen – „Ich bin mit Leib und Seele Europäer!“ – Das Karlspreis-Direktorium und die Stadt Aachen ehren den Oberrabbiner als einen „herausragenden Repräsentanten des europäischen Judentums“ und gleichzeitig das jüdische Leben in Europa. Pinchas Goldschmidt ist ein Mann, der andere Meinungen nicht bloß gelten lässt.

700 Gäste wohnen der Zeremonie im Krönungssaal des Aachener Rathauses bei, viele Besucher*innen jubeln dem neuen Karlspreisträger nach der feierlichen Zeremonie und seinem anschließenden Auftritt auf dem Katschhof zu. Foto: Stadt Aachen / ANS Karlspreis

Er schätzt und sucht sie, fordert aus Überzeugung den Diskurs. Gleichzeitig ist er ein Mann, der Klartext redet und dabei vehement für die Werte Europas eintritt, die er durch den wachsenden Antisemitismus gefährdet sieht. „Der Antisemitismus war nie tot; aber seit dem islamistischen Pogrom gegen Israel am 7. Oktober 2023 ist er in einer Art und Weise entfacht, die die Sicherheit und Freiheit jüdischen Lebens – gerade auch in Europa – ernsthaft bedroht.“ Für ihn ist klar: „Nur gemeinsam können wir die Werte der Einigkeit, der Freiheit, der Demokratie und der Menschlichkeit ehren – indem wir sie vertreten und verteidigen.“

Die Auszeichnung mit dem Internationalen Karlspreis zu Aachen, mit dem Pinchas Goldschmidt am gestrigen Himmelfahrtstag, 9. Mai, geehrt wurde, und mit ihm die jüdischen Gemeinschaften in Europa, begreift er als ein „Lichtfeuer der Hoffnung und Solidarität in herausfordernden Zeiten; gegen Intoleranz, Hetze und Hass – für Aufklärung und gegenseitiges Verständnis“. Bewegt und überwältigt erleben die rund 700 Gäste – darunter hochrangige Politiker, Ministerpräsidenten sowie ehemalige Karlspreisträger*innen – im Aachener Krönungssaal den Oberrabbiner und Präsidenten der Konferenz der europäischen Rabbiner (CER). Goldschmidt, der von sich selbst sagt: „Ich bin mit Leib und Seele Europäer!“, ist voller Demut und Dankbarkeit für die Auszeichnung, die er gleichzeitig als Verpflichtung versteht: Sowohl für sich selbst, seine Arbeit für europäische Werte, Dialog, Freiheit und Demokratie fortzusetzen, als eben auch dafür, gemeinsam für diese Werte einzustehen und zu kämpfen.

Pinchas Goldschmidt: „Die Karlspreisträger 2024 leben in Angst!“

Bei der Preisverleihung im Krönungssaal des Aachener Rathauses betonte Goldschmidt, der gemeinsam mit seiner Frau Dara, seiner Mutter Elisabeth und weiteren Familienmitgliedern nach Aachen gekommen war, Antisemitismus müsse in all seinen Formen erkannt, benannt und bekämpft werden. Denn auch wenn es in der Begründung für die Preisverleihung unter anderem heiße, die Auszeichnung solle ein Signal setzen, dass jüdisches Leben selbstverständlich zu Europa gehöre und in Europa kein Platz für Antisemitismus sein dürfe, so sagt Goldschmidt: „Das klingt märchenhaft. Leider ist das Gegenteil der Fall. Jüdische Menschen, die Karlspreisträger des Jahres 2024, sie leben in Angst, sie bangen um ihre Zukunft.“ Und er fordert: „Wir alle müssen dagegen aufstehen! Die jüdische Gemeinschaft kann es nicht. Und es ist auch nicht ihre Aufgabe. Es ist die Aufgabe ihrer Heimatländer und Heimatgesellschaften, sich gegen die Feinde der europäischen Werte zu erwehren! Wann, soll ‚nie wieder‘ sein, wenn nicht jetzt?“

Es ist eine offene und sehr persönliche Rede des Oberrabbiners, in der er Einblicke in sein Leben gewährt: Wie er nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Europa verließ, um Teil des Wiederaufbaus zu sein. Wie er nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine seine Gemeinde nach 33 Jahren wieder verlassen musste. Und wie er dennoch weiterhin die Hoffnung, den Mut und das Vertrauen in die Menschheit hat – „solange ich weiß, dass wir gemeinsam kämpfen“. Stehende Ovationen im Saal, langanhaltender Applaus.

Vizekanzler Dr. Robert Habeck: Jüdisches Leben macht Europa aus

Mit der diesjährigen Preisverleihung an Pinchas Goldschmidt setze das Karlspreisdirektorium ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus, sagte Vizekanzler Robert Habeck in seiner Laudatio und dafür, „dass jüdisches Denken und jüdisches Leben Europa reicher macht – ja ausmacht“. Dabei mahnt er gleichzeitig: „Wir müssten nicht betonen, dass für Antisemitismus in Europa kein Platz ist, wenn es ihn nicht geben würde. Und in diesen Jahren ausgeprägter denn seit langem.“ Menschen wie Rabbi Goldschmidt machten mit ihrem Wirken einen Unterschied, aus dem Habeck einen „Auftrag an uns alle“ ableitet: „Aufzustehen, wenn Menschen unterdrückt, Minderheiten bedroht oder Gewalt eingesetzt wird.“ Schließlich stellt Habeck die Frage nach dem Ziel eines vereinten Europas, um selbst die Antwort zu formulieren: „Dieses Ziel ist Frieden in Freiheit auf dem europäischen Kontinent. Für Freiheit muss man auch kämpfen wollen, aber wahre Freiheit ist eine in Frieden.“ Und darüber hinaus: „Die Finalität der europäischen Einigung wäre eine föderale europäische Republik‘. Eine ‚Einheit in Vielfalt’ in einer aus unterschiedlichen Kulturen und Sprachen, Nationen und geschichtlichen Bezügen gebildeten Union. In solch einer föderalen Union muss niemand Angst vor dem Verlust der je eigenen Geschichte und Kultur haben.“ Am Ende einer mit viel Beifall bedachten Rede betonte Habeck: „Das europäische Judentum ist nicht das zu Europa hinzugekommene, tolerant zu ertragende. Im Gegenteil. Es ist der europäischen Idee eingeschrieben, macht sie aus. Europa so verstanden, so gelesen, stiftet eine Verbundenheit ohne Ab-Stammeszugehörigkeit. In einem solchen Europa kann man sich niederlassen – endlich auch als Jüdin oder Jude. Zu Hause sein. Angekommen. Heimat Europa.“

Edi Rama, Ministerpräsident der Parlamentarischen Republik Albanien: Toleranz mit Respekt

„Welche Form kann Toleranz haben, in einer Zeit der steigenden Intoleranz?“, fragt Edi Rama, Ministerpräsident der Parlamentarischen Republik Albanien, in seiner Festrede und sieht Europa in einem Dilemma: „Denn Angst vor dem Bösen heißt auch, die Intoleranz zu fördern. Wir müssen uns gegen das Böse in der Welt wenden.“ Menschen wie Pinchas Goldschmidt seien Brückenbauer zur Menschlichkeit. Gespräche suchen, Konflikte mit Respekt lösen, sich selbst reflektieren, tolerant sein – das alles sei alternativlos, „auch wenn es bedeutet, dass wir hin und wieder unsere Komfortzone verlassen müssen. Wir müssen uns mit der Komplexität der Geschichte auseinandersetzen, damit die echten Waffen nie wiederkommen. Denn nur eine Form der Toleranz kann uns schützen: Das Vertrauen in die Menschlichkeit.“ Dabei blickt Rama auch auf die Geschichte seines eigenen Landes, in dem er seit Jahren Reformen vorantreibt, um eine spätere Mitgliedschaft in der EU zu ermöglichen. „Toleranz mit Respekt ist eine aktive Haltung.“

Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen: Solidarität, Vielfalt, Zusammenhalt

Es sind bewegende Zeiten, in denen der 65. Internationale Karlspreis zu Aachen in diesem Jahr verliehen worden ist. Antieuropäische und rechtspopulistische Kräfte verzeichnen Gewinne – in einigen Ländern mehr, in anderen weniger. Alte Machtbündnisse bröckeln, autokratische Systeme erstarken. Vor diesen Hintergrund erinnerte auch Aachens Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen in ihrer Rede an die „dunkelsten Kapitel unserer Geschichte“ und stellte heraus: „Wir unternehmen alles, um nie wieder in eine solche Barbarei zurückzufallen. Besonders hier in Aachen stehen wir heute, morgen und in Zukunft für unsere Werte ein. Wir gestalten die Demokratie selbst, beziehen Position. Wir stehen ein für eine Gesellschaft der Solidarität, der Vielfalt, des Zusammenhalts.“ So, wie auch Goldschmidt deutlich seine Stimme für Frieden und Gerechtigkeit erhebe und zeige, dass der Dialog der Schlüssel zum Frieden sei. „Seine unerschütterliche Haltung gegen den radikalen Extremismus und sein Einsatz für den interreligiösen Austausch sind für uns beispielhaft. Seine Vision von einem Europa und einer Welt, die von Verständnis, Respekt und Zusammenarbeit geprägt sind, ist eine, die uns alle verbindet.“ Und schließlich appellierte die Oberbürgermeisterin: „Jüdisches Leben ist ein selbstverständlicher Teil unserer europäischen Identität und wird es immer sein. Lassen Sie uns gemeinsam weiterhin für Frieden und Toleranz kämpfen, lassen Sie uns mehr miteinander reden und so mehr Brücken zwischen den Kulturen und Religionen bauen!“

Abschluss auf dem Katschhof
Auf dem Katschhof erlebten im Anschluss an die Preisverleihung zahlreiche Besucher*innen den Karlspreisträger 2024 aus der Nähe – so wie auch schon am Abend zuvor beim Open-Air-Programm „Karlspreis LIVE“ auf der Katschhof-Bühne und nachmittags an der RWTH Aachen, wo der Oberrabbiner wegen seines sympathischen Auftritts und der spürbaren Freude am Diskurs mit den jungen Menschen beklatscht wurde. Bescheiden und doch mitreißend – so präsentierte sich Pinchas Goldschmidt in Aachen. Er nutzte jede Gelegenheit, um seine Botschaft zu platzieren: für ein friedliches und tolerantes Zusammenleben der Gesellschaft und Religionen in Europa. Beispielhaft dafür war die diesjährige Karlspreisverleihung. Goldschmidt dankte den vielen Gästen für den Zuspruch, den er an all den Tagen rund um die Verleihung in der Kaiserstadt gespürt habe. Und so verabschiedet sich der überzeugte Europäer mit seiner Familie aus Aachen: bewegt, überwältigt, ermutigt und inspiriert aus dem Vermächtnis Karls des Großen.

Begründung des Karlspreisdirektoriums

In der Begründung des Direktoriums heißt es unter anderem: „Das Karlspreisdirektorium will mit dieser Auszeichnung das Signal setzen, dass jüdisches Leben selbstverständlich zu Europa gehört und in Europa kein Platz für Antisemitismus sein darf. Jüdisches Leben ist ein wichtiger Teil der europäischen Geschichte und Gegenwart – jetzt und in Zukunft.“ Und: „Für das Direktorium der Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen ist es ein wichtiges Anliegen darauf hinzuweisen, dass alle Menschen das Recht haben, in sicheren Grenzen und einer freien, friedlichen und demokratischen Gesellschaft zu leben.“ Das Direktorium würdigt Pinchas Goldschmidt als „herausragenden Repräsentanten des europäischen Judentums und das jüdische Leben in Europa, das unseren Kontinent seit Jahrhunderten bereichert und hier immer seinen Platz haben wird und muss“.

Zitate und Fakten in Kürze:

  • Die Preisträger: Pinchas Goldschmidt und die jüdischen Gemeinschaften in Europa sind am heutigen Donnerstag, 9. Mai, mit dem „Internationalen Karlspreis zu Aachen“ ausgezeichnet worden. Goldschmidt nahm die Auszeichnung stellvertretend entgegen. „Die Auszeichnung ist eine Ermutigung in einer herausfordernden Zeit. Ich danke Ihnen für diesen Lichtblick.“ Das Karlspreisdirektorium mit seinem Vorsitzenden Dr. Jürgen Linden hebt in seiner Begründung besonders hervor, Goldschmidt erhalte die Auszeichnung „ in Würdigung seines herausragenden Wirkens für den Frieden, die Selbstbestimmung der Völker und die europäischen Werte, für Toleranz, Pluralismus und Verständigung, und in Anerkennung seines bedeutenden Engagements für den interreligiösen und interkulturellen Dialog“.
  • Goldschmidt‘s Botschaft: „Gemeinsam können wir die Werte der Einigkeit, der Freiheit, der Demokratie und der Menschlichkeit ehren – indem wir sie vertreten und verteidigen.“
  • Vizekanzler Dr. Robert Habeck: „Wer das europäische Judentum ehrt, kann über Antisemitismus nicht schweigen. Der Karlspreis ist ein Zeichen dafür, dass jüdisches Denken und jüdisches Leben Europa reicher macht – ja ausmacht.“
  • Edi Rama, Ministerpräsident der Parlamentarischen Republik Albanien:„Wir müssen uns mit der Komplexität der Geschichte auseinandersetzen, damit die echten Waffen nie wiederkommen. Denn nur eine Form der Toleranz kann uns schützen: Das Vertrauen in die Menschlichkeit.“
  • Aachens Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen: „Besonders hier in Aachen stehen wir heute, morgen und in Zukunft für unsere Werte ein. Wir gestalten die Demokratie selbst, beziehen Position. Wir stehen ein für eine Gesellschaft der Solidarität, der Vielfalt, des Zusammenhalts. Jüdisches Leben ist ein selbstverständlicher Teil unserer europäischen Identität und wird es immer sein. Lassen Sie uns gemeinsam weiterhin für Frieden und Toleranz kämpfen.“
  • Die Verleihung: Rund 700 Personen, darunter zahlreiche Ehrengäste, Mandatsträger*innen, Botschafter*innen sowie Vertreter*innen von Kirchen und Religionsgemeinschaften, haben an den Feierlichkeiten im Krönungssaal des Aachener Rathauses teilgenommen. Auf dem Ehrenpodium saßen, neben dem Karlspreisträger Pinchas Goldschmidt, Vizekanzler Dr. Robert Habeck, der albanische Ministerpräsident Edi Rama, die Oberbürgermeisterin der Stadt Aachen Sibylle Keupen, der Vorsitzende des Karlspreisdirektoriums Dr. Jürgen Linden, Vertreter*innen der diesjährigen Jugendkarlspreisgewinner, die früheren Karlspreisträger*innen Dahlia Grybauskaite (2013), Patrick Cox (2004), Jean-Claude Trichet (2011) und Martin Schulz (2015) sowie die Preisträgerinnen des Jahres 2022 Veronica Tsepkalo, Swetlana Tichanowskaja und – in Vertretung ihrer inhaftierten Schwester Maria Kalesnikava – Tatsiana Khomich.
  • Weitere Gäste: Unter den Gästen der Karlspreisverleihung waren unter anderem Hendrik Wüst, Ministerpräsident des Landes NRW, sowie die NRW-Minister*innen Mona Neubaur, Oliver Krischer, Herbert Reul und Nathanael Liminski sowie Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzende des Verteidigungsausschusses (MdB). Auch Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, und Abraham Lehrer, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, nahmen als Ehrengäste an der Verleihung teil.
  • Das Programm: Die Karlspreisverleihung wurde musikalisch vom Sinfonieorchester Aachen unter Leitung des Generalmusikdirektors Christopher Ward begleitet. Als Sopranistin trat Sonja Gornik auf, die Werke des jüdischen Aachener Komponisten Leo Blech darbot. In Absprache mit dem Preisträger waren die Kinderlieder „Ein kleines Lied“, „Veilchen“ und „Wie ist doch die Erde so schön“ ausgewählt worden.
  • Das mediale Interesse: Mehr als 70 Medienvertreter*innen haben sich für die Karlspreisverleihung 2024 akkreditiert, um darüber zu berichten, darunter Teams von ARD und ZDF, WDR, der Deutschen Welle sowie von Albania Public TV, FAZ und der Süddeutschen Zeitung, jüdisch-israelischer Medien sowie verschiedener in- und ausländischer Wort- und Bild-Agenturen. Die Live-TV-Übertragung wurde im WDR Fernsehen gesendet und ist dort noch abrufbar.

Informationen zum internationalen Karlspreis zu Aachen:

Der Internationale Karlspreis zu Aachen gilt als einer der bedeutendsten europäischen Preise. Seit 1950 wird er an Personen und Institutionen verliehen, die sich um die Einigung Europas verdient gemacht haben. Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt und die jüdischen Gemeinschaften in Europa sind die 65. Träger des Internationalen Karlspreises zu Aachen. Sie folgen auf den Präsidenten der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, und das ukrainische Volk, die 2023 mit dem Karlspreis ausgezeichnet worden sind. Zu den früheren Preisträger*innen in Aachen gehörten unter anderem Konrad Adenauer (1954), der spanische König Juan Carlos I. (1982), der amerikanische Präsident Bill Clinton (2000), der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker (2006), Bundeskanzlerin Angela Merkel (2008), Papst Franziskus (2016), Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron (2018), António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen (2019) sowie die belarussischen Bürgerrechtlerinnen Maria Kalesnikava, Swetlana Tichanowskaja und Veronica Tsepkalo (2022).

Im Rahmen der feierlichen Zeremonie im historischen Krönungssaal des Aachener Rathauses wird neben einer Urkunde auch eine Medaille verliehen, die auf der Vorderseite das älteste Aachener Stadtsiegel aus dem 12. Jahrhundert mit thronendem Karl dem Großen und auf der Rückseite eine Inschrift für die jeweiligen Preisträger*innen zeigt.

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Land Rheinland-Pfalz übernimmt rund 9,94 Millionen Euro der Schulden des Landkreises Vulkaneifel

Daun/Mainz – RLP Innenminister Michael Ebling hat der Landrätin des Landkreises Vulkaneifel, Julia Gieseking, einen Bescheid aus dem Programm „Partnerschaft zur Entschuldung der Kommunen in Rheinland-Pfalz (PEK-RP)“ überreicht. Damit übernimmt das Land rund 9,94 Millionen Euro der Schulden des Kreises.

„Mit dem Entschuldungsprogramm unterstützen wir als Land über 500 teilnehmende Kommunen durch die Übernahme von Altschulden und entlasten diese im Umfang von insgesamt drei Milliarden Euro. Alleine den Landkreis Vulkaneifel entlasten wir von fast zehn Millionen Euro seiner Schulden“, sagte Innenminister Michael Ebling bei der Bescheidübergabe.

„Ich bin froh und dankbar, dass die Landesregierung Kredite des Landkreises Vulkaneifel in Höhe von fast 10 Millionen Euro übernimmt. Dies ist ein wichtiger Baustein zur Konsolidierung unseres Haushalts“, so Landrätin Julia Gieseking.

Insgesamt haben 491 Ortsgemeinden, sechs Verbandsgemeinden, fünf verbandsfreie Gemeinden, neun Landkreise und acht kreisfreie Städte ein Angebot zur Teilnahme am Entschuldungsprogramm erhalten. Nach dem im Gesetz festgelegten Entschuldungstarif ergibt sich ein Entschuldungsvolumen von rund 2,7 Milliarden Euro. Das Land stockt diesen Betrag um rund 300 Millionen Euro auf.

„Das Entschuldungsprogramm stellt einen Meilenstein dar. Durch die Übernahme der Altschulden entlasten wir die stark durch Liquiditätskredite belasteten Kommunen wirksam und geben ihnen eine klare Zukunftsperspektive“, so der Minister.

Neben dem Programm zur Entschuldung der Kommunen unterstützt das Land die Kommunen in diesem Jahr mit einer halben Milliarde Euro zusätzlich. Im Kommunalen Investitionspakt Klimaschutz und Innovation, kurz KIPKI, stellt das Land 250 Millionen Euro zur Verfügung. Weitere 267 Millionen Euro stellt das Land für die Unterbringung von Geflüchteten bereit.

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Karlspreis zu Aachen 2024 – Vorbereitungen auf der Zielgeraden

Aachen – Vizekanzler Robert Habeck und der albanische Ministerpräsident Edi Rama halten die Festreden beim Festakt. Sprecher beim Vorabend-Dinner ist Margaritis Schinas, Vize-Präsident der Europäischen Kommission. Nur wenige Tage vor der Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen an Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt und die jüdischen Gemeinschaften in Europa haben am gestrigen Vormittag, 6. Mai Aachens Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen und Dr. Jürgen Linden als Vorsitzender des Karlpreisdirektoriums Einzelheiten zur Preisverleihung bekannt gegeben. Demnach werden am Himmelfahrtstag, Donnerstag, 9. Mai, rund 700 Personen an den Feierlichkeiten im Krönungssaal teilnehmen. Vizekanzler Robert Habeck und der albanische Ministerpräsident Edi Rama halten Ansprachen mit einer Würdigung des Preisträgers. Ebenfalls zu Gast in Aachen wird Margaritis Schinas, Vize-Präsident der Europäischen Kommission, sein; er ist gleichzeitig Sprecher beim Vorabend-Dinner in der Aula Carolina.

Jüdisches Leben gehört selbstverständlich zu Europa

Das Karlspreisdirektorium ehrt Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt und gemeinsam mit ihm die jüdischen Gemeinschaften in Europa mit der Verleihung des Karlspreises 2023 „in Würdigung seines herausragenden Wirkens für den Frieden, die Selbstbestimmung der Völker und die europäischen Werte, für Toleranz, Pluralismus und Verständigung, und in Anerkennung seines bedeutenden Engagements für den interreligiösen und interkulturellen Dialog. Das Karlspreisdirektorium will mit dieser Auszeichnung das Signal setzen, dass jüdisches Leben selbstverständlich zu Europa gehört und in Europa kein Platz für Antisemitismus sein darf.“

Der Vorsitzende des Karlspreisdirektoriums Dr. Jürgen Linden betonte im Pressegespräch, dass die Karlspreis-Vorbereitungen inzwischen weitgehend abgeschlossen seien und man sich am Donnerstag auf einen vollbesetzten Krönungssaal freuen dürfe. „Das zeigt, dass die geladenen Gäste und die Bürger*innen im Krönungssaal hinter der Botschaft des aktuellen Karlspreises stehen, den Kampf gegen den Antisemitismus unterstützen und gleichzeitig darauf hinweisen, dass jüdisches Leben seit Jahrhunderten eine Bereicherung in Europa ist.“

Viele Ehrengäste haben ihr Kommen zugesagt

Unter den Gästen der Karlspreisverleihung befinden sich die ehemaligen Karlspreisträger*innen Veronica Tsepkalo, Svetlana Tichanowskaja und Tatsiana Khomich in Vertretung ihrer Schwester Maria Kalesnikava sowie Martin Schulz, Dalia Grybauskaite, Pat Cox, und Jean-Claude Trichet. In Aachen werden zur Karlspreisverleihung ebenfalls Hendrik Wüst, Ministerpräsident des Landes NRW, sowie die NRW-Minister*innen Mona Neubaur, Oliver Krischer, Herbert Reul und Nathanael Liminski sowie Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzende des Verteidigungsausschusses (MdB), erwartet. Auch Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, und Abraham Lehrer, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, sind Ehrengäste der Karlspreisverleihung. Zahlreiche andere Mandatstragende, Botschafter, Generalkonsule, Vertretungen von Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie der Partnerstädte Aachens haben bisher ihr Kommen zugesagt.

Verleihung des Europäischen Karlspreises für die Jugend

Am Dienstag vor der Karlspreisverleihung, 7. Mai, wird der Europäische Karlspreis für die Jugend verliehen. An dem hierzu ausgeschriebenen Wettbewerb haben sich wieder Hunderte junger Menschen aus den Mitgliedstaaten der Europäischen Union mit sehr unterschiedlichen und vielfältigen Projekten beworben, die zur europäischen Verständigung beitragen, die Entwicklung einer gemeinsamen Identität fördern und beispielgebend für das gelebte Europa sind. In diesem Jahr haben Jugendliche aus Europa rekordverdächtige 516 Projekte angemeldet. „Ich habe die tolle Stimmung vom vergangenen Jahr noch in bester Erinnerung und freue mich auf diese lebendigen, begeisterten und begeisternden jungen Menschen, die Europa bereichern und die es so dringend braucht“, sagte Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen. Die Repräsentant*innen der nationalen Gewinnerprojekte aus 29 Mitgliedstaaten befinden sich aktuell zu einem viertägigen Aufenthalt in Aachen.

Karlspreis-Europa-Forum

Am Mittwoch, 8. Mai, findet traditionell das Karlspreis-Europa-Forum statt – auch 2024 im „Das Liebig“; diesmal unter dem Motto „Weichenstellungen für Europa“. Im unmittelbaren Vorfeld der Karlspreisverleihung finden sich hier europäische Führungspersönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien, Kultur und Gesellschaft zu einer Perspektivkonferenz zusammen und diskutieren über drängende Herausforderungen, die europäischen Strategien für den Frieden im Nahen Osten und die Erwartungen an eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit.

Das Besuchsprogramm des Karlspreis-Vortags

Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt nimmt am kommenden Mittwochnachmittag kurz am Karlspreis-Europa-Forum teil. Vorher besucht er um 14.15 Uhr die RWTH Aachen und wird dort in der Aula des Hauptgebäudes am Templergraben vor Studierenden sprechen und den Dialog suchen. Vorbereitet von Studierenden des Projekts Leonardo und begleitet vom jüdischen DJ und Künstler Nikolay Karabinovych verspricht der Besuch eine besondere Begegnung. Gegen 17.30 Uhr besichtigt Pinchas Goldschmidt gemeinsam mit seiner Ehefrau Dara den Aachener Dom, wo Dompropst Rolf-Peter Cremer ihn an der Wolfstür empfangen wird.

Karlpreis LIVE auf dem Katschhof

Gegen 19.30 Uhr ist der designierte Karlspreisträger zu Gast beim „Karlspreis LIVE“ auf dem Katschhof. Auf der dortigen Bühne führt Medienhaus-Chefredakteur Thomas Thelen ein Interview mit Pinchas Goldschmidt und stellt ihn sowie die anwesenden Jugendkarlspreisträger*innen der Aachener Bevölkerung vor. Das kulturelle Programm auf dem Katschhof beginnt um 15 Uhr. Zu hören sind die fünfköpfige Bluesband aus dem hiesigen Grenzgebiet „Bluesaders“ und die Aachener Band „Sin Fronteras“, die einen tanzbaren Mix aus Ska, Reggae und Latino auf die Bühne bringt.

Karlspreis Live: Das Fest

Am Himmelfahrtstag starten die Aktivitäten auf dem Katschhof um 12.55 Uhr mit einer musikalischen Begrüßung des Karlspreisträgers durch den Chor „Carmina Mundi“ auf der Katschhofbühne sowie einem gemeinsamen Gesang aller versammelten Menschen. Pinchas Goldschmidt, das Direktorium und die Ehrengäste werden gegen 13 Uhr zu kurzen Statements erwartet. Dabei sprechen nach aktuellem Stand neben dem Karlspreisträger auch verschiedene Ehrengäste.

Das Medieninteresse ist groß

Das Medieninteresse an der diesjährigen Verleihung ist groß. Drei Tage vor der Karlspreisverleihung verzeichnet der städtische Fachbereich Kommunikation und Stadtmarketing über 70 Akkreditierungsanfragen – darunter Teams von ARD und ZDF, des Belgischen Rundfunks, der Deutschen Welle und von Albania Public TV, von FAZ und der Süddeutschen Zeitung, jüdisch-israelischer Medien sowie verschiedener in- und ausländischer Wort- und Bild-Agenturen. Die Karlspreis-Verleihung wird am Himmelfahrtstag live im WDR-Fernsehen von 11.15 bis 12.45 Uhr ausgestrahlt.

Fahrzeugflotte

Seit vielen Jahren stellt die Mercedes-Benz Niederlassung Aachen einen Teil der Fahrzeugflotte für die Ehrengäste der Karlspreisverleihung. Aktuell besteht die Flotte aus Elektro- und Hybridfahrzeugen verschiedener Baureihen, die rund um die Preisverleihung im Einsatz sind, sagte im Vorfeld der Verleihung Matthias Hindemith, Vertriebsdirektor Pkw Rheinland bei Mercedes-Benz. Fahrzeuge aus dem Bereich des EU-Parlaments ergänzen die Flotte.

Koscheres Menü aus Brüssel

Die Gäste beim Vorabend-Dinner in der Aula Carolina können sich auf ein koscheres Angebot von Artischocke und Sellerie Mille Feuille mit Trüffel, auf ein Irisches Rib-Eye Steak sowie Tatar von der Victoria-Ananas mit Eistee

Orangen-Tuile und ein Zitronen-Sorbet freuen. Zu diesem Menu gehört auch eine vegetarische Variante. Für das Catering zeichnet The Food & the art aus Brüssel in Kooperation mit DORN – Catering und Events verantwortlich. Das Abendessen wird musikalisch von der Harfenistin Swantje Janne Wittenhagen, einer Preisträgerin und Stipendiatin der Deutschen Stiftung Musikleben, begleitet.

Sicherheitszonen

Am 8. und 9. Mai kommt es vor allem in der Innenstadt zu verschiedenen temporären Straßensperrungen und Halteverbotszonen. Am 8. Mai wird zunächst im Bereich der oberen Pontstraße eine Sicherheitszone eingerichtet, die am 9. Mai um den Bereich Katschhof und Markt erweitert wird. Zudem muss im Bereich der Augustinergasse mit Einschränkungen gerechnet werden. Die Stadt Aachen und die Polizei Aachen bitten darum, am Christi Himmelfahrtstag keine Fahrräder im Bereich rund um das Rathaus abzustellen. Alle Fahrräder, die sich am Morgen des 9. Mai bis 5 Uhr noch im Sicherheitsbereich befinden, werden entfernt. Eine Liste der betroffenen Straßen ist unter www.aachen.de/karlspreis zu finden.

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Historischer Schuldenschnitt für Kommunen in Rheinland-Pfalz

Region/Mainz – „Mit der ‚Partnerschaft zur Entschuldung der Kommunen‘, kurz PEK-RP genannt, vollzieht die Landesregierung einen historischen Schuldenschnitt. Das Land nimmt den Kommunen drei Milliarden Euro, also über die Hälfte ihrer relevanten Liquiditätsschulden ab, und entlastet sie damit zugleich vom Zinsrisiko. Das Land wird die übernommenen Liquiditätskredite aus dem Landeshaushalt tilgen und zeigt damit, dass die Solidarität zwischen Land und Kommunen tragender Gedanke des Programms ist“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer bei der ersten Übergabe des Bewilligungsbescheides an den Oberbürgermeister der Stadt Trier, Wolfram Leibe.

Die Übernahme der Altschulden werde der Stadt Trier wie auch den weiteren über 500 teilnehmenden Kommunen für die Zukunft immens helfen und Möglichkeiten im Haushalt schaffen, auch mit den aktuellen Herausforderungen umzugehen. Mit Blick auf die steigenden Zinsen sei es der Landesregierung wichtig, das Entschuldungsprogramm sehr schnell umzusetzen. „Wir haben das Programm in enger Abstimmung mit unseren kommunalen Partnern gestaltet. Für den konstruktiven Dialog bin ich sehr dankbar. Das Land unterstützt beim Prozess der Entschuldung, und die Kommunen verpflichten sich, ein erneutes Aufwachsen der Liquiditätskredite zu verhindern. Flankiert vom neuen Kommunalen Finanzausgleich (KFA) und dem Kommunalen Investitionsprogramm Klimaschutz und Innovation (KIPKI) legen wir damit die Basis für einen fiskalischen Neuanfang der Kommunen in Rheinland-Pfalz“, so die Ministerpräsidentin.

„Das Land übernimmt mit dem Programm, das gemeinsam von den koalitionstragenden Fraktionen SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP sowie CDU und FWG in der Landesverfassung verankert wurde, über die Hälfte der kommunalen Liquiditätskredite und entlastet Landkreise, Verbandsgemeinden, Städte und Gemeinden sowohl von den entsprechenden Tilgungsverpflichtungen als auch von den Zinszahlungen. Insgesamt profitieren mehr als 500 Kommunen in Rheinland-Pfalz von der mittel- und langfristigen Entlastung, die deutlich über das Entschuldungsvolumen von drei Milliarden Euro hinausgeht, wenn die Zinsentlastung mitberücksichtigt wird“, erläuterte Finanzministerin Doris Ahnen.

Konkret übernimmt das Land von der Stadt Trier Kassenkredite in Höhe von 266,1 Millionen Euro, das sind zwei Drittel des anrechnungsfähigen Betrags. „Wir haben aus eigener Kraft zwischen 2017 und 2022 schon an die 40 Millionen Euro Liquiditätskredite zurückgezahlt, aus dem Haushaltsjahr 2023 werden wir noch rund 35 Millionen Euro Liquiditätskredite tilgen. Zusammen mit den jetzt vom Land Rheinland-Pfalz übernommenen Krediten werden dann 70 Prozent weniger Liquiditätskredite in unseren Haushaltsbüchern stehen. Das ist für uns ein riesiger Sprung nach vorne. Die Pro-Kopf-Verschuldung sinkt damit um mehr als 35 Prozent, statt Zinsen für Geld zu zahlen, das wir uns leihen mussten, weil die Ausgaben die Einnahmen überstiegen, haben wir dann Luft, um in Projekte zu investieren, die einen dauerhaften Mehrwert für die Menschen in Trier schaffen“, sagte der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe.