Kategorien
Top-Themen

Land Rheinland-Pfalz organisiert Wiederaufbau-Organisation und benennt Vor-Ort-Beauftragten

Region/Mainz – Die Landesregierung hat eine Wiederaufbauorganisation eingerichtet, um die kommunale Infrastruktur im von der Hochwasserkatastrophe heftig getroffenen Ahrtal zielführend und effektiv voranzutreiben. Das hat der Ministerrat beschlossen. Die Wiederaufbauorganisation wird unter Leitung von Innenstaatssekretärin Nicole Steingaß arbeiten. Zudem gehören der Wiederaufbauorganisation die neu geschaffene Abteilung „Wiederaufbau 2021“ im Innenministerium, die Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz und der Vor-Ort-Beauftragte der Landesregierung an. Für die Aufgabe des Vor-Ort-Beauftragten wurde der ehemalige Landrat und Innenstaatssekretär a.D. Günter Kern vom Ministerrat berufen. Er wird in Sachen Wiederaufbau den engen Kontakt zu den Kommunen halten.

„Ein ganzer Landstrich ist traumatisiert von einer nie dagewesenen Katastrophe, welche die Menschen heimgesucht hat. Viele haben unglaublich Schreckliches erlebt. Das Ausmaß der Not ist riesig. Rund 64.500 Menschen – darunter allein 42.000 im Kreis Ahrweiler – sind in allen Flutgebieten betroffen. Wir beklagen über 140 Tote. Das schmerzt uns sehr. Vieles wurde zerstört und muss wiederaufgebaut werden, Eigenheime, Unternehmen, die Landwirtschaft, der Weinbau und der Tourismus. Unser Ziel ist es, diesen Wiederaufbau koordiniert und schnell voranzutreiben. Die Menschen haben es verdient, dass sie ihre Heimat zurückerhalten“, sagten Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Innenminister Roger Lewentz in Ahrweiler. Es werde auch drei Wochen nach der Flutkatastrophe immer noch Enormes geleistet, rund 4.200 professionelle Helferinnen und Helfer des Technischen Hilfswerks (THW), der Feuerwehr, dem Rettungsdienst, der Polizei und der Bundeswehr leisten Hilfe. Hinzu kämen die unverzichtbaren Kräfte der Bauern und Landwirte, der Lohnunternehmer, und die unzähligen freiwilligen Helferinnen und Helfer aus allen Teilen der Bundesrepublik. „Wir hätten es ohne diese Menschen, die hier anpacken, nicht geschafft. Wir werden noch lange Unterstützung und Hilfe brauchen“, betonte die Ministerpräsidentin und der Innenminister.

Für den Wiederaufbau sei eine belastbare Struktur zwischen Bund und Land ganz entscheidend. „Wir haben in den ersten Tagen der Krise gezeigt, dass Bundes-  und Landesregierung gut miteinander arbeiten. Das belegen nicht nur die Soforthilfen, die wir in den ersten Tagen gemeinsam auf den Weg gebracht haben. Wichtig ist, dass gerade mit Blick auf konkrete Aufbaupläne alles sehr koordiniert abläuft. Staatssekretärin Nicole Steingaß leitet als „Beauftragte für den Wiederaufbau“ die Wiederaufbauorganisation, in dem ressortübergreifend Expertinnen und Experten der gesamten Landesregierung zielgerichtet zusammen wirken. Für uns steht außer Frage, dass zusätzlich eine Verzahnung der Landesebene zu den Kommunen notwendig ist. Und mit dem ehemaligen Landrat und Staatssekretär im Innenministerium, Günter Kern, haben wir dafür genau den Richtigen“, so Malu Dreyer. Er sei Auge, Ohr und starke Schulter für die Betroffenen vor Ort.

„Die Landesregierung geht den Wiederaufbau koordiniert und mit klaren Strukturen an. Ein Staatssekretärsausschuss unter Leitung von Staatssekretär Fabian Kirsch, Chef der Staatskanzlei, wir die Ressorts koordinieren. Im Innenministerium arbeitet unter Leitung der Beauftragten für den Wiederaufbau, Staatssekretärin Nicole Steingaß, eine neu geschaffene Aufbauabteilung, in der wir Expertinnen und Experten der Landesregierung aus unterschiedlichen Bereichen zusammengezogen haben. Sie befassen sich unter anderem mit der Koordinierung regelmäßiger Gespräche mit den Kommunalverantwortlichen, mit dem Förderwesen, mit Rechtsfragen, mit den Finanzen des Wiederaufbaus und vielem mehr. Unterstützt wird die Beauftragte für den Wiederaufbau, Staatssekretärin Nicole Steingaß durch den Vor-Ort-Beauftragten Günter Kern. Hinzu kommt die Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz zur Unterstützung. Damit ist die Wiederaufbauorganisation komplett“, erläuterte Innenminister Roger Lewentz die Strukturen.

„Ich plädiere zudem sehr dafür, dass der Deutsche Bundestag noch im August zu einer Sondersitzung zusammentritt und sich mit den Wiederaufbauhilfen für die von der Hochwasserkatastrophe befasst. Wir brauchen Einigkeit darüber und ein klares Signal aus dem höchsten deutschen Parlament, dass dieser nationale Kraftakt gemeinsam gestemmt wird“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Kategorien
News

Kreißsaal erhält Verstärkung – Vier neue Hebammen starten im St. Elisabeth Mayen

Mayen – Mit über 800 Geburten pro Jahr gibt es im Kreißsaal des St. Elisabeth Mayen in der Regel immer etwas zu tun. Das Team der Hebammen erhält nun Verstärkung mit vier neuen Kolleginnen. „Wir freuen uns ganz besonders, weil wir mit Jennifer Laux, Anna Baumeister und Jil Raß drei frisch examinierte Hebammen aus unserer Schule übernehmen können“, so Pflegedirektorin Mechthild Annen.

„Alle hier sind hoch motiviert“, bestätigt Elvira Hoffmanns, Komm. Leiterin der Hebammen. Im Kreißsaal sind insgesamt 15 Hebammen im Einsatz. Sie alle sind Expertinnen der Schwangerenvorsorge, Geburtshilfe und Wochenbettbetreuung, um werdende Eltern beim „Wunder Geburt“ kompetent begleiten zu können.

Kategorien
News

Telefon Seelsorge in Ahrweiler von Hochwasser betroffen

Bad Neuenahr-Ahrweiler – Auch auf die Arbeit der TelefonSeelsorge hat sich die Unwetterkatastrophe ausgewirkt. Die Dienststelle Bad Neuenahr-Ahrweiler mit Standort in Ahrweiler ist nicht mehr zu benutzen. „In unseren über 100 Dienststellen bundesweit erleben wir die Betroffenheit und das Mitgefühl unserer Mitarbeitenden. Wenn vermeintliche Sicherheiten so brutal weggespült werden und viele Todesopfer und existenziell Betroffene zu beklagen sind, rührt das alle zutiefst an“, erklärt Michael Hillenkamp, katholischer Vorsitzender der Evangelisch-Katholischen Kommission (EKK), dem bundesweiten Leitungsgremium der TelefonSeelsorge. „Und wir sind tief beeindruckt von den Kolleginnen und Kollegen vor Ort, die sich der Sicherstellung der Erreichbarkeit mit bewundernswerter Energie widmen. Sie wollen gerade jetzt für die Menschen da sein.“

Auf Bundesebene wurde beschlossen, der von der Flut am heftigsten getroffenen Dienststelle in Bad Neuenahr-Ahrweiler kurzfristig eine größere Summe zur Unterstützung zur Verfügung zu stellen. „Die Räume sind noch da, aber sie sind bis auf weiteres unbenutzbar“, sagt Werner Gross, geschäftsführender Vorstand der TelefonSeelsorge Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V.

Zurzeit werden Anrufe, die aus Bad Neuenahr-Ahrweiler getätigt werden, in die Region Rheinland weitergeleitet. Auch in Koblenz und Kaiserslautern kommen Anrufe von betroffenen Menschen an. „Im Augenblick bekommen wir zu dem Thema eher Anrufe von Menschen, die, ohne selbst betroffen zu sein, durch die Bilder und Nachrichten geschockt sind. Das sind oft Menschen, die bereits psychisch stark belastet sind“, sagt die evangelische Leiterin der TelefonSeelsorge Mittelrhein, Pfarrerin Carmen Tomaszewski. Die Stelle in Kaiserslautern sieht zukünftig auch den Bedarf, sich um die vielen Helfenden zu kümmern, die teilweise schwer erschüttert von ihren Einsatzorten zurückkämen.

Die Dienststelle in Ahrweiler ist bereits mit dem Aufbau einer Infrastruktur in kurzfristig zur Verfügung gestellten Räumen befasst. „Wir hoffen, die Nummern schon in dieser Woche zumindest stundenweise wieder besetzen zu können“, sagt Werner Gross. „Das ist unseren Mitarbeitenden ein echtes Anliegen. Sie sagen zurecht, dass sich kaum jemand besser in die Lage der Menschen hier einfühlen kann als sie, die die Katastrophe hautnah miterlebt haben.“

Die Beteiligten vor Ort erleben eine Welle der Hilfsbereitschaft, die, so Werner Gross, ein wirklicher Trost sei. Die Dienststelle hat ein Spendenkonto eingerichtet: „Wir haben zwar keine Toten zu beklagen, aber wir haben Mitarbeitende, die buchstäblich nur noch das besitzen, was sie am Leib tragen. Sie wollen wir damit unterstützen.“

Wer für die betroffenen TelefonSeelsorge-Ehrenamtlichen spenden möchte, kann das hier tun: TelefonSeelsorge Ahrweiler e.V., IBAN: DE49 5775 1310 1000 5632 86, BIC: MALADE51AHR, Verwendungszweck: Wiederaufbau Mitglieder TS-Ahrweiler.

Mit mehr als 7.700 geschulten Ehrenamtlichen in 104 Städten oder Regionen ist die TelefonSeelsorge deutschlandweit tätig. Die Mitarbeitenden stehen ganzjährig rund um die Uhr am Telefon zur Verfügung. Die TelefonSeelsorge berät Menschen jeder Nationalität, jedes Geschlechts, jeder Konfession und jedes Alters. Alle Beratungen, am Telefon, per Mail oder Chat sowie  vor Ort, sind anonym und für die Anrufenden kostenfrei.

Mit der kostenlosen App „KrisenKompass“ bietet die Telefonseelsorge Hilfe zur Selbsthilfe bei depressiven Gefühlen und Suizidgedanken für Betroffene und Angehörige. Dank der Unterstützung der Deutschen Telekom sind die Telefonnummern 0800/1110111 und 0800/1110222 seit 1997 gebührenfrei.

Kategorien
Top-Themen

Kreisverwaltung Ahrweiler teilt vorläufige Schadenshöhe mit – Alleine im Ahrkreis über 3,7 Milliarden Euro

Ahrweiler – Massive Schäden an kommunalen Einrichtungen im Ahrtal. Die Flutkatastrophe im Kreis Ahrweiler hat massive Schäden an den kommunalen Einrichtungen verursacht. Zur Vorbereitung der geplanten Aufbauhilfen – über die im Rahmen der Bund-Länder-Konferenz am 10. August beraten wird – hat der eigens gebildete Aufbaustab des Landes Rheinland-Pfalz die betroffenen Landkreise und Städte um Meldung der Schadenshöhe gebeten. Hierunter fallen unter anderem Teile der Infrastruktur, Schulen und Kindertagesstätten sowie Sportanlagen.

Wie die Kreisverwaltung Ahrweiler nun mitteilt, belaufen sich die geschätzten und vorläufigen Kosten der Kommunen alleine im Ahrkreis auf über 3,7 Milliarden Euro.

Kategorien
News

In den Spendenlagern des Bauhofes der Gemeinde Kall und bei Möbel Brucker kommen Lieferungen aus ganz Deutschland an

Kall – Sie hatten die vierstündige 340-Kilometer weite Reise von Vechta nach Kall gern in Kauf genommen, nur um den Opfern der schweren Flut am 14. Juli zu helfen. Der Sprinter, mit dem Jürgen Dirkes und dessen Sohn Florian am 2. August den Bauhof der Gemeinde ansteuerten war voll beladen mit Hilfsgütern, die die Familie aus dem hohen Norden aus eigener Tasche bezahlt hatten.

Bauhofleiter André Kaudel (Mitte) koordiniert mit seinen freiwilligen Helferinen und Helfern den Eingang und due Ausgabe der Hilfsgüter. Foto: Reiner Züll

Mit seiner Ehefrau Andrea und der Tochter Denise waren Vater und Sohn in einem Handwerkermarkt in Vechta auf große Einkaufstour gegangen, um die Kaller Flutopfer zu unterstützen. 150 Eimer, jede Menge Schrubber, Schaufeln, Besen, Reinigungsmittel, mehrere große Kartons Toastbrot und sogar einen nagelneuen Kühlschrank hatten luden die Nordlichter am Bauhof ab.

Nicht nur, dass Jürgen und Florian Dirkes die lange Anfahrt nach Kall in Kauf genommen hatten, sie blieben auch noch über Nacht in Kall, um am anderen Tag das im Bauhof tätige Helferteam beim Sortieren und Ausgeben der Hilfsgüter zu unterstützen.

Eigentlich wollte das Vater-Sohn die Nacht in einem mitgebrachten Zelt verbringen, doch Bauhofleiter André Kaudel besorgte ihnen ein Nachtquartier in Urft. „Unser Haus ist vor Jahren abgebrannt, daher wissen wir wie es Familien geht, die ihr ganzes Hab und Gut verloren haben“, begründete Dirkes die spontane Hilfe seiner Familie: „Wir mussten hier einfach helfen“. Dankbar sei er deshalb auch seinem Chef, der ihm seinen nagelneuen Sprinter für die Spendenfahrt nach Kall überlassen habe.

„Es kommen immer noch Sachen aus ganz Deutschland an“, berichtet Bauhofleiter Andre´ Kaudel, die die Sortierung und Ausgabe der Hilfsgüter in den Hallen koordiniert. Die Feuerwehr aus niedersächsischen Bredenbeck hat mehrere Transporte mit Großgeräten wie Waschmaschinen, Kühlschränken und Gefriertruhen nach Kall absolviert. Diese Großgeräte, so André Kaudel, werden an Familien abgegeben, die nicht gegen Hochwasser versichert sind. Sechs Feuerwehrleute der Bredenbecker Wehr waren direkt nach der Flut zum Helfen nach Kall gefahren und hatten zuhause von den schweren Zerstörungen berichtet.

Kaudels Handy steht kaum mal eine Minute still. Es werden laufend Hilfsgüter angeboten oder nachgefragt. Täglich kann sich der Bauhof-Leiter auf der insgesamt 1500 Quadratmeter großen Lager- und Ausgabefläche auf die Hilfe von rund 20 Freiwilligen verlassen, die sich inzwischen abwechseln – quasi nach einem Dienstplan. Helfer, die von auswärts kommen, können im Jugendwaldheim in Urft übernachten.

Die Ausgabe ist meist mit vier bis sechs Helfern besetzt. Meist gefragte Artikel sind Lebensmittel, Kindernahrung, Spielzeug, Hygieneprodukte, Trinkwasser, Werkzeuge, Besen, Schaufeln, Reinigungsmittel sowie Schubkarren und Gebäude-Trockner die jedoch große Mangelware sind.

Vom Bauhof aus werden jedoch auch Helfer an Betroffene vermittelt, die in ihren zerstörten Häusern Hilfe brauchen. André Kaudel: „Wir sind für jeden Helfer der kommt dankbar“. Bauhof-Mitarbeiter Klaus Heup hat für die Fluthilfe einen separaten Bauhof-Facebook-Auftritt eingerichtet, der innerhalb weniger Tage schon über 10.000 Besucher aufgerufen wurde.

Auch die aus Kall stammende Angelika Wolter, die vor mehr als 40 Jahren von Kall weggezogen ist, packte im Bauhof mit an. 20 Jahre hat sie nach ihren Wegzug von Kall in Spanien gelebt und wohnt jetzt seit 20 Jahren in Freiburg. Beim Besuch zum Geburtstag ihrer Mutter war die 65-Jährige über die Zerstörungen in ihrem Heimatort derart schockiert, dass sie eine Woche lang zum Helfen in Kall blieb.

Im Abverkaufs-Lager der Firma Brucker nahe dem Bauhof koordiniert Melanie Frey den Eingang und die Ausgabe der Hilfsgüter. Auch sie kann sich seit Einrichtung des Lagers auf die Unterstützung vieler freiwilliger Helfer verlassen. Mitarbeiter des Möbelhauses opferten ihre Freizeit und sogar ihren Urlaub, um mitzuhelfen. Und auch der Firmen-Junior Maxi hilft in den Ferien bei der Ausgabe mit. Im Brucker-Lager sind Haushaltsartikel, Textilien, Kindersachen, Kinderwagen sowie Schuhe für Groß und Klein. Vielgefragt sei, so Melanie Frey, „alles, was sich ums Putzen dreht“.

Sowohl vom Bauhof als auch vom Brucker-Lager aus werden Hilfsgüter zu den Betroffenen, die nicht mobil sind, hin geliefert. Dabei beschränkt man sich nicht nur auf Kall, sondern es wird auch Betroffenen im Schleidener Tal oder an der Ahr geholfen.

Leider, so Melanie Frey, werde die Spendenbereitschaft und die Ausgabe der Hilfsgüter von skrupellosen Zeitgenossen ausgenutzt. Eine angeblich bedürftige Frau sei erwischt worden die die Hilfsgüter, die sie bei wiederholten Besucher des Spendenlagers eingepackt hat, später im Internet zum Verkauf angeboten habe. Eine Anzeige bei der Polizei sei erfolgt. Der Vorfall mit der unehrlichen  Dame sie nicht der einzige negative Vorfall gewesen. Nach diesen negativen Erfahrungen  seien fremde „Kunden“ des Spendenlagers nach ihren Ausweisen gefragt worden.

Kategorien
Top-Themen

„Gemeinsam werden wir es schaffen“ Caritas hilft Flutopfern auf vielfältige Weise

Ahrweiler – Die Flut kam über Nacht und veränderte viele Leben. Auch zwei Drittel der Caritas-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Ahrweiler sind stark von der Überschwemmung betroffen. Doch trotz allem ist eine positive, konzentrierte Energie spürbar. Einige Mitarbeiterinnen kehren spontan aus dem Ruhestand zu ihrem alten Arbeitgeber zurück und helfen dem Caritasverband bei dieser Herkulesaufgabe. Schnell war das Team neu aufgestellt, um im ersten Schritt Betroffenen in Kooperation mit dem Landkreis Soforthilfe zugänglich zu machen.

„Ich habe keine Wohnung mehr, wo kann ich unterkommen?“, „Wo finde ich medizinische Versorgung?“, „Gibt es eine Anlaufstelle für meine Kinder?“, „Wie komme ich an eine Pumpe, ein Aggregat oder einen Bautrockner?“ Auch Fragen nach einer psychologischen Weiterversorgung kommen beim Fluthilfe-Team an. „Jede telefonische Anfrage ist gleichzeitig eine Eintrittskarte, um über das Erlebte zu sprechen, weshalb wir uns für jeden Anrufer viel Zeit nehmen“, berichtet Fluthilfekoordinatorin Silvia Plum, die wie ihre Kolleginnen unzählige traumatisierende Geschichten in den Gesprächen hört. Da weiß eine 87-Jährige nicht weiter, denn in die geflutete Wohnung wird sie nach der Klinikentlassung nicht zurückkehren können. Eine werdende Mutter fragt die Schwangerschaftsberatung, in welcher Klinik sie ihr Kind sicher zur Welt bringen kann. Acht Patienten der Caritas-Sozialstation haben die große Flut nicht überlebt, drei Patienten werden noch vermisst. Dort stellen sich die Pflegekräfte um und packen zur Grundversorgung zusätzlich Lebensmittel und Mineralwasser in ihre Fahrzeuge – wobei viele Patienten nur zu Fuß zu erreichen waren.

Jeden Tag ändert sich das Aufgabenprofil. Die „Tafel für jedermann“ in Ahrweiler und Sinzig hat ihre Öffnungszeiten angepasst. Mehrmals wöchentlich bespricht der Caritas-Krisenstab im Konferenzsaal akut notwendige Hilfen. Silvia Plum: „Es ist eine Herausausforderung, fachübergreifend handlungsfähig zu sein und Unterstützung direkt anbieten zu können. Ein Großteil unserer Arbeitszeit gehört der Fluthilfe, obwohl wir alle auch selbst betroffen sind. Gemeinsam werden wir es schaffen.“

Der Blick geht nach vorn: 35 von der Caritas Magdeburg zur Verfügung gestellte Bautrockner brummen bereits an der Ahr, und dringend werden größere Chargen gesucht. Eine Wohnungsbörse wird schon bald Orientierung und Hilfe geben. Der Shuttleservice des Projekts „Älterwerden in der Grafschaft“ bietet Fahrten zu den in Lantershofen aufgebauten Duschen an. Die integrative Kindertagesstätte St. Hildegard wird voraussichtlich demnächst in Birresdorf ihre Arbeit aufnehmen. An vielen Stellen leisten die Caritas-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen großartigen Beitrag um, so Caritas-Geschäftsführer Richard Stahl, „das Leben im Ahrtal wieder lebenswert zu machen.“

Kategorien
News

Hochwasserhilfe: FVM-Anlaufstelle und Spendenkonto zur Unterstützung von betroffenen Menschen und Vereinen

Region/Hennef – Der Fußball-Verband Mittelrhein (FVM) hat zur Unterstützung der von der Hochwasserkatastrophe betroffenen Vereine und Menschen eine zentrale Anlaufstelle und ein Spendenkonto eingerichtet. Wer Hilfe und Beratung zu finanziellen oder organisatorischen Themen benötigt oder aber selbst Hilfe anbieten kann, findet alle Informationen unter www.fvm.de/hochwasserhilfe. Die Anlaufstelle ist per E-Mail erreichbar unter hochwasserhilfe@fvm.de.

„Die Hochwasserkatastrophe hat uns alle zutiefst erschüttert. Die verheerenden Folgen werden für die Menschen im privaten Umfeld, aber auch in den Vereinen unserer Region über Jahre zu spüren sein“, erklärt FVM-Präsident Bernd Neuendorf. „Auch Plätze und Vereinsheime sind zerstört. In mehreren Orten ist auf längere Sicht kein Sport auf der eigenen Anlage möglich. Hier möchten wir langfristig helfen“, so Neuendorf.

Ein konkretes Beispiel, wie die Spenden vom Spendenkonto eingesetzt werden, ist die finanzielle und personelle Unterstützung von Freizeit-Maßnahmen für Kinder und Jugendliche aus den Hochwassergebieten. Rudi Rheinstädtler, Vorsitzender des Verbandsjugendausschusses, erklärt: „Wir wissen von Vereinen, die Freizeitangebote organisieren, um den betroffenen Kindern und Jugendlichen etwas Abwechslung zu ermöglichen und deren Eltern zu entlasten. Dies ist auch langfristig erforderlich. Daher fragen wir bei den Vereinen, die Freizeiten anbieten, ab, welche Hilfe sie vom FVM-Team brauchen könnten. Das können zum Beispiel geschulte FVM-Betreuer*innen sein, die dann das Vereinsprogramm unterstützen. Aber auch die Info, wer seine Platzanlage zur Verfügung stellen kann, ist nützlich. Dann organisiert das FVM-Team dort gerne ein Freizeitangebot“, so Rheinstädtler.

„Die Freizeiten sind ein erster Schritt. Wenn wir die von uns eingeleitete Abfrage der Vereine zum Ausmaß der Schäden und zum akuten Unterstützungsbedarf ausgewertet haben, werden wir weitere Projekte und Maßnahmen unterstützen“, so Neuendorf. „Wir lassen die Menschen und unsere Mitglieder und Vereine in dieser für alle herausfordernden Situation nicht allein.“

Spendenkonto:

Fußball-Verband Mittelrhein e.V.
Kreissparkasse Köln
IBAN: DE09 3705 0299 0081 2811 10
Verwendungszweck: Hochwasser 2021

Kategorien
News

Start ins Berufsleben im Mayener Rathaus

Mayen – Ausbildungsbeginn und Freiwilliges Soziales Jahr Kultur im Mayener Rathaus. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt in diesem Sommer für 3 junge Menschen: Sie starten in ihre Ausbildung bei der Stadtverwaltung Mayen, dem Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung oder beginnen ein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur.

Seit Beginn des Monats wird Maximilian Dammann  zur Fachkraft für Abwassertechnik beim Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung, ausgebildet. Ebenfalls startete Zoe Mertz ins Berufsleben, sie wird bei der Tourist-Information der Stadt Mayen ihre Ausbildung zur Kauffrau für Tourismus und Freizeit absolvieren.

Jana Waldorf beginnt ihr Freiwilliges Soziales Jahr Kultur im Eifelmuseum und –Archiv und unterstützt von nun an das Team.

Oberbürgermeister Dirk Meid wünschte den jungen Nachwuchskräften einen guten Start ins Berufsleben und viel Erfolg in den kommenden Jahren.

Seinen besten Wünschen schlossen sich auch für den Bereich Personal Klaus Künzer und Personalratsvorsitzender Wolfgang Goeken an.

Kategorien
News

Mobile Covid-19 Impfstelle des Impfzentrums Marmagen im Hochwasser-Schadensgebiet der Stadt Euskirchen im Einsatz

Euskirchen – Am Mittwoch, 11.08.2021, 15:00 Uhr bis 19:00 Uhr, kommt eine Mobile Covid-19 Impfstelle des Impfzentrums Marmagen nach Euskirchen-Flamersheim an die Grundschule, Speckelsteinstraße 31, 53881 Euskirchen. Das Impfangebot richtet sich an die Menschen in den vom Hochwasser betroffenen Bereichen der Stadt Euskirchen. Gerne kann das Impfangebot ebenfalls von Menschen außerhalb des direkt betroffenen Hochwassergebietes im Bereich der Stadt Euskirchen sowie von im betroffenen Gebiet tätigen Helferinnen und Helfer oder Mitarbeitern/-innen dort tätiger Unternehmen angenommen werden.

Es besteht bei Erstimpfungen freie Impfstoffwahl innerhalb der COVID-19-Impfstoffe der Impfstoffhersteller BioNTech, Moderna und Johnson&Johnson. Für die Aufklärung und Beratung stehen Impfärzte/-innen zur Verfügung. Alle für die Impfung zu vervollständigenden notwendigen Informations-, Aufklärungs- und Einwilligungsunterlagen werden von den mobilen Impfstellen zur Verfügung gestellt. Sollte zur Impfung kein Impfausweis/Impfbuch vorgelegt werden können, so wird nach der Impfung ein neues Impfbuch mit Eintragung der Impfung ausgehändigt. Ein Angebot zur Zweitimpfung bei den Impfstoffen der Impfstoffhersteller BioNTech und Moderna wird beim Ersttermin gleichzeitig angeboten, gerne auch verbindlich festgelegt. Für den Impfstoff des Impfstoffherstellers Johnson&Johnson steht derzeit keine Zweitimpfung an.

Sollten Bürgerinnen und Bürger bis zu 2 Wochen vor dem 11.08.2021 eine anderweitige Impfung erhalten haben, so kann eine Impfung gegen „COVID-19“ zu diesem Zeitpunkt nicht erfolgen.

Zur Impfung ist der Personalausweis mitzubringen. Sollten persönliche Unterlagen im Rahmen der Hochwasserkatastrophe verloren gegangen sein, so wird vor Ort eine Lösung zur Identifikation gesucht werden.

Nach der Impfung wird ein Verbleib von mindestens 15 Minuten im Nachbeobachtungsbereich der Impfstelle empfohlen. Je nach Wetterlage sollte ggfls. ein Regenschutz mitgebracht werden.

Eine Voranmeldung zur Impfung ist nicht erforderlich.

Kategorien
News

Gekommen, um Gutes zu tun – Jugendliche packen an der Ahr mit an

Ochtendung/Ahr/Kirn/Bad Kreuznach – Eigentlich sollte es für ein paar Tage nach Holland gehen. Eine gemeinsame Segelfreizeit war geplant. Statt Sonne genießen auf Deck, helfen 25 Jugendlichen nun im Katastrophengebiet an der Ahr. Begleitet werden sie von den Organisatoren der eigentlichen Freizeit aus den Fachstellen für Kinder- und Jugendpastoral Andernach und Bad Kreuznach sowie dem Dekanat St. Goar. Ihre Basis hat das „Helpcamp“ im katholischen Gemeindezentrum in Ochtendung.

Bei einer Pause stärken sich die Jugendlichen. Foto: Privat

„Die Freizeit haben wir aufgrund von Corona abgesagt“, erklärt Susanne Mühlhausen, pädagogische Referentin der Fachstelle für Kinder- und Jugendpastoral Bad Kreuznach. Dann geschah die Flutkatastrophe und dem Team war klar: „Da wollen wir helfen“. Neben Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die sich ursprünglich für einen Segeltörn angemeldet hatten, sind noch weitere junge Menschen hinzugekommen wie Lilli Hahn aus Berschweiler bei Kirn. Sie wollte sich einer organisierten Gruppe beim Helfen anschließen „und nicht anderen in den Füßen rumstehen“, sagt die junge Frau. Die vergangenen Tage hat sie bei einem Winzer mitgearbeitet oder bei der Kinderbetreuung unterstützt; andere haben beispielsweise in einem Versorgungszelt gespült. Die Aufgaben sind vielfältig. Janina Sans aus Bad Kreuznach hat während ihrer Tage an der Ahr Kleider sortiert, aber auch Teppichböden aus Wohnungen rausgerissen oder Schlamm geschippt. Die Bad Kreuznacherin erinnert sich an einen der ersten Sätze, die sie im Katastrophengebiet gehört hat: „‘Man sieht euch hier gern!‘ Das fand ich sehr schön.“ Es werde positiv aufgenommen, dass so viele Jugendliche mitanpacken, bestätigt Susanne Mülhausen. Wobei das Team anfangs von einigen Betroffenen erst einmal skeptisch beäugt wurde: Die Gruppe besteht fast ausschließlich aus jungen Frauen. Schnell bemerken die Hausbewohnerinnen und Hausbewohner aber, welche Power in den Jugendlichen steckt. „Es motiviert, wenn man sieht, wie glücklich die Leute sind, und dann macht man einfach weiter“, sagt Marit Henger (16 Jahre). Und auch das eigene Selbstbewusstsein wächst an den Aufgaben, und die eigenen Probleme rücken in den Hintergrund, fügt Lilli Hahn hinzu, die einen Teil ihrer Semesterferien im „Helpcamp“ verbringt.

Alle im Team sind von der Dankbarkeit der Menschen überwältigt. „Viele wollen uns etwas Gutes tun und geben uns Süßigkeiten, obwohl sie selbst kaum etwas haben. Aber wir ja eigentlich gekommen, um ihnen etwas Gutes zu tun“, fasst es Marit Henger aus Bretzenheim zusammen. Dazu zählt nicht nur die körperliche Arbeit, sondern auch ein offenes Ohr. „Viele wollen ihre Geschichte erzählen. Denen tut es gut, wenn man einfach zuhört“, berichtet die 17-jährige Janina Sans. Dabei bemerken die jungen Leute, dass es neben positiver Aufbruchsstimmung auch große Verzweiflung gibt. Abends kehren die Helferinnen und Helfer wieder nach Ochtendung zurück. Dort essen und schlafen sie, sprechen über das Erlebte und bereiten sich für ihren nächsten Einsatz vor.

Hauptamtliche der Fachstellen für Kinder- und Jugendpastoral Andernach und Bad Kreuznach sowie des Dekanats St. Goar haben das „Helpcamp“ organisiert. Daneben erhalten sie Unterstützung der Kolpingjugend als Kooperationspartner und eine Förderung der Bischof-Stein-Stiftung im Bistum Trier. Außerdem unterstützten verschiedene Pfarreien das Projekt z.B. durch Kleinbusse oder Übernachtungsmöglichkeit.