Übergabe der Systeme durch TESLA. Foto: Kreis Euskirchen
Euskirchen – Im Kreisgebiet Euskirchen sind weiterhin Teile einzelner Kommunen vom Internet abgeschnitten. Nach der Katastrophennacht hat die Firma TESLA 19 Starlink-Satellitensysteme in den Kreis Euskirchen eingeflogen, durch die punktuell eine provisorische Internetversorgung hergestellt werden kann.
Mit der tatkräftigen Unterstützung des Fernmeldedienst der Feuerwehr Köln konnten diese 19 Starlink-Satellitensysteme aufgebaut werden. Davon 16 Systeme an den Koordinierungsstellen, zum Zweck des Einsatzkräftemanagements. Drei weitere stehen als Public-Hotspots in den Gerätehäusern der Feuerwehren in Bad Münstereifel und Arloff, sowie im Dorfsaal Iversheim zu Verfügung. So können sich nun Einsatzkräfte und betroffene Personen aus den benannten Ortschaften über eine Satellitenverbindung einwählen und einen Internetzugang erhalten.
Die Zerstörungen in der Eifel sind besonders groß: Generalvikar Dr. Andreas Frick (2.v.r.) und Stephan Jentgens ,Diözesancaritasdirektor im Bistum Aachen, im Gespräch mit Pfarrer Philipp Cuck (Mitte), Regionalvikar Eifel, Küster Thomas Wergen und Kirchenvorstandsmitglied Wilhelm Jansen (l.), an der Kirche in Gemünd. Foto: Bistum Aachen / Andreas Steindl
Aachen – Gemünd, Kall, Eschweiler, Stolberg, Schleiden, Kornelimünster: Sie waren seit der Hochwasser-Katastrophe täglich an den Krisenorten unterwegs und haben mit vielen Menschen gesprochen. Was bewegt die Betroffenen. Generalvikar Dr. Andreas Frick ist täglich an den Krisenorten der Hochwasser-Katastrophe unterwegs. Gespräche mit Betroffenen und konkrete kirchliche Hilfe vor Ort.
Die Stolberger Innenstadt Tage nach der Flutkatastrophe: aufgerissene Asphaltdecken, weggespülte Möbel und andere Erinnerungsstücke. Die Aufräumarbeiten laufen zwar auf Hochtouren, aber noch immer ist die Wucht der Flutwelle sichtbar. Foto: Bistum Aachen / Andreas Steindl
Dr. Andreas Frick, Generalvikar des Bistums Aachens, über die Verzweiflung von Opfern der Hochwasser-Katastrophe, die Kraft durch Zuhören und konkrete kirchliche Hilfen.
Es bietet sich ein so vielfältiges und zugleich erschütterndes Bild. Allerorts sind helfende Hände unterwegs und es ist eine einzigartige Solidarität spürbar. Alle packen mit an, räumen Schutt weg und sind unermüdlich im Einsatz. Aber bereits jetzt ist eine unendliche Trauer, Verzweiflung und auch Wut spürbar. Viele haben Angehörige, Freunde oder gleich ihre gesamte Existenz verloren. Traumata entstehen. Helferinnen und Helfer sind psychisch und körperlich am Ende. Wir dürfen nicht vergessen: Viele haben bereits in den Pandemie-Zeiten unglaubliches geleistet. Da sein, zuhören, trösten, das spendet derzeit ein bisschen Kraft. Deshalb stehe ich mit den Kollegen Regionalvikaren in regelmäßigem Whatsapp-Kontakt, damit wir pastoral vor Ort wirksam unterstützen können. Ganz zu schweigen von unseren Notfallseelsorgerinnen und -seelsorgern, die überall im Einsatz und immer erreichbar sind. Ebenso stehen unsere Beratungszentren in Aachen und Mönchengladbach zur Verfügung.
Es geht also um mehr als finanzielle Unterstützung?
Selbstverständlich ist es wichtig, dass rasch und unbürokratisch finanzielle Mittel bereitgestellt werden. Es wird noch Wochen und Monate dauern, bis die größten Schäden beseitigt sind. Von den seelischen Belastungen ganz zu schweigen. Entscheidend wird aber auch sein, wie wir als Kirche die schwierigen Phasen des Neuanfangs durch unsere Angebote und Nähe menschlich pastoral begleiten. Viele, auch kleine Unternehmer, Händler und Gastronomen standen schon durch die Corona-Pandemie unmittelbar vor dem Aus. Nunmehr ist alles vernichtet. Wir als Bistum haben umgehend einen Solidaritätsfonds für vom Hochwasser betroffene Kinder und Familien für Spenden eingerichtet. Darüber hinaus planen wir einen weiteren Nothilfefonds, in den wir einen Betrag in zweistelliger Millionenhöhe einbringen. Das schüttelt man allerdings nicht gerade einmal so aus dem Ärmel. Die Caritas beginnt in der kommenden Woche mit der Auszahlung von Hilfen, die in den Kirchengemeinden, katholischen Einrichtungen und regionalen Caritas-Anlaufstellen über Formulare beantragt werden können. Alle Hilfseinrichtungen bitten zwar derzeit darum, auf Sachspenden zu verzichten. Was aber gebraucht wird, sind Kühlschränke, Trocknungsgeräte, Waschmaschinen und Herde.
In Schleiden und Kall war die Versorgung durch die mobilen sozialen Hilfsdienste der Caritas zwischenzeitlich eingebrochen. Wie kann sichergestellt werden, dass Senioren und Bedürftige weiterhin betreut werden?
Die Pflege alter und kranker Menschen muss trotz Verwüstung weitergehen. Das ist nicht nur eine große organisatorische Aufgabe, sondern ist natürlich auch abhängig davon, ob genügend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Mich beeindruckt schon, mit welcher Flexibilität alle vor Ort Einsatzpläne aufstellen und die Betreuung sicherstellen. Dafür gilt allen meine große Hochachtung und tiefer Dank.
Krisenmanagement funktioniert nicht ohne Vernetzung. Wie läuft die Abstimmung zwischen Bistum, den Kommunen und der Politik?
Sie läuft. Von Anbeginn der Flutwelle bin ich mit der Oberbürgermeisterin von Aachen Sibylle Keupen und dem Städteregionsrat Tim Grüttemeier in engem Austausch. Wir halten uns auf dem Laufenden. Kornelimünster, Stolberg und Eschweiler hat es ja ebenso enorm getroffen. Mit den Orten verbinden mich übrigens auch persönlich viele Bezugspunkte. In Kornelimünster wurde ich getauft, in Stolberg bin ich aufgewachsen und in Eschweiler war ich lange Pfarrer. Dort geht es jetzt darum, gemeinsam mit Bund und Land für das St. Antonius-Hospital in Eschweiler dringend eine Lösung zu finden. Generell gilt: In Krisenzeiten ist es gut, wenn vor Ort alle kirchlichen Entscheidungsträger in einem offenen Austausch mit regionalen und lokalen Verantwortlichen stehen. Dann können schnell und sachgerecht Lösungen gefunden und Hilfen bereitgestellt werden. Und das erlebe ich derzeit in beeindruckendem Maße.
Wie stark sind kirchliche Einrichtungen von der Zerstörung betroffen?
Wir können das noch nicht endgültig beziffern. Das St.-Antonius-Hospital in Eschweiler ist von der Flut mit voller Wucht getroffen worden. Dass die Patientinnen und Patienten in dieser dramatischen Situation sicher evakuiert werden konnten, ist dem Krankenhaus-Team und allen Rettungskräften zu verdanken. Dabei ging es buchstäblich um Minuten. Auch die Kirche St. Kornelius in Kornelimünster wurde durch das Wasser extrem beschädigt. Insgesamt wissen wir bislang von 14 Einrichtungen, darunter auch das bischöfliche St.-Ursula-Gymnasium in Geilenkirchen, wo der Keller unter Wasser stand. Damit Trocknungsgeräte und Baumaterial angeschafft werden können, stellen wir kurzfristig und unbürokratisch Soforthilfen zur Verfügung, um die Handlungsfähigkeit sicherstellen zu können. Aber ehrlich gesagt, derlei Schäden in Bauten und Gebäuden verblassen angesichts des großen menschlichen Leids.
Wie kann die Trauer bewältigt werden?
Es fällt schwer, das in Worte zu fassen. Ich möchte, dass wir als Kirche da sind und die Bedürfnisse der Menschen ernst nehmen. Es hat mich ganz besonders getroffen, dass eine Abiturientin der Clara-Fey-Schule in Schleiden, die vor den Ferien noch mit Freunden, Eltern und Mitschülern einen neuen Lebensabschnitt gefeiert hat, von den Fluten mitgerissen wurde. Auf dieses Leid habe ich auch als Priester keine Antwort. Mein tiefstes Mitgefühl und Gebet gilt den Eltern, der Familie und den Freunden. Und selbstverständlich schließe ich alle Betroffenen der Katastrophe in dieses Gedenken mit ein.
„Heute bei dir“, der Titel unter dem das Bistum Aachen einen synodalen Veränderungsprozess für die Zukunft des Bistums Aachen angestoßen hat, wirkt angesichts der Flutwelle extrem konkret. Also raus aus den theologischen Diskursen?
Wir erleben gerade, dass unser Anspruch und kirchliches Selbstverständnis einen Realitätscheck im Schnelltempo durchläuft. Das kann uns nur entschlossener machen, unserer eigentlichen Verantwortung gerecht zu werden. Die Lebenswirklichkeit von Menschen wahrzunehmen, zuzuhören und zu handeln.
Dazu gehört auch, dass wir uns als Bistum weiter verändern müssen.
Solidaritätsfonds für vom Hochwasser betroffenen Kinder und Familien
Um schnell und unbürokratisch zu helfen, hat das Bistum Aachen hat einen Solidaritätsfonds für vom Hochwasser betroffene Kinder und Familien eingerichtet. Gespendet werden kann auf das Konto der Pax-Bank: IBAN: DE72 3706 0193 1000 1000 60, BIC:GENODED1PAX. Weitere Information zu Hilfsangeboten: www.bistum-aachen.de
Mit Todesverachtung in den Einsatz ging Unternehmer Hubert Schilles (67) aus Floisdorf, um den Menschen zu helfen, deren Leben und Existenz von einem möglichen Bruch der Steinbachtalsperre gefährdet war. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Mechernich-Floisdorf – Hubert Schilles (67) aus Floisdorf legte den verstopften Grundablass der Steinbachtalsperre mit seinem Bagger wieder frei und rettete Tausende, deren Existenz bedroht war. Hubert Schilles ist ein tief religiöser Mann. Und er machte auch keinen Hehl aus seinem Glauben, als er jetzt mit seinem Bagger den Grundablass der hochwasserbedingt überschwappenden Steinbachtalsperre bei Euskirchen-Kirchheim freilegte.
Innenminister Horst Seehofer und Ministerpräsident Armin Laschet erklärten den Mechernicher zum Vorbild, die Medien zum Helden. Doch der Floisdorfer bleibt bescheiden: „Das hätte jeder andere auch getan…“
Hubert Schilles zeigte vor laufenden Fernsehkameras seinen Rosenkranz, den er immer bei sich trägt. Der Chef von 57 Mitarbeitern einer Bauunternehmung, die Hubert zusammen mit seinem Zwillingsbruder Peter betreibt, wollte keinen seiner Leute in einen lebensgefährlichen Einsatz schicken.
„Ich habe mich zweimal gesegnet und bin runtergefahren“, sagte er im Fernsehen. Mit Todesverachtung, denn wenn der Staudamm gebrochen wäre, wovor alle Verantwortlichen pausenlos warnten, dann hätte es den Floisdorfer Landwirt und Unternehmer mitsamt seinem schweren Arbeitsgerät fortgerissen. „Ich hatte keinen Augenblick Angst“, so Hubert Schilles zur Deutschen Presseagentur (dpa).
„Beten musste ich nicht lernen, beten konnte ich schon, als ich vor 2012 Stammzellen meines Zwillingsbruders Peter gespendet bekam“, sagte Hubert Schilles dem Mechernicher „Bürgerbrief“. 13 Monate gaben ihm die Ärzte damals noch zu leben – neun Jahre sind inzwischen daraus geworden. Und hoffentlich kommen noch viele dazu, wünschen ihm seit der Überschwemmungskatastrophe 2021 noch ein paar Tausend Menschen mehr als vorher.
14-jährig nach Lourdes
Hubert Schilles kam bereits als 14-Jähriger durch eine Lourdes-Wallfahrt zu seiner tief-katholischen Überzeugung, die freilich schon vorher bei dem Jungen aus einer überzeugt katholischen Bauernfamilie angelegt war. „Ich wollte gerne mit Pfarrer Heinz Jumpertz und den anderen zum Marienheiligtum pilgern, aber unser Vater Anton lag krank und ich hatte kein Geld“, erinnert sich Hubert Schilles.
Da habe ihn eine Nachbarin, die krank geworden war und selbst nicht mitwallfahren konnte, auf ihre Kosten reisen lassen. Dort habe es gefunkt. 1989 wurde er Matthiaspilger – und nimmt seither mit der Bruderschaft Bürvenich-Oedekoven den beschwerlichen Fußweg nach Trier zum Grab des Heiligen Apostels Matthias auf sich.
Hubert Schilles hat drei Kinder, die alle im gemeinsamen Baubetrieb mitarbeiten – und vier Enkel. „Geht nicht, gibt’s nicht“ ist seine Devise im Betrieb. Seine Mitarbeiter schätzen die verbindliche Art von Hubert und seinen Brüdern. Sie verlangen nicht, was sie nicht auch selbst tun würden, und firmieren im weiten Kreis ihrer Bekannten und Bewunderer als „hart, aber herzlich“.
„Wenn die Wand fliegen gegangen wäre, wäre das hundertprozentig der sichere Tod gewesen“, titelte der „Stern“. Im dpa-Interview sagte der Bauer und Bauunternehmer aus der Stadt Mechernich: „Das war schon eine brisante Situation. Aber ich hatte keine Angst, weil dahinter stand ja was Großes. Nämlich, dass kein Mensch zu Schaden kommt…“
Er halte sein Handeln daher für selbstverständlich. „Man soll nicht die Brust rausdrücken. Ich bin eher der, der im Hintergrund arbeitet“, sagte der 67-Jährige. Er und sein Team aus 57 Beschäftigten seien auch nun weiter mit Aufräumarbeiten nach der Katastrophe befasst. Zurzeit fahre er immer wieder Sondermüll zur Deponie. „Kostenlos natürlich, das ist für mich Ehrensache.“
Region/Mainz – Ministerpräsidentin Malu Dreyer zeigte sich beeindruckt von der enormen Welle der Hilfsbereitschaft und Solidarität mit den Opfern des Hochwassers an der Ahr. Dies habe dazu geführt, dass auch erste Erfolge sichtbar seien. Das Katastrophenmanagement stellt die Versorgung mit Hilfsgütern sicher. Schritt für Schritt machen die Hilfskräfte von Feuerwehr, THW und Bundeswehr abgeschnittene Ortschaften wieder erreichbar. Damit auch dort Aufräumen und Reparieren stattfinden kann. Die Versorgung mit Strom und Wasser sind dabei vordringlich“, sagte die Ministerpräsidentin.
Die entstandenen Schäden an der Infrastruktur würden kontinuierlich erfasst und analysiert, um den Finanzbedarf zu ermitteln sowie die Reparaturen organisieren zu können. „Wir kümmern uns nicht nur um die technische Infrastruktur, sondern gemeinsam mit den Partnern auch um die Sicherung der gesundheitlichen Versorgung vor Ort“, so Malu Dreyer. In Abstimmung insbesondere mit den Krankenhäusern in der Versorgungsregion, der Kassenärztlichen Vereinigung, der Landesapothekerkammer, der Krankenhausgesellschaft Rheinland-Pfalz und der Landesregierung haben sich die Arztpraxen, Krankenhäuser und Apotheken vor Ort zusammengefunden, um die Versorgung auch in dieser kritischen Situation sicherzustellen. Dabei sei auch eine Versorgung durch die ärztliche Bereitschaftspraxis Bad Neuenahr-Ahrweiler, die ab sofort auch tagsüber besetzt sei (10 bis 16 Uhr), und den Notdienst der örtlichen Apotheken eingerichtet worden. Gemeinsam arbeiteten die Partner daran, die Gesundheitsleistungen vor Ort weiter zu stärken. „Wir können nicht alle Probleme in kurzer Zeit lösen, aber wir arbeiten mit Hochdruck an einer Verbesserung der Situation in den betroffenen Gebieten“, sagte die Ministerpräsidentin.
Ein Impfbus und mobile Impfteams haben diese Woche ihre Arbeit im Hochwassergebiet begonnen und bieten Corona-Erst- und Zweitimpfungen und -Schnelltests an. Damit kann die Arbeit des betroffenen und aktuell geschlossenen Impfzentrums des Landkreis Ahrweiler und vieler niedergelassener Ärztinnen und Ärzte behelfsweise aufgefangen werden. Das Land hat 350.000 Testkits für die Region zur Verfügung gestellt.
Die Ministerpräsidentin betonte, dass ihre Landesregierung weiterhin alles tun werde, den Regionen zu helfen. „Meine Minister und Ministerinnen sind alle eng in das Katastrophenmanagement eingebunden“, sagte Malu Dreyer. Der Ministerrat stünde auch in der Sommerpause bereit, kurzfristig zusammenzutreten, um Maßnahmen zu besprechen und notwendige Entscheidungen zu treffen. „Diese Landesregierung nimmt die Not in den Hochwasserregionen sehr ernst und wird alles in ihren Kräften Stehende tun, diese zu lindern“, so die Ministerpräsidentin.
Pfarrer Kaufmann im Gespräch mit einem älteren Bewohner, der hilft, die Straßen zu säubern. Foto: Bistum Trier
Kordel – Pfarrer Mario Kaufmann fährt auf der kleinen Landstraße Richtung Kordel, es geht durch schattigen Laubwald, immer entlang der Kyll. Der kleine Nebenfluss der Mosel, der in Belgien entspringt und durch die Eifel fließt, plätschert harmlos vor sich hin. Eine Woche zuvor haben seine Wassermassen das Dorf Kordel und den Trierer Stadtteil Ehrang überrollt, Autos weggedrückt, Mauern eingerissen, Keller und Häuser geflutet – Existenzen zerstört. „Geblieben ist der nach Heizöl stinkende Schlamm, ganz viel Zerstörung und auch Fassungslosigkeit“, sagt Kaufmann.
Als die Kyll nie gekannte Höchstpegelstände im zu seiner Pfarreiengemeinschaft gehörenden Kordel erreicht, ist Kaufmann gerade zu Besuch bei seinen Eltern in der Nordeifel. „Dort haben wir schon gemerkt, dass etwas nicht stimmt, weil der kleine Dorfbach stark anstieg“, erinnert sich Kaufmann. Spät abends erreichen den Pfarrer die ersten Nachrichten seiner Mitarbeiterinnen aus Kordel: „Da gingen die Sorgen los, ich konnte mir anhand der ersten Bilder im Fernsehen ausmalen, wo das Wasser steht, dass es in unserer Kita und im Pfarrhaus ist, dass der ganze Ortskern überflutet ist.“ In Kordel habe es immer mal wieder Hochwasser gegeben, vor allem durch den Welschbilliger Bach, der durch den Ort zur Kyll fließt, aber „in diesem Ausmaß – das hat es noch nie gegeben“. Kaufmann fährt am nächsten Tag zurück nach Kordel und versucht, Bekannte und Mitarbeitende zu erreichen. „Das war nicht so einfach, da niemand Strom hatte und über Handy zunächst keiner erreichbar war.
Es war wirklich eine Katastrophen-Situation. Ich wusste auch nicht, wo unsere Leute aus dem Seniorenheim geblieben waren.“ Nach Kordel hineinfahren sei nicht möglich gewesen, Zufahrtsstraßen seien wegen mehrerer kleiner Erdrutsche gesperrt gewesen – Kordel in seiner engen Talmulde war von der Außenwelt abgeschnitten.
Vor Kaufmann taucht just in diesem Moment auf der Landstraße ein großer Bagger auf, der die Reste eines solchen Erdrutsches – lose rote Brocken von Buntsandstein – zur Seite schiebt. Er passiert das Ortseingangsschild von Kordel; die ersten Räumungs- und Müllfahrzeuge kommen ihm entgegen. „Kordel ist sehr familiär und nachbarschaftlich organisiert, das habe ich auch sonntags am Telefon schon von vielen gehört, als wieder mehr Kontakt möglich war“, erzählt Kaufmann.
Ein Heer von Rettungskräften packte mit an, sogar aus Baden-Württemberg oder der Pfalz. in den ersten Tagen hätten viele Betroffene nicht einmal daran denken können, ihre Keller auszupumpen, da das Wasser noch zu hoch stand, erst sukzessive sei das Straße um Straße geschehen. „Und dann sah es aus wie nach einem Krieg – überall standen meterhoch die Sperrmüllberge mit Dingen, die den Menschen vorher lieb und teuer waren.“ Als Kaufmann jetzt die Ortsmitte kreuzt, sieht man davon nicht mehr viel. „Es ist Wahnsinn, wie viel schon abtransportiert wurde. Natürlich kommen immer wieder neue Müllhaufen hinzu, wenn Leute jetzt anfangen, Verkleidungen oder Wände abzuklopfen.“ Der Pfarrer parkt vor der katholischen Kindertagesstätte Sankt Amandus, die an das Pfarrhaus grenzt, in dem eine syrische Familie wohnt. Sie haben keinen Strom und kein warmes Wasser, da der Heizöltank im Keller beschädigt wurde.
Kaufmann trifft sich mit einem Elektriker und einem Experten für Ölheizungen. Anschließend wirft er einen Blick in die komplett leer geräumte Kita, die fleißige Helfer schon von Wasser und Müll befreit haben. Im Garten der Kita eine betonharte Schlammkruste, der Spielturm hängt schief in den Angeln; andere Geräte und Spielzeug schwemmte das Wasser einfach weg. „Man kann sich nicht vorstellen, welche Kraft das Wasser gehabt haben muss, aber hier hat es sogar eine stabile Mauer eingerissen.“ Kaufmann deutet auf einen Geröllhaufen, aus dem noch die Nest-Schaukel der Kinder herausragt, ein paar Tomaten aus einem benachbarten Gemüsegarten haben sich im Netz verfangen. Er könne sich nicht ausmalen, was die Behebung all dieser Schäden kosten wird, sagt Kaufmann kopfschüttelnd. Bei den strengen Auflagen für Kitas müsse der komplette mit Heizöl kontaminierte Boden ausgebaggert und ersetzt werden, ganz zu schweigen von den Schäden im Gebäude.
Einsatz des Spezial-Luftschiffes im Rhein-Erft-Kreis. Foto: VM NRW/ Ralph Sondermann
Region/Düsseldorf – Die Beseitigung der Infrastrukturschäden hat begonnen. Das Ministerium für Verkehr NRW teilt mit: Die Beseitigung der Infrastrukturschäden nach der Unwetterkatastrophe vom 14./15. Juli 2021 hat begonnen.
Verkehrsminister Hendrik Wüst: „Mobilität gehört zur Grundversorgung. Deswegen muss die Infrastruktur so schnell wie möglich repariert oder – wo nötig – komplett neu gebaut werden. Auch durch den Einsatz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Landesbetrieb Straßen.NRW gibt es bereits gute Fortschritte.“
Hilfsaktion der Fa. Airbus. Einsatz eines Luftschiffs zur Überprüfung der Straßenschäden. Einsatz des Spezial-Luftschiffes im Rhein-Erft-Kreis. Foto: VM NRW/ Ralph Sondermann
Von 190 Sperrungen am Tag nach dem Unwetter konnten 88 bereits aufgehoben werden.
Bauwerksprüfer wurden aus dem ganzen Land zusammengezogen, um die Schäden zu bewerten und Straßen und Brücken, wenn möglich, schnell wieder für den Verkehr freizugeben. Außerdem sollen Experten der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) des Bundes in Nordrhein-Westfalen eingesetzt werden, sich besonders um die Überprüfung abrutschgefährdeter Böschungen und Hänge zu kümmern.
Bauunternehmen haben bereits am Montag mit Reparaturarbeiten begonnen.
Dank des Einsatzes des Landesbetriebs Straßenbau Nordrhein-Westfalen und anderer Helfer sind keine Ortslagen mehr wegen beschädigter Brücken oder Straßen von der Versorgung abgeschnitten.
Für den schnellen Wiederaufbau sollen innovative Bauverfahren zum Beispiel mit Stahlbetonfertigteilen genutzt werden. Solche Konstruktionen sind deutlich schneller umsetzbar als konventionelle Bauweisen.
Das Verkehrsministerium Nordrhein-Westfalens hat eine Taskforce mit Vertretern der Straßenbauverwaltungen, der Bauindustrie und der Bahn eingerichtet, um die Beseitigung der Schäden zu koordinieren und möglichst schnell zu beauftragen.
Bereits am Donnerstag war im Auftrag des Landesbetriebes Straßenbau Nordrhein-Westfalen ein Spezial-Luftschiff im Einsatz, um detaillierte 2D- und 3D-Luftaufnahmen zur Schadensermittlung zu erstellen. Verkehrsminister Wüst: „Die Aufnahmen helfen uns, den Wiederaufbau so schnell wie möglich anzugehen.“
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Foto: BMWi / Andreas Mertens
Region/Berlin – Unternehmen können seit heute über die Plattform www.ueberbrueckungshilfe-unternehmen.de Anträge auf Überbrückungshilfe III Plus für den Förderzeitraum Juli bis September 2021 stellen. Die Anträge sind über prüfende Dritte zu stellen. Die maßgeblichen Förderbedingungen sind in Form von FAQ auf der Plattform veröffentlicht.
Unternehmen, die von Corona-bedingten Schließungen und Beschränkungen auch im dritten Quartal 2021 stark betroffen sind, erhalten weiterhin umfassende Unterstützung. Die Bundesregierung hat zu diesem Zweck die zentralen Corona-Hilfsprogramme als Überbrückungshilfe III Plus und Neustarthilfe Plus bis zum 30. September 2021 verlängert. Die bewährten Förderbedingungen werden in der Überbrückungshilfe III Plus beibehalten. Neu hinzu kommt die Restart-Prämie, mit der Unternehmen einen höheren Zuschuss zu den Personalkosten erhalten können.
Die Überbrückungshilfe III ist von mehr als 326.000 Unternehmen und die Neustarthilfe von 220.000 Betroffenen in Anspruch genommen worden.
Bundeswirtschaftsminister Altmaier: „Auch wenn die Wirtschat in den meisten Bereichen wieder loslegen konnte, haben immer noch Unternehmen mit Einschränkungen durch die Corona-Pandemie zu kämpfen. Diesen Unternehmen stehen wir weiter zur Seite. Sie können seit heute die Überbrückungshilfe III Plus für die Monate Juli bis September beantragen. Die Förderbedingungen der Überbrückungshilfe III Plus folgen weitgehend dem bewährten Muster der Überbrückungshilfe III. Zusätzlich erleichtern wir mit der neuen Restart-Prämie den Neustart und geben einen Anreiz, den Personalbestand und das Geschäft wieder hochzufahren.“
Ergänzende Informationen zur Überbrückungshilfe III Plus, einschließlich Neustarthilfe Plus:
Die Verlängerung der Überbrückungshilfe III wird mit dem neuen Programm Überbrückungshilfe III Plus umgesetzt, das inhaltlich weitgehend deckungsgleich mit der Überbrückungshilfe III ist.
Auch in der Überbrückungshilfe III Plus sind alle Unternehmen mit einem Corona-bedingten Umsatzeinbruch von mindestens 30 Prozent antragsberechtigt. Das neue Programm wird ebenfalls durch die prüfenden Dritten, zum Beispiel Steuerberater, über das Corona-Portal des Bundes beantragt.
Neu im Programm der Überbrückungshilfe III Plus ist:
Unternehmen, die im Zuge der Wiedereröffnung Personal aus der Kurzarbeit zurückholen, neu einstellen oder anderweitig die Beschäftigung erhöhen, können alternativ zur allgemeinen Personalkostenpauschale eine Personalkostenhilfe („Restart-Prämie“) als Zuschuss zu den dadurch steigenden Personalkosten erhalten.
Unternehmen, die von der Pleite bedroht sind, wird es künftig erleichtert, durch gezielte Stabilisierungs- und Restrukturierungsmaßnahmen eine Insolvenz zu vermeiden. Ersetzt werden Gerichtskosten von bis zu 20.000 Euro pro Monat für die insolvenzabwendende Restrukturierung von Unternehmen in einer drohenden Zahlungsunfähigkeit.
Weiter gefördert werden bauliche Maßnahmen und andere Investitionen zur Umsetzung von Hygienekonzepten und Digitalisierung. Welche Maßnahmen konkret förderfähig sind, wird in den FAQ in Form einer Positivliste festgelegt. Damit wird Klarheit und Rechtssicherheit für alle Beteiligten geschaffen.
Die Neustarthilfe Plus richtet sich weiterhin an Soloselbstständige, die Corona-bedingte Umsatzeinbußen verzeichnen, aufgrund geringer Fixkosten aber kaum von der Überbrückungshilfe III Plus profitieren. Es können – wie auch schon in der Neustarthilfe – neben Soloselbständigen auch kurz befristet Beschäftigte in den Darstellenden Künsten, unständig Beschäftigte aller Branchen sowie Kapitalgesellschaften und Genossenschaften antragsberechtigt sein. Direktanträge können seit Ende letzter Woche über die Plattform www.ueberbrueckungshilfe-unternehmen.de gestellt werden. Die FAQ sind unter folgendem Link verfügbar: https://www.ueberbrueckungshilfe-unternehmen.de/UBH/Redaktion/DE/FAQ/FAQ-Neustarthilfe-Plus/neustarthilfe-plus.html.
Saffig – Elektroinstallationsunternehmen prüfen nachgelagerte Hausinstallation. Westnetz arbeitet weiter mit Hochdruck an Wiederversorgung. Einsatz von Vakuumöfen. Westnetz legt weiterhin den Schwerpunkt ihrer Arbeiten darauf, so viele Haushalte wie möglich, in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten mit Strom zu versorgen. Dies geschieht in den Orten, wo die Anlagen komplett zerstört wurden, teilweise mit Notstromaggregaten. Um die Trockenlegung einiger Stationen noch schneller voran zu treiben, setzt der Netzbetreiber auf eine außergewöhnliche, aber sehr zuverlässige Methode: Er setzt Vakuumöfen zum Trocknen der Ortsnetzstationen ein.
Der Verteilnetzbetreiber Westnetz überprüft und setzt aktuell die Anlagen wieder in Stand, die in dem vom Unwetter betroffenen Gebiet liegen. Jede einzelne Mittelspannungsstation wird in Augenschein genommen. Sobald diese geprüft sind, erfolgt die Inspektion des Niederspannungsnetzes durch welches die Hausanschlüsse versorgt werden.
Auch in den nächsten Tagen unterstützen weitere Teams anderer Standorte und Schwestergesellschaften im Krisengebiet.
WICHTIG: Westnetz weist die Bevölkerung weiter darauf hin, einen Elektroinstallateur zu kontaktieren und eine Information an den Haustüren zu hinterlegen.
Um eine Versorgungsleitung wieder in Betrieb nehmen zu können, muss jedes daran angeschlossene Gebäude begangen und auf die Betriebssicherheit der elektrischen Anlage überprüft werden. Durch die fehlende Stromversorgung sind die Türklingeln oftmals ohne Funktion, dadurch wird die Kontaktaufnahme deutlich erschwert. Daher bittet Westnetz eine Kontaktmöglichkeit, zum Beispiel eine Telefonnummer, an der Haustüre zu platzieren und so die Erreichbarkeit sicher zu stellen. Auch können die Gebäudeeigentümer bereits Kontakt mit ihrem Elektroinstallateur zur Überprüfung der Hausinstallation aufnehmen. Aus Sicherheitsgründen bittet die Westnetz keine Hausanlage, die durch Wassereinbruch in Mitleidenschaft gezogen wurde, vor der Überprüfung durch eine Elektrofachkraft anzuschalten. Selbst wenn der Hausanschlusskasten bereits wieder unter Spannung steht. In den Bereichen, die bereits wieder mit Strom versorgt sind, bittet Westnetz alle Bürgerinnen und Bürger, den Energieverbrauch auf ein Minimum zu reduzieren.
Stolberg – Auszahlung erfolgt vom Spendenkonto „Stolberg hilft“. Rund 750.000 Euro (Stand 22.07.2021) auf dem Konto eingegangen. Geldspenden kommen somit direkt und unbürokratisch bei den Menschen an. Heute (22.07.2021) und morgen (23.07.2021) verteilt die Stadtverwaltung der Kupferstadt Stolberg die ersten kommunalen Soforthilfen an alle, die von dem Hochwasser getroffen wurden.
Wann und Wo?
Die betroffenen Menschen erhalten das Geld bar
– heute, 22.07.2021, von 14:00 Uhr bis 17:30 Uhr und
– morgen, 23.07.2021, 10:00 Uhr bis 12:00 Uhr
in den neuen Außenstellen der Stadtverwaltung:
– Innenstadt: Parkplatz Ökumenisches Gemeindezentrum, Frankentalstraße 18
– Vicht, Pfarrbüro, Rumpenstraße 2
– Zweifall Dorfplatz (Verwaltungscontainer)
Wer bekommt wieviel?
– Einzelpersonen (1 Person): 250 Euro
– Familien (bis 5 Personen): 500 Euro
– Familien (ab 6 Personen): 750 Euro
Wie beweisen, dass man betroffen ist?
Um das Geld zu erhalten, müssen die Menschen mit einem Lichtbildausweis ihren Wohnort sowie ihre Identität nachweisen. Wichtig: An den Ausgabestellen wird nur an Menschen ausgezahlt, die in dem jeweiligen Gebiet wohnen. Bewohner*innen aus Zweifall können das Geld also nicht an der Ausgabestelle in der Innenstadt anholen und umgekehrt. Zudem müssen die Abholenden in den betroffenen, überschwemmten Straßen wohnen! Das wird vor Ort anhand von entsprechenden Straßenlisten überprüft.
Sollte ein Nachweis des Wohnortes und der Identität nicht möglich sein (Ausweise verloren), überprüfen wir den Wohnort anhand von Melderegistern.
Die Ausgabe des Geldes wird registriert. Bei Verdacht eines Betruges (falscher Wohnort, Mehrfachabholung) behält sich die Stadt eine weitere Prüfung und Verfolgung vor. Wir bitten alle Menschen an den Ausgabestellen: Bitte Tragen Sie bei der Abholung des Geldes eine Maske und folgen Sie den Anweisungen des Personals vor Ort.
Seit einigen Stunden werden in den betroffenen Gebieten Handzettel mit diesen Informationen an die Menschen verteilt und an wichtigen Punkten aufgehängt.
Das Geld, das nun unkompliziert und unbürokratisch an die Menschen ausgegeben wird, stammt u.a. vom städtischen Spendenkonto „Stolberg hilft“, auf das inzwischen rund 750.000 Euro eingegangen sind (Stand 22.07.2021). Das gespendete Geld kommt somit unmittelbar bei den Betroffenen Menschen an. Die Kupferstadt Stolberg dankt allen Menschen, Institutionen und Unternehmen, die durch ihre Spenden diese zügigen Auszahlungen möglich gemacht haben.
Die Auszahlung weiterer Hilfen aus Landes- und Bundesmitteln folgt, sobald das Geld zur Verfügung steht.
Region/Mainz – Hilfsbereitschaft ist ein Lichtblick in diesen dunklen Stunden. Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat heute die Abgeordneten des rheinland-pfälzischen Landtags in einer gemeinsamen Sondersitzung der Ausschüsse für Inneres, Klima und Finanzen über die aktuelle Lage in den Hochwassergebieten im Norden des Landes informiert. Bis zum heutigen Tag sind 128 Tote zu beklagen. Noch immer werden 155 Personen vermisst. 764 Personen sind verletzt und werden medizinisch versorgt. Kräfte von Rettungsdiensten, Feuerwehren, der Polizei, der Bundeswehr und dem Technischen Hilfswerk seien dabei, diese katastrophale Lage zu bewältigen. Im Bereitstellungsraum auf dem Nürburgring sei eine gigantische Helferstadt entstanden. 4.000 Helferinnen und Helfer seien vor Ort. In der Einsatzleitung koordinierten 120 Menschen in 4 Abteilungen die Einsätze im Katastrophengebiet.
„Eine solche Katastrophe hat Rheinland-Pfalz noch nicht erlebt. Es übersteigt das, was auch erfahrenste Hochwasserretter bei uns je erlebt haben. Flusspegel stiegen auf eine bislang nicht gesehene Höhe an. Häuser, Brücken, Straßen wurden massiv beschädigt oder einfach mitgerissen. Wir trauern mit denen, die ihre Liebsten verloren haben, wir bangen mit denen, die noch immer Angehörige und Freunde vermissen. Wir helfen, die Schäden zu beseitigen und weitere Gefahren abzuwenden“, sagte die Ministerpräsidentin. Seit einer Woche seien die Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, THW, Bundespolizei und Bundeswehr durchgehend und bis zur Erschöpfung im Einsatz. Tausende Freiwillige, Nachbarn und örtliche Unternehmen fassten mit an und helfen, wo sie gebraucht werden. Einsatzkräfte, Spenden und Hilfsangebote erreichten das Land aus dem ganzen Bundesgebiet. „Diese Hilfsbereitschaft ist ein Lichtblick in diesen dunklen Stunden. Dafür danke ich allen sehr“, so die Ministerpräsidentin. Noch immer läge aller Fokus darauf, Menschen zu retten und zu versorgen, die wichtigste Infrastruktur wiederherzustellen und Soforthilfe zu leisten. Das ganze Ausmaß der Zerstörung werde erst nach und nach sichtbar; ein genauer Sachstand werde Wochen dauern.
Weitere Schritte
Die Ministerpräsidentin richtete den Blick nach vorne und skizzierte die nächsten Schritte. „Die Landesregierung stellt den betroffenen Bürgern Soforthilfen von bis zu 3.500 Euro pro Haushalt bereit. Diese werden unbürokratisch und über die Kreisverwaltungen zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus wird eine Stabsstelle im Innenministerium den Wiederaufbau koordinieren“, so Dreyer. Gemeinsam mit dem Bund stelle das Land darüber hinaus in einem ersten Schritt 200 Millionen Euro zur Verfügung. Der Wiederaufbau werde langwierig und sehr viel Geld kosten. „Dafür brauchen wir eine nationale Kraftanstrengung. Ich bin sehr froh, dass das Bundeskabinett gestern bereits bekräftigt hat, sich auch langfristig an dem Wiederaufbau zu beteiligen, und ich bin dem Bund sehr dankbar für die gute Zusammenarbeit und Unterstützung“, sagte die Ministerpräsidentin. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Olaf Scholz waren sofort in die Katastrophengebiete gekommen und hatten dort Hilfe zugesagt.
Hilfsbereitschaft ist überwältigend
„Diese Katastrophe wird unser Land auf lange Zeit prägen. Der Wiederaufbau nach den Zerstörungen wird vielerorts sehr lange dauern. Und die Betroffenen sind an Leib und Seele verletzt. Ich bin nun mehrmals vor Ort gewesen und habe mit vielen Menschen gesprochen. Ich habe gesehen, was diese Naturgewalten für eine Verwüstung angerichtet haben. Mir gehen die Bilder nicht aus dem Kopf und die Trauer nicht aus dem Herzen, aber wie muss es denen gehen, die die Naturkatastrophe und all die Folgen durchleben müssen. Die Verluste und das Leid sind unermesslich“, sagte Dreyer. Sie versicherte den Menschen in allen betroffenen Regionen, dass sie sich darauf verlassen könnten, dass die Landesregierung sie auch nach der akuten Notlage nicht vergessen werde und sie auch langfristig auf unsere Hilfe bauen könnten. „Bei all dem Leid will ich sagen, dass diese Katastrophe einmal mehr zeigt: Rheinland-Pfalz steht zusammen. Die Hilfsbereitschaft der Menschen ist überwältigend. Wir bekommen Spenden- und Hilfsangebote aus dem In- und Ausland, von Unternehmen und Institutionen. Seit der Freischaltung der Online-Plattform „Fluthilfe“ sind bereits 731 Hilfsangebote gemeldet worden. Neben dem zentralen Spendenkonto des Landes haben auch der Landkreistag und mehrere Hilfsorganisationen Spendenkonten eingerichtet – unfassbare 8,57 Millionen Euro Privatspenden sind Stand heute Morgen eingegangen“, sagte Dreyer. Auch dafür dankte die Ministerpräsidentin.
Wer helfen möchte, kann dies auch weiterhin tun. Unter dem Kennwort „Katastrophenhilfe Hochwasser“ können Spenden auf folgendes Konto bei der Sparkasse Mainz überwiesen werden:
Empfänger: Landeshauptkasse Mainz
IBAN: DE78 5505 0120 0200 3006 06
BIC: MALADE51MNZ
Steuerliche Erleichterungen gibt es auch für Spenden und Spendenaktionen, so genügt unter anderem als Nachweis für Zuwendungen, die bis zum 31. Oktober 2021 zur Hilfe in Katastrophenfällen auf ein für den Katastrophenfall eingerichtetes Sonderkonto eingezahlt werden, der Bareinzahlungsbeleg oder die Buchungsbestätigung eines Kreditinstitutes. Alle Informationen gibt es unter https://fm.rlp.de/de/presse/detail/news/News/detail/steuerliche-hilfsmassnahmen-fuer-betroffene-der-unwetter-katastrophe/
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