Das Mendiger Containerdorf startet den Betrieb. Foto: Verbandsgemeinde Mendig
Mendig – Das Mendiger Containerdorf für die Hochwasseropfer an der Ahr ist am Freitag, 06. August in Betrieb gegangen – Bis zu 300 Menschen können ein Übergangszuhause finden. Die ersten Bewohner ziehen aktuell ein. Ganz Deutschland rückt aktuell zusammen, um den Menschen in den überfluteten Gebieten zu helfen. Tausende Menschen in unserer Nachbarschaft sind betroffen, haben alles verloren und brauchen unsere Hilfe.
Trotz der unvorstellbaren Hilfe aus der Bevölkerung fehlt es aktuell an Wohnraum. Der eingereichte Konzeptvorschlag der Verbandsgemeinde Mendig für die Erstellung eines Containerdorfes auf dem Mendiger Flugplatz wurde vom Land befürwortet und von der Firma I-Motion innerhalb kürzester Zeit umgesetzt.
Vergangenen Freitag wurde I-Motion auch mit der ersten Betriebsträgerschaft beauftragt. Der Landkreis Ahrweiler vermittelt die Wohnungen an Bedürftige. Ansprechpartner ist seitens der Kreisverwaltung Timo Schäfer (Timo.Schaefer@Kreis-Ahrweiler.de).
„Wir freuen uns, unseren Nachbarn bei der dringenden Wohnraumsuche zu helfen. Ihnen eine gute Notunterkunft zur Verfügung zu stellen, wird mit dem heutigen Tage Wirklichkeit. Unsere Bevölkerung ist bekannt für ihre Hilfsbereitschaft und ein Zupacken in der Krise. Mit ihr zusammen werden wir die hilfesuchenden Menschen aus dem Ahrtal mit offenen Armen willkommen heißen“, so Jörg Lempertz, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Mendig, bei der Inbetriebnahme des Containerdorfes.
Region/Mainz – Die Landesregierung hat eine Wiederaufbauorganisation eingerichtet, um die kommunale Infrastruktur im von der Hochwasserkatastrophe heftig getroffenen Ahrtal zielführend und effektiv voranzutreiben. Das hat der Ministerrat beschlossen. Die Wiederaufbauorganisation wird unter Leitung von Innenstaatssekretärin Nicole Steingaß arbeiten. Zudem gehören der Wiederaufbauorganisation die neu geschaffene Abteilung „Wiederaufbau 2021“ im Innenministerium, die Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz und der Vor-Ort-Beauftragte der Landesregierung an. Für die Aufgabe des Vor-Ort-Beauftragten wurde der ehemalige Landrat und Innenstaatssekretär a.D. Günter Kern vom Ministerrat berufen. Er wird in Sachen Wiederaufbau den engen Kontakt zu den Kommunen halten.
„Ein ganzer Landstrich ist traumatisiert von einer nie dagewesenen Katastrophe, welche die Menschen heimgesucht hat. Viele haben unglaublich Schreckliches erlebt. Das Ausmaß der Not ist riesig. Rund 64.500 Menschen – darunter allein 42.000 im Kreis Ahrweiler – sind in allen Flutgebieten betroffen. Wir beklagen über 140 Tote. Das schmerzt uns sehr. Vieles wurde zerstört und muss wiederaufgebaut werden, Eigenheime, Unternehmen, die Landwirtschaft, der Weinbau und der Tourismus. Unser Ziel ist es, diesen Wiederaufbau koordiniert und schnell voranzutreiben. Die Menschen haben es verdient, dass sie ihre Heimat zurückerhalten“, sagten Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Innenminister Roger Lewentz in Ahrweiler. Es werde auch drei Wochen nach der Flutkatastrophe immer noch Enormes geleistet, rund 4.200 professionelle Helferinnen und Helfer des Technischen Hilfswerks (THW), der Feuerwehr, dem Rettungsdienst, der Polizei und der Bundeswehr leisten Hilfe. Hinzu kämen die unverzichtbaren Kräfte der Bauern und Landwirte, der Lohnunternehmer, und die unzähligen freiwilligen Helferinnen und Helfer aus allen Teilen der Bundesrepublik. „Wir hätten es ohne diese Menschen, die hier anpacken, nicht geschafft. Wir werden noch lange Unterstützung und Hilfe brauchen“, betonte die Ministerpräsidentin und der Innenminister.
Für den Wiederaufbau sei eine belastbare Struktur zwischen Bund und Land ganz entscheidend. „Wir haben in den ersten Tagen der Krise gezeigt, dass Bundes- und Landesregierung gut miteinander arbeiten. Das belegen nicht nur die Soforthilfen, die wir in den ersten Tagen gemeinsam auf den Weg gebracht haben. Wichtig ist, dass gerade mit Blick auf konkrete Aufbaupläne alles sehr koordiniert abläuft. Staatssekretärin Nicole Steingaß leitet als „Beauftragte für den Wiederaufbau“ die Wiederaufbauorganisation, in dem ressortübergreifend Expertinnen und Experten der gesamten Landesregierung zielgerichtet zusammen wirken. Für uns steht außer Frage, dass zusätzlich eine Verzahnung der Landesebene zu den Kommunen notwendig ist. Und mit dem ehemaligen Landrat und Staatssekretär im Innenministerium, Günter Kern, haben wir dafür genau den Richtigen“, so Malu Dreyer. Er sei Auge, Ohr und starke Schulter für die Betroffenen vor Ort.
„Die Landesregierung geht den Wiederaufbau koordiniert und mit klaren Strukturen an. Ein Staatssekretärsausschuss unter Leitung von Staatssekretär Fabian Kirsch, Chef der Staatskanzlei, wir die Ressorts koordinieren. Im Innenministerium arbeitet unter Leitung der Beauftragten für den Wiederaufbau, Staatssekretärin Nicole Steingaß, eine neu geschaffene Aufbauabteilung, in der wir Expertinnen und Experten der Landesregierung aus unterschiedlichen Bereichen zusammengezogen haben. Sie befassen sich unter anderem mit der Koordinierung regelmäßiger Gespräche mit den Kommunalverantwortlichen, mit dem Förderwesen, mit Rechtsfragen, mit den Finanzen des Wiederaufbaus und vielem mehr. Unterstützt wird die Beauftragte für den Wiederaufbau, Staatssekretärin Nicole Steingaß durch den Vor-Ort-Beauftragten Günter Kern. Hinzu kommt die Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz zur Unterstützung. Damit ist die Wiederaufbauorganisation komplett“, erläuterte Innenminister Roger Lewentz die Strukturen.
„Ich plädiere zudem sehr dafür, dass der Deutsche Bundestag noch im August zu einer Sondersitzung zusammentritt und sich mit den Wiederaufbauhilfen für die von der Hochwasserkatastrophe befasst. Wir brauchen Einigkeit darüber und ein klares Signal aus dem höchsten deutschen Parlament, dass dieser nationale Kraftakt gemeinsam gestemmt wird“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer.
Ahrweiler – Massive Schäden an kommunalen Einrichtungen im Ahrtal. Die Flutkatastrophe im Kreis Ahrweiler hat massive Schäden an den kommunalen Einrichtungen verursacht. Zur Vorbereitung der geplanten Aufbauhilfen – über die im Rahmen der Bund-Länder-Konferenz am 10. August beraten wird – hat der eigens gebildete Aufbaustab des Landes Rheinland-Pfalz die betroffenen Landkreise und Städte um Meldung der Schadenshöhe gebeten. Hierunter fallen unter anderem Teile der Infrastruktur, Schulen und Kindertagesstätten sowie Sportanlagen.
Wie die Kreisverwaltung Ahrweiler nun mitteilt, belaufen sich die geschätzten und vorläufigen Kosten der Kommunen alleine im Ahrkreis auf über 3,7 Milliarden Euro.
Fluthilfekoordinatorin Silvia Plum zeigt, wie die neu formierten Caritasdienste in dieser herausfordernden Situation ineinandergreifen und sich ergänzen. Foto: E.T. Müller
Ahrweiler – Die Flut kam über Nacht und veränderte viele Leben. Auch zwei Drittel der Caritas-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Ahrweiler sind stark von der Überschwemmung betroffen. Doch trotz allem ist eine positive, konzentrierte Energie spürbar. Einige Mitarbeiterinnen kehren spontan aus dem Ruhestand zu ihrem alten Arbeitgeber zurück und helfen dem Caritasverband bei dieser Herkulesaufgabe. Schnell war das Team neu aufgestellt, um im ersten Schritt Betroffenen in Kooperation mit dem Landkreis Soforthilfe zugänglich zu machen.
„Ich habe keine Wohnung mehr, wo kann ich unterkommen?“, „Wo finde ich medizinische Versorgung?“, „Gibt es eine Anlaufstelle für meine Kinder?“, „Wie komme ich an eine Pumpe, ein Aggregat oder einen Bautrockner?“ Auch Fragen nach einer psychologischen Weiterversorgung kommen beim Fluthilfe-Team an. „Jede telefonische Anfrage ist gleichzeitig eine Eintrittskarte, um über das Erlebte zu sprechen, weshalb wir uns für jeden Anrufer viel Zeit nehmen“, berichtet Fluthilfekoordinatorin Silvia Plum, die wie ihre Kolleginnen unzählige traumatisierende Geschichten in den Gesprächen hört. Da weiß eine 87-Jährige nicht weiter, denn in die geflutete Wohnung wird sie nach der Klinikentlassung nicht zurückkehren können. Eine werdende Mutter fragt die Schwangerschaftsberatung, in welcher Klinik sie ihr Kind sicher zur Welt bringen kann. Acht Patienten der Caritas-Sozialstation haben die große Flut nicht überlebt, drei Patienten werden noch vermisst. Dort stellen sich die Pflegekräfte um und packen zur Grundversorgung zusätzlich Lebensmittel und Mineralwasser in ihre Fahrzeuge – wobei viele Patienten nur zu Fuß zu erreichen waren.
Jeden Tag ändert sich das Aufgabenprofil. Die „Tafel für jedermann“ in Ahrweiler und Sinzig hat ihre Öffnungszeiten angepasst. Mehrmals wöchentlich bespricht der Caritas-Krisenstab im Konferenzsaal akut notwendige Hilfen. Silvia Plum: „Es ist eine Herausausforderung, fachübergreifend handlungsfähig zu sein und Unterstützung direkt anbieten zu können. Ein Großteil unserer Arbeitszeit gehört der Fluthilfe, obwohl wir alle auch selbst betroffen sind. Gemeinsam werden wir es schaffen.“
Der Blick geht nach vorn: 35 von der Caritas Magdeburg zur Verfügung gestellte Bautrockner brummen bereits an der Ahr, und dringend werden größere Chargen gesucht. Eine Wohnungsbörse wird schon bald Orientierung und Hilfe geben. Der Shuttleservice des Projekts „Älterwerden in der Grafschaft“ bietet Fahrten zu den in Lantershofen aufgebauten Duschen an. Die integrative Kindertagesstätte St. Hildegard wird voraussichtlich demnächst in Birresdorf ihre Arbeit aufnehmen. An vielen Stellen leisten die Caritas-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen großartigen Beitrag um, so Caritas-Geschäftsführer Richard Stahl, „das Leben im Ahrtal wieder lebenswert zu machen.“
Die betonummantelten Gasrohre aus Stahl sind bereits nach Heppingen geliefert worden. Foto: Marcelo Peerenboom/evm
Bad Neuenahr-Ahrweiler – Zwischen Lohrsdorf und Heppingen kommt es für sechs Wochen zu Verkehrsbehinderungen. Nachdem die Energienetze Mittelrhein (enm) nach der Flutkatastrophe in Bad Neuenahr-Ahrweiler den Stadtteil Lohrsdorf wieder mit Erdgas versorgen konnten, stehen nun die nächsten Schritte an. Am Montag, 9. August, beginnen die Netzexperten der enm mit den Arbeiten an einer neuen Gastransportleitung zwischen den Stadtteilen Lohrsdorf und Heppingen. „Dieser Leitungsabschnitt ist durch die Flut vollständig zerstört worden und muss neu gebaut werden“, erläutert Pressesprecher Marcelo Peerenboom.
Im Zuge dieser Bauarbeiten muss die Landskroner Straße von Dienstag, 17. August, an für eine Dauer von fünf bis sechs Wochen halbseitig gesperrt werden. Hierzu wird eine Baustellenampelanlage installiert. „Dies ist für uns die einzige Möglichkeit, unsere Leitungen in diesem Nadelöhr zwischen den Weinbergern und der Bahntrasse entlangzuführen“, berichtet Peerenboom. Die Arbeiten sind mit der Deutschen Bahn und dem Landesbetrieb Mobilität abgestimmt. Der Neubau dieser Gasleitung trägt dazu bei, die Erdgasversorgung in weiteren Teilen der stark betroffenen Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler wiederherzustellen. Der enm-Sprecher ergänzt: „Glücklicherweise konnten wir erreichen, dass die notwendigen betonummantelten Stahlrohre bereits geliefert sind, sodass wir direkt starten können.“
Landrätin Julia Gieseking und die Landräte Gregor Eibes (li.) und Manfred Schnur. Foto: Kreisverwaltung
Daun – Interkommunale Zusammenarbeit BKS/WIL, COC/ZEL und DAU gestartet. Landrätin Julia Gieseking und die Landräte Gregor Eibes und Manfred Schnur haben den Letter of Intent für das Modellprojekt „Interkommunale Zusammenarbeit Eifel-Mosel-Hunsrück“ der Landkreise Bernkastel-Wittlich, Cochem-Zell und Vulkaneifel unterzeichnet und damit das Projekt gestartet. In den kommenden zwei Jahren wollen die Projektpartner in den Arbeitsfeldern Digitalisierung, Softwarenutzung und personelle Ressourcen mit Unterstützung des Ministeriums des Innern und für Sport verstärkt zusammenarbeiten.
Die Verwaltungsleitungen verständigten sich in der Sitzung insbesondere auf die Organisation des Modellprojektes. Es wurde neben dem Lenkungskreis, dem die Landrätin und die Landräte angehören, auch ein Steuerungskreis gebildet, dem die Büroleitungen der drei Verwaltungen sowie beratend auch die Vorsitzenden der jeweiligen Personalräte und die Leiter der Arbeitsgruppen aus den genannten Arbeitsfeldern angehören.
Unterstützt werden die jeweiligen Ebenen auch durch externe Experten, insbesondere durch eine wissenschaftliche Begleitforschung, die sich besonders auf die Übertragbarkeit auf andere Kommunen konzentriert.
In der kommenden Sitzung des Lenkungskreises sollen unter anderem die Bürgermeister der Verbandsgemeinden und verbandsfreien Gemeinden eingeladen werden. Diesen soll das Projekt näher vorgestellt werden, mit dem Ziel mögliche gemeinsame Ansatzpunkte zu finden, um den kreisangehörigen Bereich punktuell in das Projekt einzubinden.
Weitere Informationen zum Projekt sind auf der Internetseite des Projektträgers, der Kreisverwaltung Cochem-Zell, unter www.cochem-zell.de/ikzemh zu finden.
Alexander Schweitzer, Minister für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung des Landes Rheinland-Pfalz. Foto: Peter Pulkowski
Region/Mainz – Von den Zerstörungen durch die Jahrhundertflut ist auch die Telekommunikationsinfrastruktur insbesondere in den Landkreisen Ahrweiler, Trier-Saarburg und Vulkaneifel betroffen. „Die Linderung des Leids und der Wiederaufbau der lebensnotwendigen Infrastrukturen hat jetzt höchste Priorität. Daher habe ich Bundesminister Andreas Scheuer zu einem Gespräch eingeladen. Ziel ist es, gemeinsam mit den Telekommunikationsunternehmen die Hilfsmaßnahmen von Bund und Land miteinander synchronisieren und so einen koordinierten Wiederaufbau der Telekommunikationsinfrastrukturen sicherzustellen. Bund und Land stehen hier gemeinsam in der Pflicht“, sagte Digitalisierungsminister Schweitzer in Bezug auf ein Schreiben, das er an Bundesminister Scheuer gerichtet hat.
In dem Schreiben betont Schweitzer, dass die Linderung der Not und die Kommunikation in den betroffenen Regionen für die Menschen und die dort ansässigen Unternehmen derzeit an vorderster Stelle beim Wiederaufbau der Infrastruktur steht. „Wir müssen den Blick aber bereits jetzt weiter nach vorne richten. So muss sichergestellt sein, dass das neu zu errichtende Telekommunikationsnetz ausschließlich auf zukunftsfähigen, redundanten und resilienten Infrastrukturen aufgebaut wird“, sagte Schweitzer.
Der Instandsetzung veralteter Technik erteilte der Minister in diesem Kontext eine Absage. Ein besonderes Augenmerk solle dabei auf die Mobilfunkmasten gelegt werden, denn deren Anbindung über Erdkabel habe zu den Totalausfällen beigetragen. Hier könnten im Zuge des Wiederaufbaus Lösungen über Richtfunk zum Tragen kommen. Auch sei es zwingend erforderlich, die Stromversorgung von Mobilfunkmasten im Falle von Stromausfällen beispielsweise per Batterieversorgung für eine längere Zeit sicherzustellen.
„Unser Ziel muss es sein, gemeinsam die betroffenen Regionen zu einer Modellregion für den Glasfaserausbau und einen krisenfesten Mobilfunk zu entwickeln“, sagte Schweitzer.
Der Digitalisierungsminister würdigt in seinem Schreiben auch die Ausbauleistungen der Mobilfunknetzbetreiber. „Dank eines engagierten und zeitintensiven Handelns der Unternehmen ist es gelungen, innerhalb kürzester Zeit die Versorgung der Regionen mit Mobilfunk nahezu vollständig wiederherzustellen. Nun geht es darum, gemeinsam mit allen Beteiligten den Wiederaufbau der Telekommunikationsinfrastrukturen zu koordinieren und zukunftsfest zu machen. Hierzu braucht es einen Austausch gerade auch mit der Bundesebene“, sagte Schweitzer.
Ahrweiler – Die Kreisverwaltung Ahrweiler teilt mit: „Die Staatsanwaltschaft Koblenz und das Landeskriminalamt haben heute Vormittag im Zuge eines Ermittlungsverfahrens gegen Landrat Dr. Jürgen Pföhler und ein weiteres Mitglied des Krisenstabs im Zusammenhang mit der Flutkatastrophe am 14. auf den 15. Juli 2021 die Kreisverwaltung Ahrweiler aufgesucht.
Die Kreisverwaltung hat alle seitens der Staatsanwaltschaft und des Landeskriminalamtes gewünschten Daten, Unterlagen und Materialien sofort und kooperativ bereitgestellt.“
„Kommt vorbei und nehmt mit“, rufen die Verantwortlichen auf, v.r.: Sascha Suijkerland (Mechernicher Rotkreuz), Silvia Jambor (Leiterin des Ordnungsamts), Willi Göbbel (zuständiger Teamleiter) und Kerstin Lehner (vom Team Bildung, Kultur und Tourismus). Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress
Mechernich – In der Dreifachturnhalle stehen Spenden für alle Betroffenen perfekt sortiert bereit – Kleidung, Bettwäsche, Schuhe, Spielsachen, Haushalts- und Hygieneartikel. Die Dreifachturnhalle gleicht in diesen Tagen einem gut sortierten Kaufhaus. Spenden über Spenden sind inzwischen eingetroffen und stehen adrett und akkurat geordnet für die vom Hochwasser betroffenen Menschen bereit.
Hier werden gerade Schlafsäcke sortiert, die vielleicht auch noch ihre Abnehmer finden. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress
„Einfach vorbeikommen, aussuchen, was man braucht und mitnehmen“, fordert Ordnungsamtschefin Silvia Jambor gerne auf und fügt hinzu: „Dafür steht es da!“
Aus Bonn kommt das Ehepaar Agnes und Ralf Rissing täglich, um in der Dreifachturnhalle zu helfen. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress
Helfer falten Hemden, stapeln Babynahrung, legen Handtücher zurecht. Spiele türmen sich übereinander, Kinderschuhe zu Bergen auf. Prall gefüllt reiht sich ein Tisch an den nächsten. „Die Hilfsbereitschaft war so wahnsinnig groß“, sagt auch Jambor angesichts all der Güter. Sogar im angrenzenden Oktogon liegt noch unsortierte Ware bereit und wartet darauf nach vorne beigeräumt zu werden.
Für Familien mit Kindern aus den Hochwassergebieten gibt es eine große Auswahl an Spielwaren und Kuscheltieren. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress
Silvia Jambor betont: „Wer etwas braucht, ist immer herzlich willkommen. Natürlich können auch Betroffene aus Nachbarkommunen zu uns kommen. Wir sind froh, wenn wir helfen können und die Spenden bei den Menschen ankommen.“
Zur Auswahl steht in der Dreifachturnhalle einfach alles, was für den täglichen Bedarf benötigt wird: Kleidungsstücke für Kinder wie Erwachsene, Bettwäsche, Schuhe in allerlei Größen und Farben, Spielsachen & Kuscheltiere für die Kleinsten, Babynahrung und Windeln sowie Haushalts- und Hygieneartikel.
Täglich von 15 bis 20 Uhr bis Ende Sommerferien
Noch bis zum Ende der Sommerferien steht die Tür zur Dreifachturnhalle von 15 bis 20 Uhr für alle offen. „Und das täglich, auch am Wochenende“, betont Jambor. „Uns war wichtig, dass wir jeden erreichen können, auch die, die berufstätig sind und nur abends Zeit haben.“ Dafür werden extra Sonderschichten der ehrenamtlichen Helfer vom Roten Kreuz im Kreis Euskirchen und von Privat geschoben.
Sascha Sujkerland vom DRK-Ortsverein Mechernich ist stolz auf die Mannschaft vor Ort, die die Arbeit des Ordnungsamtes tatkräftig unterstützt. „Teilweise waren hier zehn ehrenamtliche Helfer zeitgleich im Einsatz für die gute Sache. Sie machen hier einen guten Job“, lobt er.
Wie auch das Ehepaar Agnes und Ralf Rissing. Sie kommen extra aus Bonn, um zu helfen. Nach der Katastrophe hatten sie im Internet gelesen, dass allerorts Hilfe benötigt wird. Sie selbst ist Rheumakrank, wie sie erzählt: „Ich kann keinen Matsch schippen, aber ich wollte trotzdem gerne helfen.“ So seien sie dann beide in Mechernich gelandet. „Ich lerne dann auch mal Damenkonfektionsgrößen kennen“, berichtet ihr Ehemann schmunzelnd und fügt hinzu: „Es ist kurzweilig, ein nettes und hilfsbereites Team und alles sehr angenehm.“
Die Stimmung vor Ort, aber auch, dass die Sachen vorsortiert sind, sei ganz wichtig, so Sascha Suijkerland „Wer geht schon gerne hin und sagt, ich brauche Hilfe. Die Menschen können sich hier zielgerichtet und schnell das raussuchen, was sie benötigen und müssen nicht lange in Kartons kramen“, so der Rotkreuzler, der für die Zukunft hofft: „Schön wäre, wenn den Leuten das Helfen weiter im Gedächtnis bleiben würde, und es nicht immer erst eine Katastrophe braucht, bis die Menschen merken, man muss füreinander da sein.“
Hoffnung spenden
Natürlich seien die Hilfsgüter bei all den Tragödien zunächst nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber letztlich ein Zeichen der Zusammengehörigkeit, des Mitfühlens und des Hoffnung-Spendens. Sascha Suijkerland weiter: „Wir hatten hier auch die glückliche Situation, dass wir sehr flexibel reagieren konnten, dadurch, dass die Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt Hand in Hand ging. Da hat man sich gegenseitig unterstützt und gestützt.“
Auch für I-Dötzchen gibt es Lösungen: Für vom Hochwasser betroffene Familien, die ein Schulkind zum beginnenden Schuljahr 2021/22 einschulen lassen, können sich wegen der Erstausstattung (zum Beispiel Schulranzen, Mäppchen, Turnbeutel, Schultüte) an Christine Klein vom Fachbereich Bildung und Soziales der Stadt Mechernich unter Telefon 02443/49-4313, wenden.
Silvia Jambor stellt fest: „Der Zulauf fängt jetzt erst richtig an. Erst jetzt kommen die Menschen aus den stark betroffenen Gebieten und Häusern raus. Bislang hatte für sie Priorität, die ersten Schäden zu beheben und überhaupt einen fahrbaren Untersatz zu organisieren.“
Sonja Gröntgen und Landrat Dr. Alexander Saftig. Foto: Kreisverwaltung Mayen-Koblenz
Region/Mayen-Koblenz – Was sie anpackt, zieht sie durch. Projekte und Herausforderungen sind ihr Ding. Und wenn Sonja Gröntgen sich einer Aufgabe annimmt, dann mit vollem Herzen. Das war schon immer so und wird auch beim Smart-Cities-Projekt des Landkreises Mayen-Koblenz nicht anders sein. Seit Anfang Juli ist die 29-Jährige sogenannte Chief Digital Officer (CDO) und übernimmt als Digitalisierungsbeauftragte und Führungskraft in der neugeschaffenen Stabsstelle „Smart Cities“ eine Schlüsselrolle beim digitalen Wandel im Landkreis.
Welche Bedürfnisse der ländliche Raum in puncto Digitalisierung hat, kann Sonja Gröntgen persönlich gut nachvollziehen, ist sie doch selbst in einer 700-Seelen-Gemeinde bei Jülich in Nordrhein-Westfalen aufgewachsen. „Es hat mich gereizt wieder zurück in den ländlichen Raum zu kommen“, sagt Gröntgen, die nach ihrem Bachelorstudium in Passau und dem Masterstudium in Maastricht (Niederlande) viereinhalb Jahre als Senior Consultant in einer Unternehmensberatung für IT-Projektmanagement in komplexen Großprojekten in München gearbeitet hat. Wäre es nach ihren Eltern gegangen, hätte die junge Frau ruhig auch eine solide Ausbildung nahe der Heimat machen können. Doch Gröntgen wusste schon immer was sie wollte: lernen, wissbegierig bleiben, über den Tellerrand von Deutschland hinausblicken und stets den Horizont erweitern. „Dafür war ein Studium genau die richtige Plattform“, sagt die erste Akademikerin ihrer Familie, die neben der renommierten Universität Maastricht auch ein Jahr lang die Linnéuniversität im schwedischen Växjo besucht und Praktika bei den ständigen Vertretungen der Bundesrepublik bei den Vereinten Nationen in Genf sowie bei der EU in Brüssel absolviert hat
Die 29-Jährige ist es gewohnt die Initiative zu ergreifen, selbst mit anzupacken und Dinge direkt zu regeln. So zögerte sie beispielsweise keine Sekunde und schloss sich in der Zeit ihres Studiums den Helfern bei der Hochwasserkatastrophe 2013 in Passau an, gab Schülern mit Flüchtlingshintergrund ehrenamtlich Nachhilfeunterricht und engagierte sich vor Ort bei einem Entwicklungshilfeprojekt in Tansania, das sie auch heute noch aus der Ferne unterstützt. „Genau darum bin hier. Ich will gemeinsam mit der Kreisverwaltung – und das können wir natürlich nicht allein, sondern sind dringend auf die Mithilfe aller Beteiligten angewiesen – hier etwas für Mayen-Koblenz bewegen. Dafür müssen wir alle Kommunen und Mayen-Koblenzer einbinden und dafür sorgen, dass Digitalisierung dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Insbesondere werden da auch in der Wirtschaft jene Betriebe gefragt sein, die als erfolgreiche Arbeitgeber, Innovationstreiber, sowie als Produzenten und Dienstleister die Digitalisierung hier im Kreis mit voranbringen können“.
Das Förderprogramm „Smart Cities – made in Germany 2020“ des Bundesinnenministeriums birgt für den Landkreis Mayen-Koblenz schließlich riesige Chancen in der Digitalisierung weiter voranzukommen. Zum Ziel hat sich die Kreisverwaltung gesetzt, die Digitalisierung im Hinblick auf Wirtschaft, Tourismus und eine positive Entwicklung in allen Daseinsbereichen sowie der Stadt- und Kreisentwicklung umzusetzen.
„Ich bin richtig neugierig. Ich kenne die Menschen hier in Mayen-Koblenz noch nicht, aber ich bin bestrebt, sie kennenzulernen. Schließlich bringen sie das Wissen mit, um mit Smart Cities das zu erreichen, was den Landkreis und alle darin weiter voranbringt“, betont Sonja Gröntgen, die sich auch auf die Zusammenarbeit mit den kreisangehörigen Kommunen freut, die im Smart-Cities-Programm nicht fehlen dürfen. Schließlich bildet die kommunale Familie im Landkreis Mayen-Koblenz das Fundament, auf dem die smarte Region entstehen soll. Nicht umsonst wurde als Projekttitel „MYK10 Network in Region“ ausgewählt. Dabei steht die hochgestellte 10 sinnbildlich für die zehn kreisangehörigen Städte und Verbandsgemeinden. Darüber hinaus sind rund 50 weitere lokale Partner beteiligt. Hinzu kommen knapp fünfzehn externe Partner auf Bundesebene sowie ein zwölfköpfiger Expertenbeirat.
Bei dem Smart-Cities-Projekt des Landkreises alle unter einen Hut zu bringen und die unterschiedlichen Interessen zu berücksichtigen, wird aus Sonja Gröntgens Sicht wohl die größte Herausforderung bei ihrem neuen Job werden. „Ich kann es dennoch kaum erwarten, Ergebnisse zu generieren, Dinge vor Ort entstehen zu lassen und greifbar zu machen, von denen die Menschen Nutzen haben werden“, sagt sie und ist sich sicher, dass sie gemeinsam mit ihrem neuen Team am Ende zufriedenstellende Ergebnisse für den Landkreis Mayen-Koblenz sowie seine Kommunen und Bürger erzielen wird.
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