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Wirtschaft

Dürener Bauverein investiert rund fünf Millionen Euro für neue Wohnungen

Düren – „Am Wehr“ in Düren-Lendersdorf sind die Bauarbeiten in vollem Gange. Hier entstehen in einem Mehrfamilienhaus insgesamt 19 Wohnungen. Das Fortschreiten der Baustelle sowie geplante Arbeiten wurden bei einer Besichtigung vom Dürener Bauverein präsentiert.

Es entsteht eine Gesamtwohnfläche von über 1.200 Quadratmetern. Die barrierefreien Wohnungen haben zwischen zwei und vier Zimmer auf 50 bis 90 Quadratmetern und können von allen Menschen gemietet werden, die einen Wohnberechtigungsschein vorweisen. „Die Wohnungen wurden bewusst mit unterschiedlichen Größen geplant, um für möglichst viel Abwechslung und Harmonie in der Nachbarschaft zu sorgen. Jüngere und ältere Menschen können sich gegenseitig unterstützen und voneinander profitieren“, erklärt Dagmar Runge, Vorsitzende des Dürener Bauvereins, bei der Besichtigung in Düren-Lendersdorf. Der Dürener Bauverein ist eine Aktiengesellschaft (AG), an der die Stadt Düren, der Kreis Düren sowie kleinere Aktionäre beteiligt sind.

Das Investitionsvolumen des Dürener Bauvereins beläuft sich auf rund fünf Millionen Euro. Den Vertreterinnen und Vertretern des Kreises Düren, der Stadt Düren sowie der Dornieden Gruppe, die die Projektplanung sowie den Bau in Düren-Lendersdorf realisiert, wurde der aktuelle Stand der Baustelle präsentiert. Landrat Wolfgang Spelthahn betonte die Notwendigkeit von neuem Wohnraum in Stadt und Kreis Düren: „Wir wachsen rasant und nähern uns dem Ziel einer Einwohnerzahl von 300.000. Wir verzeichnen einen großen Zuzug und sehen starke Bedarfe. Daher freut es mich umso sehr, dass der Dürener Bauverein in Kooperation mit der Dornieden Gruppe hier neuen Wohnraum für die Menschen schafft – und das trotz hoher Zinsen, gestiegener Baukosten und Lieferengpässen.“ Gleichzeitig wird Wert auf die Artenvielfalt gelegt, denn eine zuvor umgesiedelte Fledermaus-Population erhält, neben den künftigen Bewohnerinnen und Bewohnern, ein neues Zuhause. Es werden vier Nistkästen installiert, um den Bestand zu sichern. Martin Dornieden, geschäftsführender Gesellschafter der Dornieden Gruppe, einem bundesweit agierenden Projektentwickler aus Mönchengladbach, ist von der Lage begeistert: „Die grüne Umgebung ist herrlich, man schaut auf die umliegenden Bäume und lebt direkt an der Rur. Ich hoffe, dass in dem Mehrfamilienhaus eine wunderbare Gemeinschaft entsteht und sich alle Bewohnerinnen und Bewohner wohlfühlen.“ Die Dornieden Gruppe ist ebenfalls für die Projektplanung sowie den Bau von 15 öffentlich geförderten Häusern in der Brückenstraße in Düren beauftragt worden.

Sowohl die Bauarbeiten „Am Wehr“ in Düren-Lendersdorf als auch in der Brückenstraße in Düren sollen im Sommer des kommenden Jahres abgeschlossen sein. Zudem werden in Kreuzau sowie Langerwehe-Schlich neue Bauprojekte vom Dürener Bauverein auf den Weg gebracht.

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Gesundheit

Gemeinschafts-Klinikum Mittelrhein bildet medizinische Technologen für Radiologie aus

Region/Mayen-Koblenz – Bildungs- und Forschungsinstitut etabliert eigene MTR-Schule – Das GK-Mittelrhein bildet innerhalb von drei Jahren medizinische Technologen für Radiologie aus. Arbeiten mit modernster medizinischer Technik von der Radiologie über die Strahlentherapie bis hin zur Nuklearmedizin: Das bietet die Ausbildung zum „medizinischen Technologen für Radiologie“ (m/w/d). Neben technischem Know-how ist vor allem Empathie und kommunikative Kompetenz gefragt, denn medizinische Technologen für Radiologie sind wichtige Ansprechpartner für ihre Patienten.

Das Bildungs- und Forschungsinstitut (BFI), die zentrale Bildungs- und Forschungsstätte des GK-Mittelrhein, hat mittlerweile eine eigene MTR-Schule etabliert. „Ich freue mich sehr, dass wir unseren Auszubildenden eine eigene Ausbildungsstätte für einen solch wichtigen und verantwortungsvollen Beruf ermöglichen können“, betont Nicolle Remagen, zentrale Praxisanleiterin für medizinische Technologen für Radiologie am BFI.

Während der Ausbildung zum medizinischen Technologen für Radiologie erlernen die Auszubildenden alle relevanten physikalischen und technischen Grundlagen, die benötigt werden, um die medizinischen Geräte in den Arbeitsbereichen der Nuklearmedizin, der radiologischen Diagnostik sowie der Strahlentherapie sicher und eigenverantwortlich bedienen zu können. Die Ausbildung dauert drei Jahre und erfolgt im Wechsel von theoretischem und praktischem Unterricht sowie praktischer Ausbildung. Der Unterricht findet im BFI im Metternicher Feld statt. Voraussetzung für eine Ausbildung ist ein mindestens Mittlerer Bildungsabschluss (Realschule oder gleichwertiger Abschluss). Auch ausländische Bewerber sind herzlich willkommen, sofern sie einen gültigen Aufenthaltstitel, ausreichende Sprachkenntnisse (mindestens Niveau B2) sowie die Anerkennung ihres ausländischen Bildungsabschlusses durch die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier nachweisen können.

Der nächste Ausbildungsbeginn ist am 1. Oktober 2024. Mehr Informationen zur Ausbildung zum medizinischen Technologen für Radiologie am GK-Mittelrhein gibt es unter: Ausbildung zum medizinischen Technologen für Radiologie: Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein (gk.de)

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Wirtschaft

Startup Village Jülich im Brainergy Park Jülich eröffnet

Jülich/Düsseldorf – Im Brainergy Park Jülich hat am Dienstag, 07. Mai das Startup Village Jülich seine Türen geöffnet. Startups, mittelständische Unternehmen und Forschungseinrichtungen kommen hier künftig zusammen, um innovative Lösungen für die Herausforderungen der Zukunft und die Transformation der Wirtschaft und Gesellschaft hin zur Klimaneutralität zu entwickeln. Bei der Einweihungsfeier wurde ein erster Mietvertrag unterzeichnet. Wirtschaftsministerin Mona Neubaur übergab dem Startup „heartbrAIn“ symbolisch den Schlüssel für sein zukünftiges Büromodul. Der Aufbau des Startup Village Jülich ist ein Projekt des Strukturwandels im Rheinischen Revier und wird mit Strukturstärkungsmitteln in Höhe von 6,3 Millionen Euro über die STARK-Richtlinie des Bundes gefördert.

Ministerin Neubaur: „Mit dem Startup Village entsteht im Brainergy Park ein neuer und starker Startup-Hotspot in der Region. Die Startups hier stehen für tolle Innovationen und Ideen für eine klimagerechte und nachhaltige Wirtschaft. Ihren Pioniergeist brauchen wir, damit Nordrhein-Westfalen auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleibt. Das Startup Village hilft dabei, das Innovationspotenzial der Region sichtbar zu machen, zu pushen und eine nachhaltige Green Tech Gründerszene zu schaffen. Was mich besonders freut und hoffentlich vielen weiteren Mut macht: Etwa die Hälfte der Startups wurden von Frauen gegründet.“

Ingmar Stock, Leiter des Startup Village Jülich: „Unsere Priorität liegt darauf, Startups zu unterstützen, die einen positiven Beitrag zur Umwelt und/oder Gesellschaft leisten. Wir legen Wert darauf, dass sich die hier ansässigen Unternehmen gegenseitig unterstützen, denn wir folgen der Prämisse, dass Kooperation ein Startup weiterbringt als Konkurrenz. Dies wollen wir im Startup Village vorleben.“

Startups mit innovativen und nachhaltigen Ideen finden im Startup Village ein Ökosystem, das sie bei ihrer Gründung bestmöglich unterstützt. Entscheidend ist die Nähe zu wissenschaftlichen Einrichtungen der Region, etwa dem Forschungszentrum Jülich, der RWTH Aachen, der FH Aachen, der Hochschule Niederrhein und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Das Startup Village Jülich ist ein Projekt der Brainergy Park Jülich GmbH. Es besteht aus einem Zentralgebäude, um welches sich nachhaltig hergestellte Holzmodule gruppieren. Das Zentralgebäude bietet Raum für Co-Working-Arbeitsplätze sowie Veranstaltungen. Die einzelnen Module können von Startups als Arbeitsräume gebucht werden. Zum Angebot zählen auch ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm, Beratungs- und Vernetzungsmöglichkeiten und strukturierter Technologietransfer.

Hintergrund

Das Startup Village Jülich ist ein Zukunftsprojekt des Strukturwandels im Rheinischen Revier. Bund und Land unterstützen die nachhaltige Transformation des Rheinischen Reviers im Zuge des Kohleausstiegs mit mehr als 14,8 Milliarden Euro. Das Land flankiert die Förderung aus Bundesmitteln mit eigenen Haushaltsmitteln. Bislang sind 183 Projekte mit einem Fördervolumen von rund 1,62 Milliarden Euro bewilligt.

Weitere Informationen zu den Projekten im Rheinischen Revier finden Sie hier: Startseite – Strukturwandel Rheinisches Revier (revier-gestalten.nrw).

 

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News

Stadt Mayen stellt Straßenbeleuchtung im gesamten Stadtgebiet sowie den einzelnen Stadtteilen auf LED um

Mayen – Die Arbeiten sollen bereits im Dezember abgeschlossen werden, sodass bereits ab 2025 erhebliche Einsparungen durch die neue Beleuchtung erzielt werden können. Zudem soll nach erfolgter Umrüstung aufgrund der neuen Steuerungstechnik – die bis dahin eingeführte Nachtabschaltung – sukzessiv wieder aufgehoben werden und in eine Nachtreduzierung (Dimmung) übergehen.

Um die Umrüstungsarbeiten weiterhin möglichst störungsfrei ausführen zu können, bittet die Stadt Mayen um entsprechende Rücksicht bei möglichen situationsbedingten Störungen oder Einschränkungen. Hierunter fallen auch mögliche zeitlich eingeschränkte Ausfallzeiten, die nicht immer zu vermeiden sind.

Sofern sich die betroffenen Straßenlaternen auf Privatgrund befinden, was gemäß § 126 BauGB in der Duldungspflicht liegt, wird um Unterstützung der Zugänglichkeit für die notwendigen Umrüstungsarbeiten gebeten.

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News

Frisch vergoldeter Wetterhahn kehrt auf die Turmspitze der Dotteler Kirche St. Antonius zurück

Kall-Dottel – „Es gibt eine Community, die hat es speziell auf vergoldete Kirchturmhähne abgesehen“, berichtet der Architekt Thomas Staerk, dessen Büro spezialisiert ist auf kirchliche Bauten, und ergänzt: „Deshalb werden die obersten Gerüstetagen auch gleich wieder zurückgebaut.“ „Gleich“ meint dabei, sobald der frisch vergoldete Hahn der Dotteler Kirche St. Antonius wieder an seinem angestammten Platz „sitzt“ – nämlich auf der Spitze des 28 Meter hohen Glockenturms.

Im Zuge der Sanierung des Kirchdaches wurde auch der verwitterte Hahn nach rund 50 Jahren wieder restauriert und neu vergoldet. Keine Selbstverständlichkeit, wie Franz Weigel vom Kirchenvorstand der Pfarrei St. Antonius Dottel/Scheven weiß: „Aus Kostengründen bestehen Wetterhähne oft nur noch aus Kupfer.“ Die Pfarrei habe sich aber bewusst entschieden, den Hahn auf eigene Kosten wieder zu vergolden: „Wir wollen damit auch zeigen, dass wir uns auf die Zukunft ausrichten, anstatt Kirchen aufzugeben.“ Das weiß auch Kalls Bürgermeister Hermann-Josef Esser zu schätzen: „Ich bin froh, dass das Bistum Aachen und die Pfarrei St. Antonius Dottel/Scheven Geld in die Hand nehmen will, um die Dotteler Kirche zu sanieren. In Zeiten, in denen Kirchen eher rückgebaut werden, ist es umso begrüßenswerter, dass eine der ältesten Kirchen der Region erhalten und gut in Schuss gehalten wird.“

Das Dotteler Gotteshaus ist in der Tat eines der ältesten im Altkreis Schleiden. In der jetzigen Form stammt es aus den 1700er Jahren, doch die Entstehung geht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Wie auf einer Chroniktafel in der Kirche nachzulesen ist, soll dort schon zur Karolingerzeit um 800 eine Holzfachwerkkirche gestanden haben. In der „Vor-Steinfeld-Ära“, berichtet Weigel, wurde von Dottel aus die gesamte Region seelsorgerisch betreut.

Die Sanierung des Kirchendachs war bereits seit längerem in der Planung, seit 2010 traten verstärkt Schäden auf. Ein Gutachter des Bistums Aachen hatte nun dringend zur Umsetzung geraten, um noch teurere Folgeschäden zu verhindern. Eingebunden war auch der Denkmalschutz, der 145.000 Euro zur Sanierung der historischen Schieferbedachung beisteuert. Das Bistum Aachen, so Bistumsmitarbeiterin Nora Gerbaulet, übernimmt gemäß der aktuellen Förderrichtlinien bis zu einer Summe von 300.000 Euro 60 Prozent und darüber 70 Prozent der Gesamtkosten von rund 565.000 Euro. Inklusive Hahnrestaurierung bleibt für die Pfarrgemeinde ein Rest von rund 150.000 Euro. Franz Weigel: „Wir haben gut gespart, das schaffen wir.“ Da die Kirche eingerüstet ist, soll im Zuge der Sanierungsarbeiten auch die Fassade neu gestrichen werden.

„Schieferdächer gibt es heute kaum noch“, weiß Dachdeckermeister Werner Scholzen von der ausführenden Firma Esch und Scholzen. Dementsprechend verstehen sich auch nur noch wenige Fachbetriebe auf die spezielle Kunst, diese zu restaurieren, denn dazu sei eine besondere Ausbildung nötig. Da ist es ein Glücksfall, dass dieses Knowhow ausgerechnet im Schleidener Tal noch vorhanden ist, denn: „Mein Vater war Deutscher Meister im Schieferdachbau, und auch ich habe mich schon früh damit beschäftigt“, berichtet Werner Scholzen. In dem Metier werde noch gearbeitet wie vor 500 Jahren, „ohne Handy und Computer – das geht nur vor Ort“.

Ebenso wie das Aufsetzen des frisch glänzenden Wetterhahns, der sodann vom Kirchenvorstandsmitglied Frank Mertens in luftigen Höhen wieder installiert wurde. Mit der kleinen Gruppe wagte sich auch Pfarrer Klemens Gößmann über die Gerüstleitern hinauf bis zur Kirchturmspitze, wo er das metallene Federvieh segnete. „Für mich ist das auch ein Zeugnis des Glaubens“, sagt er anschließend. „Der Kirchturm, auf dem der Hahn nun wieder golden leuchtet, ist wie ein Fingerzeig zum Himmel.“

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Politik

Internationaler Tag der Pflegenden am 12. Mai 2024

Region/Düsseldorf – Anlässlich des Internationalen Tags der Pflegenden am 12. Mai bringt NRW Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann seinen Dank und seine Wertschätzung gegenüber den Beschäftigten in der Pflege zum Ausdruck. „Mehr als 280.000 Pflegekräfte setzen sich tagtäglich in Nordrhein-Westfalen für die Gesundheit und das Wohlbefinden anderer ein. Ihre Arbeit ist oft anspruchsvoll und belastend. Mit ihrem Engagement, ihrer Professionalität, ihrer Fürsorge und ihrem Mitgefühl leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag für eine gute gesundheitliche und pflegerische Versorgung der Menschen in Nordrhein-Westfalen. Für die hervorragende Arbeit und ihren Beitrag zum Wohlergehen unserer Gesellschaft spreche ich allen Pflegekräften meine Anerkennung und meinen herzlichen Dank aus“, sagt Laumann.

Mit fast 1,2 Millionen Menschen erreicht die Anzahl der Pflegebedürftigen in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2021 einen neuen Höchststand. Angesichts des steigenden Bedarfs an Pflegeleistungen betont der Minister: „Die Sicherstellung der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung ist ein zentrales Anliegen dieser Landesregierung. Wir brauchen jeden, der diesen Beruf ergreifen mag, auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, um die Sicherung der Pflege in einer alternden Gesellschaft zu stemmen. Zur Fachkräftesicherung in der Pflege ist auch die Investition in eine qualitativ hochwertige Ausbildung unerlässlich.“

Im Laufe des Jahres 2023 haben insgesamt 17.443 Ausbildungsinteressierte eine Ausbildung als Pflegefachfrau bzw. Pflegefachmann begonnen. Im Vergleich zum Vorjahr 2022 sind die Ausbildungseintritte damit um 10,8 Prozent gestiegen. Das erfreuliche Ergebnis zeigt, dass die bislang ergriffenen Maßnahmen der Landesregierung im Bereich der Pflegeausbildung greifen.

„Wer sich für eine Ausbildung im Gesundheitswesen entscheidet, dem eröffnen sich vielfältige Perspektiven. Für die Pflegeausbildung gibt es eine flächendeckende Angebotsstruktur von der generalistisch ausgerichteten einjährigen Pflegefachassistenz über die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachfrau bzw. zum Pflegefachmann bis hin zum Pflegestudium. Damit sind sowohl Durchlässigkeit als auch Aufstiegsmöglichkeiten vorhanden. Vor diesem Hintergrund bewerte ich auch die aktuelle Diskussion um Kompetenzerweiterungen von Pflegekräften als sehr positiv“, erläutert Laumann.

Ein weiterer wesentlicher Baustein für attraktive Arbeitsbedingungen ist eine gute Bezahlung. Nordrhein-Westfalen liegt bei der Zahlung von tarifgerechten Löhnen in der Pflege an der bundesweiten Spitze. Und auch in der Ausbildung wird inzwischen eine Vergütung gezahlt, die zu den höchsten Ausbildungsvergütungen aller Ausbildungsberufe zählt.

Für eine hohe Qualität in der Pflege ist es neben guter Ausbildung auch entscheidend, dass Pflegekräfte in die wesentlichen Entscheidungen, die sie in ihrem beruflichen Alltag betreffen, eingebunden werden. Diese Möglichkeit hat die Landesregierung über die Errichtung der Pflegekammer Nordrhein-Westfalen eröffnet, die seit Ende 2022 unter anderem den Berufsstand in allen relevanten Gremien vertritt.

Darüber hinaus ist kürzlich unter dem Dach der Fachkräfteoffensive der Landesregierung das „Zukunftsbündnis Pflege-, Betreuungs- und Gesundheitsfachberufe“ entstanden. In dieser konzertierten Aktion aller relevanten Akteurinnen und Akteure werden konkrete Maßnahmen zur Fachkräftesicherung und -gewinnung in den genannten Berufen erarbeitet.

Hintergrundinformationen

Der Internationale Tag der Pflegenden wird jährlich am 12. Mai gefeiert. Er würdigt die Arbeit und den Einsatz von Pflegekräften weltweit und hebt ihre wichtige Rolle im Gesundheitssystem hervor. Das Datum geht auf den Geburtstag der britischen Krankenschwester Florence Nightingale im Jahr 1820 zurück. Sie gilt als Begründerin der professionellen Krankenpflege und setzte sich bereits im 19. Jahrhundert für eine Reihe von Reformen im Gesundheitswesen ein.

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News

Wieder erfolgreich – Stadt Aachen erhält European Energy Award

Aachen – Im Klimaschutz erneut ausgezeichnet: Schon zum vierten Mal erhielt die Stadt Aachen Gold beim European Energy Award. Seit 2009 ist sie beim Wettbewerb dabei und bekam die Goldauszeichnung in den Jahren 2011, 2015, 2019 und 2023.

70 Klimaschutzmaßnahmen der Stadt Aachen wurden auf ihre Umsetzung überprüft. 80,5 Prozent dieser Maßnahmen konnte die Stadt erfolgreich umsetzen. Ab 75 Prozent wird die Auszeichnung in Gold beim European Energy Award vergeben. Acht Kommunen erhielten die Goldauszeichnung insgesamt. Die Stadt Aachen erreichte das drittbeste Ergebnis. Die ersten Plätze belegten der Kreis Lippe mit 83,2 Prozent, gefolgt vom Kreis Steinfurt mit 81,2 Prozent Umsetzungsgrad.

Den Preis übergaben Mona Neubauer, Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen und llga Schwidder, Geschäftsführerin Bundesgeschäftsstelle European Energy Award l European Climate Adaptation Award. Am 24. April nahmen Heiko Thomas, Beigeordneter für Klima und Umwelt der Stadt Aachen, Klaus Meiners, Fachbereichsleiter Fachbereich Klima und Umwelt und Klimaschutzmanager Jochen Lowis in der in der Seifenfabrik Düsseldorf den Preis entgegen.

European Energy Award

Der European Energy Award (EEA) ist eine Auszeichnung, die Gemeinden und Städten in Europa für Bemühungen um eine nachhaltige Energiepolitik verliehen wird. Das Ziel des EEA ist es, lokale Gebietskörperschaften bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen zu unterstützen.

 

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Top-Themen

„Es wird nie mehr so wie früher, sondern es wird anders“

Ahrweiler – Seit über 50 Jahren ist die Beratungsstelle Ahrweiler für Menschen da und versteht sich als wichtigen Grundpfeiler in der psycho-sozialen Versorgung im Ahrtal. Die allgemeine Nachfrage nach psycho-sozialer Unterstützung war auch im Jahr 2023 sehr hoch und mit langen Warte- und Leidenszeiten verbunden. Obwohl auch in der Lebensberatungsstelle Ahrweiler die Nachfrage von Ratsuchenden sehr stark war, versuchte man, so schnell, gut und kompetent wie möglich Hilfen anzubieten. Das schreibt die Lebensberatungsstelle im Vorwort ihres kürzlich veröffentlichten Jahresberichts 2023. Zwar ließen die Auswirkungen von Corona im vergangenen Jahr spürbar nach, aber Kriege und Krisen in der Welt wirken sich auch hier aus. Und auch die Flut mit allen Folgen gehört zur Biografie der von ihr betroffenen Menschen. Immer noch gehe es darum, Erlebtes gemeinsam auszuhalten und mit der Zeit besser verarbeiten zu können. „Es wird nie mehr so wie früher, sondern es wird anders“, heißt es im Jahresbericht.

Seit nun über 50 Jahren bringt sich die Lebensberatung ein, ist für Menschen da und versteht sich als wichtigen Grundpfeiler in der psycho-sozialen Versorgung im Ahrtal. Oft sind die Beraterinnen und Berater erste Anlaufstellen für Ratsuchende und Institutionen, die Beratung und Begleitung und manchmal auch einen Wegweiser zur richtigen Anlaufstelle benötigen. Vernetzt in die psychosoziale Infrastruktur stimmt sich das Team mit den jeweils zuständigen Kooperationspartnern im Kreis ab, um für die Menschen das beste Angebot bereit zu halten.

830 Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben im vergangenen Jahr Hilfe bei der Lebensberatungsstelle des Bistums Trier in Ahrweiler gesucht; zusätzlich nahmen 1.035 Menschen an offenen Sprechstunden, Elternabenden und Weiterbildungen teil. 

Die Gründe für die Kontaktaufnahme waren im vergangenen Jahr auch wieder vielfältig: Bei Kindern und Jugendlichen überwiegen laut Jahresstatistik Trennung und Umgangs- oder Sorgerechtsstreitigkeiten der Eltern, Erschöpfung und Ängste der jungen Hilfesuchenden sowie Mobbing und schulische oder berufliche Probleme. Erwachsene litten vor allem unter Kommunikationsproblemen, Erschöpfung und Überbelastung – auch durch kritische Lebensereignisse – sowie unter depressiven Verstimmungen und Depressionen.

Regelmäßige Angebote

Das Beraterteam um Leiter Christof Ewertz bietet regelmäßige Sprechstunden für Schülerinnen und Schüler und Eltern in verschiedenen Schulen im Ahrtal an. 

Das Fluthilfeprojekt „Weiter geht‘s” richtet sich an Kinder und Jugendliche, die im Rahmen der Flutkatastrophe traumatische Erfahrungen gemacht haben, unterstützt sie, ihre Familien und soziale Systeme bei der Verarbeitung des Erlebten und hilft dabei, die Entstehung chronifizierter psychischer Erkrankungen zu vermeiden.

„Ich kann auch anders” heißt ein Selbstbehauptungs- und Selbstsicherheits-Training das seit 2017 zweimal jährlich für Kinder und Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren angeboten wird.

Auf www.ahrweiler.lebensberatung.info können Betroffene zeit- und ortsungebunden das gesamtes Beratungsangebot über eine geschützte Mailverbindung erhalten. Auch Anmeldungen sind online möglich.

Die Lebensberatung hat ihren Sitz in der Altenbaustraße 2 in Bad Neuenahr-Ahrweiler und ist erreichbar unter Tel.: 02641-3222 oder per E-Mail an sekretariat.lb.ahrweiler@bistum-trier.de

Lebensberatung im Bistum Trier

Im Jahr 2023 hat das Bistum Trier 3,24 Mio. Euro für seine 20 Beratungsstellen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland aufgewendet. Hinzu kommen die Landes- und Kommunalzuschüsse von insgesamt rund 4,12 Mio. Euro. Die 20 Beratungsstellen erbrachten 10.094 Beratungsleistungen mit denen 21.514 Personen erreicht wurden. Damit werden für jede Person ca. 342 Euro Steuer- und Kirchensteuergelder eingesetzt.

Für die Ratsuchenden ist die Beratung kostenfrei.  

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Breitbandausbau in den ersten Stolberger Gewerbegebieten abgeschlossen

Stolberg – Die bauausführende RelAix Networks GmbH und die Kupferstadt Stolberg teilen mit großer Freude den erfolgreichen Abschluss des Breitbandausbaus in den drei Gewerbegebieten Stolberg Nordwest, Stolberg Nord und Stolberg West mit. Dieser Meilenstein beendet eine intensive Arbeitsphase von zwei Jahren, in der über 12.000 Meter Glasfaserkabel zur Stärkung der digitalen Infrastruktur der Region durchgeführt wurden.

Die nun vollständig ausgebauten Gewerbegebiete – GWG 1: Stolberg Nordwest, nahe des Hauptbahnhofs und der Rhenaniastraße; GWG 2: Stolberg Nord, inklusive der Bereiche Steinfurt, Leimberg und Eschweiler Straße; sowie GWG 3: Stolberg West, einschließlich der Cockerillstraße und des Zinkhütter Hofes – sind nun mit modernster Breitbandtechnologie ausgestattet. Dies ermöglicht den dort ansässigen Unternehmen, von leistungsfähigen Internetverbindungen zu profitieren, welche für die digitale Transformation und eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit essentiell sind.

„Besonders erwähnenswert ist die zuverlässige und effiziente Arbeit von RelAix Networks während des gesamten Projekts. Ihr Einsatz hat wesentlich dazu beigetragen, dass 157 Gebäude erfolgreich an das Glasfasernetz angeschlossen wurden“, sagt Timo Abels vom städtischen Amt für Wirtschaftsförderung. Auch Eigentümer, die sich zunächst nicht für einen Anschluss entschieden hatten, profitieren von der vorbereiteten Infrastruktur, die zukünftige Anbindungen erleichtert und kostengünstiger macht.

Bürgermeister Patrick Haas zeigte sich begeistert über den Abschluss des Projekts in den ersten Gewerbegebieten: „Die Vollendung des Breitbandausbaus in allen drei Gewerbegebieten ist ein bedeutender Fortschritt für Stolberg als Gewerbestandort. Es verdeutlicht unseren Anspruch, eine regionale Vorreiterrolle in der Digitalisierung zu übernehmen. Nicht umsonst schreitet auch der Glasfaserausbau entlang der Talachse mit großen Schritten weiter voran.“

Thomas Neugebauer, Geschäftsführer der RelAix Networks GmbH, hebt die Bedeutung der erfolgreichen Projektumsetzung hervor: „Die umfangreichen Ausbauarbeiten der letzten zwei Jahre zeigen unser Engagement, die Digitalisierung in der Region voranzutreiben. Wir sind stolz darauf, dass wir die Herausforderungen erfolgreich gemeistert und einen bedeutenden Beitrag zur Stärkung der lokalen Wirtschaft geleistet haben. Unser Dank gilt allen Partnern, Unternehmen und der Kupferstädter Stadtverwaltung für ihre Unterstützung und das entgegengebrachte Vertrauen.“

Peter Wackers, Amtsleiter für Wirtschaftsförderung der Kupferstadt Stolberg betont die Bedeutung des Projektes für die Gewerbegebietsentwicklung der Kupferstadt: „Eine Glasfaseranbindung aller Gewerbegebiete ist für bestehende und zukünftige Unternehmen und einen prosperienden Wirtschaftsstandort unabdingabr. Es freut mich sehr, dass wir diesbezüglich in der Kupferstadt Stolberg ein absoluter Vorreiter in der Technologieregion Aachen sind.“

Die Realisierung des Projekts wurde durch Bundesfördermittel des Bundesministeriums für Verkehr und Digitale Infrastruktur und des Landes Nordrhein-Westfalen unterstützt.

Für die beiden weiteren Gewerbegebietszuschnitte, die ebenfalls mit Fördermitteln von Bund und Land durch die Telekom ausgebaut werden, beginnen die Ausbauarbeiten im Laufe des 2. Quartals 2024. Dies bezieht sich auf die Bereiche Mausbach, Gressenich, Schevenhütte, Zweifaller Strasse, sowie Teile von Büsbach, Vicht und Zweifall.

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Pinchas Goldschmidt und die jüdischen Gemeinschaften in Europa werden mit dem Karlspreis 2024 ausgezeichnet

Aachen – „Ich bin mit Leib und Seele Europäer!“ – Das Karlspreis-Direktorium und die Stadt Aachen ehren den Oberrabbiner als einen „herausragenden Repräsentanten des europäischen Judentums“ und gleichzeitig das jüdische Leben in Europa. Pinchas Goldschmidt ist ein Mann, der andere Meinungen nicht bloß gelten lässt.

700 Gäste wohnen der Zeremonie im Krönungssaal des Aachener Rathauses bei, viele Besucher*innen jubeln dem neuen Karlspreisträger nach der feierlichen Zeremonie und seinem anschließenden Auftritt auf dem Katschhof zu. Foto: Stadt Aachen / ANS Karlspreis

Er schätzt und sucht sie, fordert aus Überzeugung den Diskurs. Gleichzeitig ist er ein Mann, der Klartext redet und dabei vehement für die Werte Europas eintritt, die er durch den wachsenden Antisemitismus gefährdet sieht. „Der Antisemitismus war nie tot; aber seit dem islamistischen Pogrom gegen Israel am 7. Oktober 2023 ist er in einer Art und Weise entfacht, die die Sicherheit und Freiheit jüdischen Lebens – gerade auch in Europa – ernsthaft bedroht.“ Für ihn ist klar: „Nur gemeinsam können wir die Werte der Einigkeit, der Freiheit, der Demokratie und der Menschlichkeit ehren – indem wir sie vertreten und verteidigen.“

Die Auszeichnung mit dem Internationalen Karlspreis zu Aachen, mit dem Pinchas Goldschmidt am gestrigen Himmelfahrtstag, 9. Mai, geehrt wurde, und mit ihm die jüdischen Gemeinschaften in Europa, begreift er als ein „Lichtfeuer der Hoffnung und Solidarität in herausfordernden Zeiten; gegen Intoleranz, Hetze und Hass – für Aufklärung und gegenseitiges Verständnis“. Bewegt und überwältigt erleben die rund 700 Gäste – darunter hochrangige Politiker, Ministerpräsidenten sowie ehemalige Karlspreisträger*innen – im Aachener Krönungssaal den Oberrabbiner und Präsidenten der Konferenz der europäischen Rabbiner (CER). Goldschmidt, der von sich selbst sagt: „Ich bin mit Leib und Seele Europäer!“, ist voller Demut und Dankbarkeit für die Auszeichnung, die er gleichzeitig als Verpflichtung versteht: Sowohl für sich selbst, seine Arbeit für europäische Werte, Dialog, Freiheit und Demokratie fortzusetzen, als eben auch dafür, gemeinsam für diese Werte einzustehen und zu kämpfen.

Pinchas Goldschmidt: „Die Karlspreisträger 2024 leben in Angst!“

Bei der Preisverleihung im Krönungssaal des Aachener Rathauses betonte Goldschmidt, der gemeinsam mit seiner Frau Dara, seiner Mutter Elisabeth und weiteren Familienmitgliedern nach Aachen gekommen war, Antisemitismus müsse in all seinen Formen erkannt, benannt und bekämpft werden. Denn auch wenn es in der Begründung für die Preisverleihung unter anderem heiße, die Auszeichnung solle ein Signal setzen, dass jüdisches Leben selbstverständlich zu Europa gehöre und in Europa kein Platz für Antisemitismus sein dürfe, so sagt Goldschmidt: „Das klingt märchenhaft. Leider ist das Gegenteil der Fall. Jüdische Menschen, die Karlspreisträger des Jahres 2024, sie leben in Angst, sie bangen um ihre Zukunft.“ Und er fordert: „Wir alle müssen dagegen aufstehen! Die jüdische Gemeinschaft kann es nicht. Und es ist auch nicht ihre Aufgabe. Es ist die Aufgabe ihrer Heimatländer und Heimatgesellschaften, sich gegen die Feinde der europäischen Werte zu erwehren! Wann, soll ‚nie wieder‘ sein, wenn nicht jetzt?“

Es ist eine offene und sehr persönliche Rede des Oberrabbiners, in der er Einblicke in sein Leben gewährt: Wie er nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Europa verließ, um Teil des Wiederaufbaus zu sein. Wie er nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine seine Gemeinde nach 33 Jahren wieder verlassen musste. Und wie er dennoch weiterhin die Hoffnung, den Mut und das Vertrauen in die Menschheit hat – „solange ich weiß, dass wir gemeinsam kämpfen“. Stehende Ovationen im Saal, langanhaltender Applaus.

Vizekanzler Dr. Robert Habeck: Jüdisches Leben macht Europa aus

Mit der diesjährigen Preisverleihung an Pinchas Goldschmidt setze das Karlspreisdirektorium ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus, sagte Vizekanzler Robert Habeck in seiner Laudatio und dafür, „dass jüdisches Denken und jüdisches Leben Europa reicher macht – ja ausmacht“. Dabei mahnt er gleichzeitig: „Wir müssten nicht betonen, dass für Antisemitismus in Europa kein Platz ist, wenn es ihn nicht geben würde. Und in diesen Jahren ausgeprägter denn seit langem.“ Menschen wie Rabbi Goldschmidt machten mit ihrem Wirken einen Unterschied, aus dem Habeck einen „Auftrag an uns alle“ ableitet: „Aufzustehen, wenn Menschen unterdrückt, Minderheiten bedroht oder Gewalt eingesetzt wird.“ Schließlich stellt Habeck die Frage nach dem Ziel eines vereinten Europas, um selbst die Antwort zu formulieren: „Dieses Ziel ist Frieden in Freiheit auf dem europäischen Kontinent. Für Freiheit muss man auch kämpfen wollen, aber wahre Freiheit ist eine in Frieden.“ Und darüber hinaus: „Die Finalität der europäischen Einigung wäre eine föderale europäische Republik‘. Eine ‚Einheit in Vielfalt’ in einer aus unterschiedlichen Kulturen und Sprachen, Nationen und geschichtlichen Bezügen gebildeten Union. In solch einer föderalen Union muss niemand Angst vor dem Verlust der je eigenen Geschichte und Kultur haben.“ Am Ende einer mit viel Beifall bedachten Rede betonte Habeck: „Das europäische Judentum ist nicht das zu Europa hinzugekommene, tolerant zu ertragende. Im Gegenteil. Es ist der europäischen Idee eingeschrieben, macht sie aus. Europa so verstanden, so gelesen, stiftet eine Verbundenheit ohne Ab-Stammeszugehörigkeit. In einem solchen Europa kann man sich niederlassen – endlich auch als Jüdin oder Jude. Zu Hause sein. Angekommen. Heimat Europa.“

Edi Rama, Ministerpräsident der Parlamentarischen Republik Albanien: Toleranz mit Respekt

„Welche Form kann Toleranz haben, in einer Zeit der steigenden Intoleranz?“, fragt Edi Rama, Ministerpräsident der Parlamentarischen Republik Albanien, in seiner Festrede und sieht Europa in einem Dilemma: „Denn Angst vor dem Bösen heißt auch, die Intoleranz zu fördern. Wir müssen uns gegen das Böse in der Welt wenden.“ Menschen wie Pinchas Goldschmidt seien Brückenbauer zur Menschlichkeit. Gespräche suchen, Konflikte mit Respekt lösen, sich selbst reflektieren, tolerant sein – das alles sei alternativlos, „auch wenn es bedeutet, dass wir hin und wieder unsere Komfortzone verlassen müssen. Wir müssen uns mit der Komplexität der Geschichte auseinandersetzen, damit die echten Waffen nie wiederkommen. Denn nur eine Form der Toleranz kann uns schützen: Das Vertrauen in die Menschlichkeit.“ Dabei blickt Rama auch auf die Geschichte seines eigenen Landes, in dem er seit Jahren Reformen vorantreibt, um eine spätere Mitgliedschaft in der EU zu ermöglichen. „Toleranz mit Respekt ist eine aktive Haltung.“

Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen: Solidarität, Vielfalt, Zusammenhalt

Es sind bewegende Zeiten, in denen der 65. Internationale Karlspreis zu Aachen in diesem Jahr verliehen worden ist. Antieuropäische und rechtspopulistische Kräfte verzeichnen Gewinne – in einigen Ländern mehr, in anderen weniger. Alte Machtbündnisse bröckeln, autokratische Systeme erstarken. Vor diesen Hintergrund erinnerte auch Aachens Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen in ihrer Rede an die „dunkelsten Kapitel unserer Geschichte“ und stellte heraus: „Wir unternehmen alles, um nie wieder in eine solche Barbarei zurückzufallen. Besonders hier in Aachen stehen wir heute, morgen und in Zukunft für unsere Werte ein. Wir gestalten die Demokratie selbst, beziehen Position. Wir stehen ein für eine Gesellschaft der Solidarität, der Vielfalt, des Zusammenhalts.“ So, wie auch Goldschmidt deutlich seine Stimme für Frieden und Gerechtigkeit erhebe und zeige, dass der Dialog der Schlüssel zum Frieden sei. „Seine unerschütterliche Haltung gegen den radikalen Extremismus und sein Einsatz für den interreligiösen Austausch sind für uns beispielhaft. Seine Vision von einem Europa und einer Welt, die von Verständnis, Respekt und Zusammenarbeit geprägt sind, ist eine, die uns alle verbindet.“ Und schließlich appellierte die Oberbürgermeisterin: „Jüdisches Leben ist ein selbstverständlicher Teil unserer europäischen Identität und wird es immer sein. Lassen Sie uns gemeinsam weiterhin für Frieden und Toleranz kämpfen, lassen Sie uns mehr miteinander reden und so mehr Brücken zwischen den Kulturen und Religionen bauen!“

Abschluss auf dem Katschhof
Auf dem Katschhof erlebten im Anschluss an die Preisverleihung zahlreiche Besucher*innen den Karlspreisträger 2024 aus der Nähe – so wie auch schon am Abend zuvor beim Open-Air-Programm „Karlspreis LIVE“ auf der Katschhof-Bühne und nachmittags an der RWTH Aachen, wo der Oberrabbiner wegen seines sympathischen Auftritts und der spürbaren Freude am Diskurs mit den jungen Menschen beklatscht wurde. Bescheiden und doch mitreißend – so präsentierte sich Pinchas Goldschmidt in Aachen. Er nutzte jede Gelegenheit, um seine Botschaft zu platzieren: für ein friedliches und tolerantes Zusammenleben der Gesellschaft und Religionen in Europa. Beispielhaft dafür war die diesjährige Karlspreisverleihung. Goldschmidt dankte den vielen Gästen für den Zuspruch, den er an all den Tagen rund um die Verleihung in der Kaiserstadt gespürt habe. Und so verabschiedet sich der überzeugte Europäer mit seiner Familie aus Aachen: bewegt, überwältigt, ermutigt und inspiriert aus dem Vermächtnis Karls des Großen.

Begründung des Karlspreisdirektoriums

In der Begründung des Direktoriums heißt es unter anderem: „Das Karlspreisdirektorium will mit dieser Auszeichnung das Signal setzen, dass jüdisches Leben selbstverständlich zu Europa gehört und in Europa kein Platz für Antisemitismus sein darf. Jüdisches Leben ist ein wichtiger Teil der europäischen Geschichte und Gegenwart – jetzt und in Zukunft.“ Und: „Für das Direktorium der Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen ist es ein wichtiges Anliegen darauf hinzuweisen, dass alle Menschen das Recht haben, in sicheren Grenzen und einer freien, friedlichen und demokratischen Gesellschaft zu leben.“ Das Direktorium würdigt Pinchas Goldschmidt als „herausragenden Repräsentanten des europäischen Judentums und das jüdische Leben in Europa, das unseren Kontinent seit Jahrhunderten bereichert und hier immer seinen Platz haben wird und muss“.

Zitate und Fakten in Kürze:

  • Die Preisträger: Pinchas Goldschmidt und die jüdischen Gemeinschaften in Europa sind am heutigen Donnerstag, 9. Mai, mit dem „Internationalen Karlspreis zu Aachen“ ausgezeichnet worden. Goldschmidt nahm die Auszeichnung stellvertretend entgegen. „Die Auszeichnung ist eine Ermutigung in einer herausfordernden Zeit. Ich danke Ihnen für diesen Lichtblick.“ Das Karlspreisdirektorium mit seinem Vorsitzenden Dr. Jürgen Linden hebt in seiner Begründung besonders hervor, Goldschmidt erhalte die Auszeichnung „ in Würdigung seines herausragenden Wirkens für den Frieden, die Selbstbestimmung der Völker und die europäischen Werte, für Toleranz, Pluralismus und Verständigung, und in Anerkennung seines bedeutenden Engagements für den interreligiösen und interkulturellen Dialog“.
  • Goldschmidt‘s Botschaft: „Gemeinsam können wir die Werte der Einigkeit, der Freiheit, der Demokratie und der Menschlichkeit ehren – indem wir sie vertreten und verteidigen.“
  • Vizekanzler Dr. Robert Habeck: „Wer das europäische Judentum ehrt, kann über Antisemitismus nicht schweigen. Der Karlspreis ist ein Zeichen dafür, dass jüdisches Denken und jüdisches Leben Europa reicher macht – ja ausmacht.“
  • Edi Rama, Ministerpräsident der Parlamentarischen Republik Albanien:„Wir müssen uns mit der Komplexität der Geschichte auseinandersetzen, damit die echten Waffen nie wiederkommen. Denn nur eine Form der Toleranz kann uns schützen: Das Vertrauen in die Menschlichkeit.“
  • Aachens Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen: „Besonders hier in Aachen stehen wir heute, morgen und in Zukunft für unsere Werte ein. Wir gestalten die Demokratie selbst, beziehen Position. Wir stehen ein für eine Gesellschaft der Solidarität, der Vielfalt, des Zusammenhalts. Jüdisches Leben ist ein selbstverständlicher Teil unserer europäischen Identität und wird es immer sein. Lassen Sie uns gemeinsam weiterhin für Frieden und Toleranz kämpfen.“
  • Die Verleihung: Rund 700 Personen, darunter zahlreiche Ehrengäste, Mandatsträger*innen, Botschafter*innen sowie Vertreter*innen von Kirchen und Religionsgemeinschaften, haben an den Feierlichkeiten im Krönungssaal des Aachener Rathauses teilgenommen. Auf dem Ehrenpodium saßen, neben dem Karlspreisträger Pinchas Goldschmidt, Vizekanzler Dr. Robert Habeck, der albanische Ministerpräsident Edi Rama, die Oberbürgermeisterin der Stadt Aachen Sibylle Keupen, der Vorsitzende des Karlspreisdirektoriums Dr. Jürgen Linden, Vertreter*innen der diesjährigen Jugendkarlspreisgewinner, die früheren Karlspreisträger*innen Dahlia Grybauskaite (2013), Patrick Cox (2004), Jean-Claude Trichet (2011) und Martin Schulz (2015) sowie die Preisträgerinnen des Jahres 2022 Veronica Tsepkalo, Swetlana Tichanowskaja und – in Vertretung ihrer inhaftierten Schwester Maria Kalesnikava – Tatsiana Khomich.
  • Weitere Gäste: Unter den Gästen der Karlspreisverleihung waren unter anderem Hendrik Wüst, Ministerpräsident des Landes NRW, sowie die NRW-Minister*innen Mona Neubaur, Oliver Krischer, Herbert Reul und Nathanael Liminski sowie Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzende des Verteidigungsausschusses (MdB). Auch Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, und Abraham Lehrer, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, nahmen als Ehrengäste an der Verleihung teil.
  • Das Programm: Die Karlspreisverleihung wurde musikalisch vom Sinfonieorchester Aachen unter Leitung des Generalmusikdirektors Christopher Ward begleitet. Als Sopranistin trat Sonja Gornik auf, die Werke des jüdischen Aachener Komponisten Leo Blech darbot. In Absprache mit dem Preisträger waren die Kinderlieder „Ein kleines Lied“, „Veilchen“ und „Wie ist doch die Erde so schön“ ausgewählt worden.
  • Das mediale Interesse: Mehr als 70 Medienvertreter*innen haben sich für die Karlspreisverleihung 2024 akkreditiert, um darüber zu berichten, darunter Teams von ARD und ZDF, WDR, der Deutschen Welle sowie von Albania Public TV, FAZ und der Süddeutschen Zeitung, jüdisch-israelischer Medien sowie verschiedener in- und ausländischer Wort- und Bild-Agenturen. Die Live-TV-Übertragung wurde im WDR Fernsehen gesendet und ist dort noch abrufbar.

Informationen zum internationalen Karlspreis zu Aachen:

Der Internationale Karlspreis zu Aachen gilt als einer der bedeutendsten europäischen Preise. Seit 1950 wird er an Personen und Institutionen verliehen, die sich um die Einigung Europas verdient gemacht haben. Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt und die jüdischen Gemeinschaften in Europa sind die 65. Träger des Internationalen Karlspreises zu Aachen. Sie folgen auf den Präsidenten der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, und das ukrainische Volk, die 2023 mit dem Karlspreis ausgezeichnet worden sind. Zu den früheren Preisträger*innen in Aachen gehörten unter anderem Konrad Adenauer (1954), der spanische König Juan Carlos I. (1982), der amerikanische Präsident Bill Clinton (2000), der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker (2006), Bundeskanzlerin Angela Merkel (2008), Papst Franziskus (2016), Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron (2018), António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen (2019) sowie die belarussischen Bürgerrechtlerinnen Maria Kalesnikava, Swetlana Tichanowskaja und Veronica Tsepkalo (2022).

Im Rahmen der feierlichen Zeremonie im historischen Krönungssaal des Aachener Rathauses wird neben einer Urkunde auch eine Medaille verliehen, die auf der Vorderseite das älteste Aachener Stadtsiegel aus dem 12. Jahrhundert mit thronendem Karl dem Großen und auf der Rückseite eine Inschrift für die jeweiligen Preisträger*innen zeigt.