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Das Öcher Schängche feiert am 4. Mai seinen 100. Geburtstag

Aachen – Inspiriert nicht zuletzt durch ein Gastspiel des bekannten Puppenspielers Ivo Puhonny im Aachener Kurhaus gründeten fünf Puppenspielliebhaber 1921 die „Aachener Marionettenspiele“, die am 4. Mai 1921 in der Hartmannstrasse im Saal der Gaststätte „Zur Maus“ mit dem „Großen historischen Puppenspiel mit Gesang, Tanz und Keilerei: Der Teufel in Aachen oder Et Schängche köllt der Krippekratz“ von Will Hermanns eröffnet wurden – übrigens bis heute zu das traditionelle Eröffnungsstück jeder Spielzeit. Der Bildhauer Alfred Pieper, der Kunstmaler Willi Kohl, der Zeitungswissenschaftler Will Hermanns, der Dekorateur Hein Lentzen und der Ingenieur Joseph Lausberg waren nicht nur durch die Freude am Spiel mit Figuren motiviert, sondern wollten mit künstlerischer Aktivität auch dem „jugend- und volksverderbenden Sensationsfilm“ etwas entgegensetzen und den Mitbürgern mit kleinem Geldbeutel anspruchsvolles Theatererlebnis ermöglichen.

Als Hauptinitiator schrieb Will Hermanns (1885-1958) die ersten Theaterstücke für die neue Bühne und kreierte damit die bis heute maßgeblichen Hauptfiguren: das alterslose, gewitzte Schängche, seine Freundin et Jretche, die als rabiates, großmäuliges und schimpfwütiges Marktweib mit gutem Kern agierende Tant Hatzor, die Freunde Nieres und Veries wie auch den Polizisten Noppeney und nicht zuletzt den Teufel Krippekratz.

Eine digitale Festschrift

Aus diesem Anlass erscheint genau 100 Jahre später, nämlich am 4. Mai 2021, eine digitale Festschrift, die alle Fans des „Öcher Herzbuben Schängche“ unter www.oecherschaengche.de sowie unter www.barockfabrik-aachen.de downloaden können. Sie enthält zahlreiche Glückwünsche und Gratulationen und zeigt unter anderem Einblicke ins Schängche-Archiv, holt Erinnerungen an die Anfangszeiten der Puppenbühne nach vorne, erzählt von spannenden Gastspielen und hochkarätige Auszeichnungen sowie von unterhaltsamen Anekdoten.

Zum Repertoire des Stabpuppenspiels „Öcher Schängche“ gehören neben Märchenadaptionen, Aachener Sagen und Kinderstücken auch Stücke für Erwachsene, darunter Kriminalstücke und eine jährlich zu Karneval stattfindende Puppen-Karnevalssitzung. Für ihre Verdienste um die Aachener Mundart wurde die Bühne 1986 mit dem Thouet-Mundartpreis der Stadt Aachen ausgezeichnet.

Neben der Stockpuppenbühne in Lüttich und dem „Hännesche Theater“ in Köln ist das „Öcher Schängche“ eine Bühne, die auf die große Zeit des Figuren- und Puppentheaters verweist, aus dem schon Johann Wolfgang von Goethe Motive für „Faust“ geschöpft hat.

Das dauerhafte Domizil

In seiner wechselvollen Geschichte hatte das „Öcher Schängche“ insgesamt acht Spielstätten. Im Winter 1981/1982 erfolgte schließlich der finale Umzug vom Jugendheim Kalverbenden in das dauerhafte Domizil in der Barockfabrik am Löhergraben, dem heutigen Kulturhaus Barockfabrik in Trägerschaft der Stadt Aachen. 1989 löste der bis dahin bereits als Spieler tätige Otto Trebels Matthias Stevens in der künstlerischen Leitung ab, die er bis heute innehat. Peter Reuters spielt seit vielen Jahre die Figur des Schängche.

Der schlaue Holzkopf

Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen sagt im Grußwort der Broschüre: „Im traditionellen Stabpuppenspiel Aachens werden Puppentheater und Öcher Mundart auf so wunderbare, herzliche und auch humorvolle Art kombiniert, dass man immer mit einem Lächeln die jeweiligen Vorstellungen verlässt.“ Die städtische Kulturdezernentin Susanne Schwier erklärt: „Der schlaue Holzkopf, in dem sich Mentalität, Alltagswitz, Humor und Schlagfertigkeit der Aachener spiegeln, begleitet mich seit dem ersten Tag meines Amtsantritts in der Stadt Karls des Großen. Er bereitet Jung und Alt Freude. Die Öcher Mundart wird zwar benutzt, aber stets so, dass auch Zugezogene verständnisvoll mitlachen dürfen.“

„Das Schängche ist unverwechselbar, also fast so bedeutend wie Karl der Große“, betont Olaf Müller, der Leiter des Kulturbetriebs der Stadt Aachen, mit einem Augenzwinkern. „Schängche hat an vielen Orten gespielt. In der heutigen Stadtbibliothek und im Ballsaal des Alten Kurhauses zum Beispiel, bis er 1982 sein Domizil im heutigen Kulturhaus Barockfabrik beziehen konnte“, erklärt Irit Tirtey, Kaufmännische Geschäftsführerin des Kulturbetriebs, die in ihrem Grußwort dem gesamten Ensemble der Stadtpuppenbühne und nicht zuletzt dem Künstlerischen Leiter Otto Trebels dankt.

Die Tradition gemeinsam in die Zukunft tragen

Die Aufgaben des Spielleiters dieser Bühne sind vielfältig und anspruchsvoll, wie Trebels erklärt. „Auf der einen Seite ist die Tradition des klassischen Stabpuppenspiels zu bewahren. Auf der anderen Seite müssen aber die Veränderungen der Hör- und Sehgewohnheiten des Publikums, die Weiterentwicklung der Mundart, die modernen Möglichkeiten der heutigen Bühnentechnik und die Herausforderungen für das jeweilige Ensemble beachtet werden“, betont Trebels. Junge Mitspieler für das Ensemble zu gewinnen und die Tradition gemeinsam in die Zukunft zu tragen, das ist der große Wunsch des Leiters zum besonderen Geburtstag „seiner“ Puppenbühne. Glückwünsche erreichten ihn und sein Team vom Hänneschen-Theater Köln über das theater rosenfisch bis hin zur Augsburger Puppenkiste.

Corona-bedingt wird das 100-jährige Jubiläum Anfang Mai lediglich digital gefeiert. Aktuell laufen jedoch schon die Planungen für einen Nachholtermin der verschobenen Jubiläumsfeierlichkeiten am 19. September.

Wer mag, kann bis dahin dem Schängchen und seinen hölzernen Freunden aus der Stadtpuppenbühne auch auf @ Kulturhaus Barockfabrik auf Facebook und Instagram folgen.