Meckenheim – Offizielle Gedenkveranstaltung am Gedenkstein. Die Stadt Meckenheim hat am Tag der Reichspogromnacht an die Zerstörung und Brandschatzung von jüdischen Synagogen, Geschäften und Häusern erinnert und der Opfer gedacht. Bürgermeister Holger Jung ging in seiner Ansprache näher auf die schrecklichen Ereignisse von damals und die Verpflichtung von heute ein. „Die Täter von einst leben fast alle nicht mehr. Persönliche Schuld haben wir Nachgeborenen zwar nicht. Doch tragen wir Verantwortung. Verantwortung gegenüber der Geschichte unserer Nation. Die Erinnerung an die damaligen Gräueltaten – an das Unmenschliche – darf niemals aufhören“, appellierte der Bürgermeister. „Wir sind verpflichtet, antijüdischen Vorurteilen zu widersprechen und antijüdischen Angriffen zu widerstehen. Das“, so betonte Jung, „ist eine Bürgerpflicht, die Pflicht einer jeden aufrechten Demokratin, eines jeden aufrechten Demokraten.“
Auch richtete er den Blick zurück, auf das Meckenheim von 1938 und seine jüdischen Bürgerinnen und Bürger. Jung zitierte aus einem berührenden Brief, den die Eltern vor ihrer Deportation in ein Sammellager an ihre nach Australien emigrierten Kinder geschrieben hatten. Ein ergreifendes Zeugnis der fürchterlichen Nazi-Zeit. „Wir denken an die Menschen jüdischer Herkunft, die in Meckenheim geboren wurden, hier lebten, zur Schule gingen und arbeiteten. Menschen, die aus unserer Stadt flohen, deportiert wurden und sterben mussten, sowie an alle anderen Menschen in Deutschland und Europa, die dem faschistischen Terror zum Opfer fielen. In tiefer Demut verneigen wir uns heute vor ihnen“, so der Bürgermeister, der dazu aufrief, deutlich Position zu beziehen, sobald sich diskriminierende oder gar Menschen verachtende Vorfälle abzeichnen. „Zeigen wir Zivilcourage. Antisemitistischen und rassistischen Ressentiments darf kein Platz geboten werden. Denn erst sind es Wort, dann folgen Taten.“
Die Gedenkveranstaltung wurde von der ersten stellvertretenden Bürgermeisterin mitgestaltet. Ariane Stech trug ein Gedicht vor. Auch Schülerinnen und Schüler des Konrad-Adenauer-Gymnasiums beteiligten sich. Mit Gedichten und Berichten Überlebender der Shoah erinnert sie an die Pogromnacht als Auftakt des Holocausts. Es waren eindringliche Erzählungen, die die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten mitsamt ihren Lehrerinnen und Lehrer vorbereitet hatten und vortrugen. Bürgermeister Jung dankte der Arbeitsgruppe „Demokratie im Alltag“ herzlich für das Engagement. Nur einen Tag vor der Pogromnacht hatte die Lehrerin Christina Eilers mit ihrem Leistungskurs Geschichte eine Exkursion zur Erinnerung an die Judenverfolgung in Meckenheim unternommen. Hierbei wurden auch die in der Stadt verlegten „Stolpersteine“ gereinigt und der Ermordeten gedacht. Jung dankte für „diese wunderbare Idee.“
